Messezukunft? Gibt es schon.

In einigen Medien-Berichten über die Messewirtschaft heißt es gelegentlich, dass die Messe als solche tot ist oder jedenfalls ziemlich am Ende, dass kaum jemand aus der digitalen Generation Lust hat, seine Zeit in unattraktiven Messehallen zu verbringen und dass Messen ohnehin den digitalen Medien weichen werden. Wiederbelebungsmaßnahmen seien akut nötig, so heißt es oft, allen voran Festivalisierung und Digitalisierung: Messen sollen einfach mehr Spaß machen. Politiker und andere Prominente sollen sich außerdem mehr um Messen kümmern, aber auch die Messehalle selbst soll optimiert werden, intuitiver begehbar sein, Themenschwerpunkte setzen und Ruhezonen anbieten. Reine Theorie? Wunschdenken? Nein – das alles gibt es schon, etwa in der Outdoor-Branche, die das Thema Messe seit längerem unkonventionell angeht.

Bundesminister Gerd Müller besuchte am 1. Juli 2019 die Outdoor by ispo in München. Foto © Messe München GmbH/Holger Rauner Auf der Outdoor 2019 konnte man Extremkletterer Jost Kobusch treffen. Foto © Messe München GmbH/Holger Rauner Persönlich vor Ort: Tim Leatherman signierte auf der Outdoor sein weltbekanntes Werkzeug. Foto © Messe München GmbH/Holger Rauner Nähservice bei deuter: Während der Messe bot der Hersteller deuter einen Reparaturdienst an. Foto © AUMA Viel Luft zum Sitzen: Überall auf der Messe gab es Ruhezonen. Foto © Messe München GmbH/Holger Rauner Quiz und Mitmachangebote bei ecco. Foto © AUMA

Auf der diesjährigen Outdoor by ispo war dies gut zu sehen: Festivalisierung von Messen? Die Outdoor als Messe hat ebenso wie die Outdoor-Branche die Wende von der Produkt- zur Eventinszenierung schon vor längerer Zeit vollzogen. Man findet bei den Ausstellern vielfältige Mitmachangebote, darunter ein Quiz und Beutelkordeln bei ecco, Reparaturdienst auf dem deuter-Stand, gemeinsame Camps und Marken-gebrandete Reisen. Outdoor gilt als Lebensgefühl, die Branche ist 365 Tage (und Nächte) aktiv. Auf der Outdoor-Website werden eine Vielzahl von Touren und Camps angeboten, außerdem Gesundheitstipps, Outdoor-Geschichten und Wettbewerbe mit tollen Gewinnen, darunter ein Sommerbiwak am Hintertuxer Gletscher und OutDays Sunset Hike. 33 messebegleitende Events wurden vom Veranstalter angeboten.

Prominente und Politiker auf Messen? Tim Leatherman signierte Leatherman-Tools. Adam Ondra, einer der weltbesten Sportkletterer, diskutierte mit anderen Sportkollegen über Klettern bei den Olympischen Spielen in Tokio. Und Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sprach auf dem Messestand des BMWI „Grüner Knopf“ über ethische und ökologische Aspekte in der Textilproduktion – mit Presserundgang und Interviews. Neue Formen der Hallenbelegung? Die Stände waren links und rechts eines zentralen, breiten Ganges platziert mit entsprechend guter Orientierung für die Besucher. Sonderausstellungen mit Sitzkissenbereichen boten Information in Kombination mit Ruhezonen, eine Chill Area mit Information Upload sozusagen. Und auch als das Unwetter am 1. Juli in München die Outdoor-Aktivitäten außerhalb der Halle unmöglich machte – Indoor hat Outdoor auch bestens funktioniert. Es zeigt sich: Manche andere Branche konnte hier viel lernen.

Moderne Hallenbelegung: Zentraler Gang mit guter Orientierungsmöglichkeit für die Besucher auf der Outdoor. Foto © Messe München GmbH/Holger Rauner Mitmachangebote für Besucher auch bei Fjällraven. Foto © AUMA Aktionskünstler schafft kreative Atmosphäre auf der Outdoor. Foto © AUMA

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Was macht eigentlich der gläserne Messebesucher?

