Beobachten, erkennen und handeln! Rassismus im Umfeld von Kitas

Vielfalt der Geschlechter, Integration und Inklusion – Themengebiete, die in den vergangenen Jahren vermehrt in den Fokus politischer Auseinandersetzungen gerückt sind. Bereiche, in denen progressive und emanzipative Bewegungen Erfolge erzielen konnten – Erfolge, gegen die sich aber auch ein immer größerer Widerstand erhebt – und der kommt von rechts. „Insbesondere im Bereich der Sexualpädagogik lässt sich diese Entwicklung beobachten“, erklärt Matthias Lorenz, der in der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern tätig ist.

Ein patriarchales Bild der Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau wird zur Norm erhoben. Alle nicht-heteronormativen Lebensformen werden hingegen zum Feindbild erklärt. Rechte Parteien und Bewegungen beziehen sich darin sehr stark auf ihre Idealvorstellung der Beziehungskonstellation und versuchen sie mit aller Gewalt als Norm durchzusetzen. Dies entrechtet und bedroht all jene, die sich außerhalb der Enge und Strenge dieser Norm befinden. Lesben, Schwule, Transgender und viele andere – Millionen Menschen, die jenseits der heterosexuell monogamen Zweierbeziehung Verantwortung für einander übernehmen.“ Die Rechten kämpfen darum, dass sich die Emanzipationsentwicklung in diesen Bereichen wieder zurückbewegt und würden dafür am liebsten die Zeit zurückdrehen, so Lorenz. Als Beispiel nennt er die sogenannte Demo für alle, die ursprünglich aus Frankreich stammt und schließlich auch in Deutschland ihren Einzug hielt. Sie richtet sich hauptsächlich gegen progressive Reformen im Bereich der Sexualpädagogik.

Einflussnahme erkennen

In der Praxis zeige sich dies beispielsweise in rassistischen Äußerungen von Eltern oder auch den Kindern selbst, die diese Denkmuster von ihren Eltern übernehmen. Genauso könne es aber auch Kita-Kräfte geben, von denen entsprechende Aussagen stammen oder die etwa Kinder mit Migrationshintergrund auf diskriminierende Weise anders behandeln. Ebenso könne es passieren, dass von außen versucht wird, Einfluss zu nehmen, „zum Beispiel, wenn in unmittelbarer Nähe von Kitas plötzlich Flyer mit entsprechenden Inhalten auftauchen“, erklärt Lorenz und ergänzt: „Ebenso eine Einflussnahme ist es, wenn beispielsweise die AfD im bayerischen Landtagswahlkampf ,islamfreie Schulen‘ fordert oder Eltern gegen Kita-Kinder aus geflüchteten Familien hetzen. Aus unserer praktischen Beratungserfahrung wissen wir, dass solche Vorfälle leider keine Einzelfälle sind,“ so Lorenz.

Was derartige Inhalte sein können, darüber klärt die Mobile Beratung auf: „Was sind typische Erkennungszeichen und Codes, woran erkenne ich die antifeministische, homo- und transphobe Hetze rechter Akteure, wie bemerke ich rassistische oder antisemitische Äußerungen und wie gehe ich damit am besten um – uns kann man immer kontaktieren, auch wenn man mit etwas unsicher ist. Wir bieten die erforderlichen Hintergrundinformationen, um – auch getarnten oder unterschwelligen – Rassismus zu erkennen.“ Zusätzlich gebe die Mobile Beratung hilfreiche Tipps für die Praxis oder verweise auf die entsprechende Beratungsstelle. Auch bei konkreten Vorfällen könne man sich kostenfrei an die Mobile Beratung wenden, die nicht nur telefonisch berät, sondern auch vor Ort dabei hilft, gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln. Zudem werden Workshops und Vorträge angeboten.

Tipps für die Praxis

Wie man sich am besten mit den Betroffenen rassistischer, homo- oder transfeindlicher Angriffe solidarisiert, mag von Situation zu Situation verschieden sein, so Lorenz. Dennoch gibt er zwei wesentliche Tipps für die Praxis: „Auf jeden Fall sollte man reagieren, auch um den Betroffenen zu zeigen, dass man an ihrer Seite steht. Außerdem empfiehlt Lorenz einen klar formulierten und offenen Widerspruch, denn: „Je früher und deutlicher man das thematisiert, desto mehr erreicht man auch.“

Ein Widerspruch ist für Lorenz dabei mehr als nur bloße Worte: „Widerspruch heißt nicht nur, zu sagen, wogegen man ist, sondern beinhaltet auch ein progressives Vorgehen, ein Aufzeigen, wie Inklusion in der Praxis aussehen kann.“ Leider sei es in der Praxis keine Seltenheit, dass Menschen, die sich gegen Rassismus einsetzen, angefeindet und bloßgestellt werden. Hier gelte es, zusammenzuhalten, sich nicht spalten zu lassen und für seine demokratischen und menschenrechtsorientierten Überzeugungen auch gegen Widerstände einzustehen. „Gerade aus diesem Grund ist es so wichtig, couragiertes Eintreten von Mitarbeiter*innen sowie das Eintreten für Gerechtigkeitssinn und Solidarität zur Kenntnis zu nehmen und zu fördern, anstatt diese als Störenfriede zu bezeichnen“, appelliert Lorenz.