Seit längerem finde ich den „gläsernen Messebesucher“ nicht mehr in den Medienberichten unserer Branche. Hat er sich am ebenfalls viel zitierten „Scheideweg“ verirrt und ist hinter dem „Leuchtturm“ abhanden gekommen? Oder steht er auf dem Index, weil die Erhebung, Speicherung und Weiterverbreitung von Personendaten seit langem kritisch gesehen werden – schon zu vor-digitalen Zeiten. Stand die Metapher doch für Datensammel- und Befragungswut, auch auf Messen.

Mittlerweile ist jedoch nicht nur der Messebesucher in seinen vielfältigen Rollen als Entscheider, Einkäufer, Marktanalyst oder Jobsuchender von Interesse, sondern auch sein Weg über die Messe. Welches waren die Top-Anlaufpunkte? Welche Produktinszenierung kam bei den Besuchern am besten an? Welcher Vortrag zog die meisten Besucher an? Wie hoch war die Dichte an Entscheidern am Stand?

Für diese Studien gibt es auch digitale Instrumente, eines darunter soll bei der diesjährigen HANNOVER MESSE eingesetzt werden: Der Besucher erhält mit dem Badge einen Bluetooth-Anhänger, der ihn über die Messe begleitet und seinen Weg auf anonyme Weise dokumentiert. Die so erhobenen Daten sind zum einen für den Veranstalter wichtig. Er kann feststellen, wie gut Highlights und Wegeführung geplant wurden. Er kann dem Besucher während seines Rundgangs Botschaften schicken und womöglich kann man mit den gewonnenen Erkenntnissen sogar Geld verdienen. Für größere Aussteller sind solche Daten ebenfalls von Interesse, da sich so nicht nur die Verweildauer der Gäste am Stand, sondern auch die Performance einzelner Bereiche auf dem Stand auswerten lassen. Eine ideale Basis für die anschließende Kundenansprache, die Auswahl von Themen sowie die Gestaltung künftiger Messeauftritte.

Die Bereitschaft des Besuchers, solchen Trackingverfahren zuzustimmen, steigt übrigens, wie auf dem AUMA FachForum „Besuchertracking“ am 25. März 2019 deutlich wurde. Vielleicht ist er ja aus den E-Commerce-Erfahrungen schon ziemlich abgehärtet? Da fallen die Spuren, die der Besucher auf den realen Marktplätzen hinterlässt, eher schmal aus. Also: gute Zeiten für Messetransparenz.

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Was macht eigentlich der gläserne Messebesucher?

Seit längerem finde ich den „gläsernen Messebesucher“ nicht mehr in den Medienberichten unserer Branche. Hat er sich am ebenfalls viel zitierten „Scheideweg“ verirrt und ist hinter dem „Leuchtturm“ abhanden gekommen? Oder steht er auf dem Index, weil die Erhebung, Speicherung und Weiterverbreitung von Personendaten seit langem kritisch gesehen werden – schon zu vor-digitalen Zeiten. Stand die Metapher doch für Datensammel- und Befragungswut, auch auf Messen.

Mittlerweile ist jedoch nicht nur der Messebesucher in seinen vielfältigen Rollen als Entscheider, Einkäufer, Marktanalyst oder Jobsuchender von Interesse, sondern auch sein Weg über die Messe. Welches waren die Top-Anlaufpunkte? Welche Produktinszenierung kam bei den Besuchern am besten an? Welcher Vortrag zog die meisten Besucher an? Wie hoch war die Dichte an Entscheidern am Stand?

Für diese Studien gibt es auch digitale Instrumente, eines darunter soll bei der diesjährigen HANNOVER MESSE eingesetzt werden: Der Besucher erhält mit dem Badge einen Bluetooth-Anhänger, der ihn über die Messe begleitet und seinen Weg auf anonyme Weise dokumentiert. Die so erhobenen Daten sind zum einen für den Veranstalter wichtig. Er kann feststellen, wie gut Highlights und Wegeführung geplant wurden. Er kann dem Besucher während seines Rundgangs Botschaften schicken und womöglich kann man mit den gewonnenen Erkenntnissen sogar Geld verdienen. Für größere Aussteller sind solche Daten ebenfalls von Interesse, da sich so nicht nur die Verweildauer der Gäste am Stand, sondern auch die Performance einzelner Bereiche auf dem Stand auswerten lassen. Eine ideale Basis für die anschließende Kundenansprache, die Auswahl von Themen sowie die Gestaltung künftiger Messeauftritte.

Die Bereitschaft des Besuchers, solchen Trackingverfahren zuzustimmen, steigt übrigens, wie auf dem AUMA FachForum „Besuchertracking“ am 25. März 2019 deutlich wurde. Vielleicht ist er ja aus den E-Commerce-Erfahrungen schon ziemlich abgehärtet? Da fallen die Spuren, die der Besucher auf den realen Marktplätzen hinterlässt, eher schmal aus. Also: gute Zeiten für Messetransparenz.

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Motorrad-Gottesdienst im Kölner Dom und Konvoi zur Intermot

Motorrad-Gottesdienst im Kölner Dom und Rallye zur IntermotViele Messemacher organisieren parallel zu ihren Branchenschauen Events in der jeweiligen Messestadt: Lesefestivals, Kunstevents oder Modeschauen bieten den Messebesuchern ein attraktives Rahmenprogramm jenseits des Messegeländes. Gute Gründe dafür gibt es reichlich, so zahlen die Stadt und ihre touristischen Attraktionen auf die Anziehung der jeweiligen Messe ein. Und warum sollen Stadt, Region und Bewohner im Gegenzug nicht auch über die Umwegrendite hinaus etwas von der Messe haben? Sind sie doch oft Eigner des Messegeländes und der Messe – zumindest ist das vielfach in Deutschland so. Dennoch ist es nicht immer einfach, ein Publikumsevent zu erfinden, das perfekt zum Messethema passt.

Im Falle der Motorradmesse Intermot in Köln lag die Idee dafür aber auf der Straße, denn Motorradfahrer sind bekanntlich für eine gemeinsame Tour leicht zu begeistern, noch dazu im Konvoi durch Köln. Dem voraus ging ein ökoumenischer Gottesdienst im Kölner Dom speziell für Motorradfahrer, den Pastor Lars Lemke, Pastor für den Hamburger Motorradgottesdienst (MOGO) und Bikerseelsorge der Nordkirche, und Domdechant Monsignore Robert Kleine gemeinsam hielten. Auch wenn mich der mit Blue-Knights gebrandete Fahrer vor mir in der Kirchenbank kurz an die Einsegnung von Kreuzrittern erinnerte, war die Predigt sehr bewegend: Die Fahrer wurden an Verantwortung, Vorsicht und Rücksichtnahme erinnert und mit ihren Maschinen von Monsignore Kleine gesegnet. Schließlich machte sich ein Konvoi aus hunderten Motorrädern und Rollern auf den Weg zur Intermot auf das Gelände der Koelnmesse, freies Parken dort inklusive. Schön wars!

Und hier ist die (fast) komplette Fahrt zu sehen: https://youtu.be/RbpQKJ10GEw

 

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AUMA 111: Wirtschaftswunder am Nil

Industrieausstellung warb 1957 in Nordafrika für die deutsche Wirtschaft

Deutsche Industrieausstellung 1957 in Kairo - Die IMAG hat dazu einen Film aus ihrem Archiv digitalisiert.Auslandspräsentationen der deutschen Wirtschaft gibt es schon recht lange: Sie reichen bis in die Gründungszeit der Bundesrepublik zurück. Viele Länder hatten damals noch keine Fachmessen, daher organisierte Deutschland eigene Ausstellungen vor Ort, um neue Märkte zu öffnen. Die erste sogenannte Technogerma fand 1954 in Mexiko statt; es folgte eine weitere in Finnland im Jahre 1956 und schließlich eine in Ägypten im Jahre 1957. Diese erste Gemeinschaftspräsentation der Bundesrepublik in einem arabischen Land überhaupt fand trotz der damaligen Spannungen im Nahen Osten statt – parallel zum Suezkonflikt. Auch eröffnete im Herbst desselben Jahres, also nur wenige Monate später, die DDR ihrerseits eine Industrieausstellung in Kairo, die zwar viel kleiner war, aber ebenfalls  für politische Aufregung sorgte.

An der Deutschen Industrieausstellung in Kairo vom 14. März bis 3. April 1957 beteiligten sich 420 deutsche Unternehmen  auf einem 50.000 qm großen Areal. Sie präsentierten Erzeugnisse aus allen exportrelevanten Industriebranchen “made in Germany”: Maschinenbau, Schwerindustrie, Chemie, Pharmazie, Fahrzeugbau und Bauindustrie. Eine halbe Million Besucher kamen in den drei Wochen auf die Nilinsel Gezira, um die Wunder der deutschen Wirtschaft zu sehen. Organisator der Ausstellung war die IMAG mit Sitz in München, die seit Gründung der Bundesrepublik Auslandsmessebeteiligungen in deren Auftrag durchführte. Veranstalter war der AUMA – Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, damals noch mit Sitz in Köln.

Plakat zur Deutschen Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Veranstaltet vom AUMA, durchgeführt und organisiert von der IMAG – Bild aus dem Dokumentationsfilm der IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Im Bulli unterwegs durch die Wüste – © IMAG Deutsche Industrieausstellung 1957 in Kairo – Album – © IMAG GmbH

Deutsches Gemeinschaftsprojekt am Nil: Die IMAG organisierte im Auftrag der Bundesrepublik und des AUMA die erste Deutsche Industrieausstellung in Ägypten, in einer Zeit großer Spannungen im Nahen Osten, während des Suezkonflikts.

Die Bedeutung der Deutschen Industrieausstellung reichte jedoch weit über die reine Produktschau hinaus: Die Ausstellung war Wirtschafts- und Kulturbotschafter der neuen Bundesrepublik: So entstand in Kairo neben den sieben Hallen mit Kränen, Transportern und Autos ein exotisch anmutender Nachbau der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit Folklore, Leuchtreklame und Bundesländerpavillons; im Messerestaurant wurden Wein und Bier ausgeschenkt. Das alles tausende Kilometer zu transportieren war eine technisch-logistische Herausforderung: 10.000 Container kamen auf dem Seeweg nach Alexandria, deren Transport nach Kairo weitere acht Wochen und 400 LKWs in Anspruch nahm.

Einen schönen Einblick in die Deutsche Industrieausstellung in Kairo bietet der historische Film der IMAG, der jetzt digitalisiert wurde. Die Aufnahmen stammen vom IMAG-Firmengründer Joachim Hietzig selbst. Der Film dokumentiert nicht nur ausführlich die Deutsche Industrieausstellung am Nil, ihre beeindruckendende Vorbereitung und Eröffnung, sondern auch die Besuche von Politikern, darunter des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal-Abdel Nasser. Der Film zeigt viele (mittlerweile kultige) Ausstellungsobjekte und gibt einen Eindruck vom Leben rund um die Ausstellung. Vor allem aber zeigt der Film Kairo in den 50er Jahren, die Stadt, ihre Umgebung und Bewohner und wird damit zu einem wertvollen Zeitdokument.

Hier sehen Sie den Film der IMAG: https://youtu.be/I0MNvZ3RoK0

Informationen zur IMAG GmbH erhalten Sie hier: www.imag.de

Unsere Bildergalerie hier gibt Ihnen einen kleinen Ausblick auf das Filmdokument.

Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Aufbau – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Landung in Alexandria – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Transport von Alexandria nach Kairo – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Touristische Highlights – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Eröffnung in Gezireh – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Eröffnung -© IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Löwenbräu für das Ausstellungsrestaurant © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Folklore auf dem  Ausstellungsgelände – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – © IMAG Deutsche Industrieausstellung in Kairo 1957 – Touristische Highlights – © IMAG

420 Aussteller beteiligten sich an der Deutschen Industrieausstellung. 8.000 Kolli mit Ausstellungsgütern wurden auf 11 Schiffen nach Alexandria befördert. Für den Weitertransport nach Kairo gab es 8 Wochen lang einen Pendelverkehr mit rund 400 LKWs – bereits zu der damaligen Zeit eine technisch-logistische Meisterleistung.

 

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