Ein weiterer Punkt sei es, selbstkritisch zu sein und sich auch immer wieder selbst zu hinterfragen, ob man nicht unbemerkt bestimmte Denkmuster übernommen hat. Zudem sei es von Bedeutung, nicht nur täterfixiert zu denken, sondern den Blick vor allem auf die Betroffenen zu richten und diese auch ganz konkret nach ihren Bedürfnissen zu fragen: „Es ist wichtig, in Auseinandersetzungen seinen Widerspruch nach außen hin allen anderen zu zeigen sowie nicht zuletzt auch den Betroffenen deutlich zu machen, dass man hinter ihnen steht. Und auf diese Weise ein Zeichen zu setzen – sowohl für den Täter als auch für die Gesellschaft – dass ein solches Verhalten nicht toleriert wird.“

Autorin: Lena Häusler

Im Rahmen der ConSozial 2019, Deutschlands größter KongressMesse für den Sozialmarkt, hält Matthias Lorenz einen Fachvortrag im Kita-Kongress zum Thema Rassismus im Umfeld von Kitas.

Fachvortrag: 06.11.2019 (Mittwoch) von 14:00 – 15:00 Uhr: Was tun gegen rechte und rassistische Vorfälle im KITA-Alltag? Analyse und Reflektion.

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Sprungbrett für Weltverbesserer

Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact und hilft Social Start-ups bei der Gründung nachhaltig erfolgreicher Unternehmen. Fotorecht: Björn Kowalewski.

Erfolgreiches Unternehmertum, ökonomisches Denken und wirtschaftliches Handeln sind wohl Begriffe, die nicht sofort an Social Start-ups denken lassen. Dennoch sind auch das Aspekte, die für Sozialunternehmen durchaus zutreffen und wichtig sind. Social Start-ups liegen im Trend und verbinden Wirtschaftlichkeit mit sozialem Mehrwert. Sie sind soziale Problemlöser und Visionäre des sozialen Fortschritts und wollen gesellschaftliche, ökologische und soziale Konflikte mit ihren Ideen lösen, um so die Welt ein Stückchen besser zu machen. Norbert Kunz ist der Gründer von Social Impact. Er arbeitet seit über 30 Jahren in der Branche und hilft Start-ups dabei, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Social Impact versteht sich als Agentur für soziale Innovationen und hat schon etliche Social Start-ups auf ihrem Weg begleitet. Im Interview gibt Herr Kunz Einblicke in seine Arbeit und die Start-up Szene.

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Herr Kunz, inzwischen feiern Sie mit Social Impact über 30 Jahre Erfolgsgeschichte, haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten und betreiben acht Social Impact Labs in ganz Deutschland. Wie sind Sie dazu gekommen und wie können Sie Existenzgründer*innen unterstützen?
Angefangen haben wir 1994 mit einem Qualifizierungsprogramm für arbeitslose Jugendliche ohne Berufsausbildung. Erst später haben wir mit dem Existenzgründungsprogramm begonnen und haben in den letzten Jahren über 3.000 Gründungsprojekte unterstützt. Seit 2011 fokussieren wir uns nun auch auf Social Start-ups und haben hier schon über 300 Projekte betreut. Social Start-ups sind Unternehmen, die soziale oder ökologische Probleme lösen wollen. Wir helfen ihnen bei der Entwicklung der sozialen Geschäftsmodelle und bei der Verbreitung ihrer Innovationsansätze. In jedem Lab erfolgen zwei- bis dreimal pro Jahr Bewerbungsaufrufe. Aus einer Anzahl von 30-50 Bewerbungen, werden dann 8-10 Projekte ausgewählt, die vor einer unabhängigen Jury aus Experten der Sozialwirtschaft pitchen können. Aus diesen werden dann vier bis fünf ausgewählt und in unser Programm aufgenommen. Dieses ist sehr umfangreich: Co-Working, Coaching, Mentoring, Workshops. Wir verfolgen hier einen ganzheitlichen Ansatz und möchten, dass unsere Start-ups auch nachhaltig erfolgreich sind. Und wir haben hier auch eine wirklich gute Erfolgsquote, ich würde mal sagen so zwischen 70 und 80 Prozent.

Das Start-up „GemüseAckerdemie“ zeigt Kindern, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie zum Beispiel Kartoffeln und anderes Gemüse angebaut wird. Fotorecht: Katharina Kühnel

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Wenn Sie die letzten Jahre zurückdenken, was war für Sie eines der herausragendsten Projekte, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich unendlich viele. Was mir spontan einfällt: Eines der ersten Projekte, die ich betreute, war Ende der 90er Jahre. Wir unterstützten einen 19-Jährigen dabei sich im IT-Bereich selbständig zu machen. Fünf Jahre später traf ich den jungen Mann wieder und er kam mit einem roten Cabriolet vorgefahren und meinte zu mir: „Weißt du Norbert, meine Kunden verlangen von mir, dass ich mit so einem Auto komme“. Da musste ich schon schmunzeln. Ein anderes tolles Projekt, das mir einfällt ist die GemüseAckerdemie. Das ist ein Schulprojekt, bei dem Schüler*innen selbst Gemüse anbauen, vermarkten und verkaufen. Das Programm möchte bei den jungen Menschen ein Verständnis für die Lebensmittelproduktion und nachhaltigen Konsum schaffen. Auch Auticon möchte ich noch erwähnen. Das Start-up beschäftigt Autisten mit einer Spezialbegabung im IT Bereich. Dort werden die Angestellten für einzelne IT-Projekte von Firmen eingesetzt. Menschen mit Behinderung haben es leider oft schwer im Arbeitsmarkt.
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Wie hat sich die Gründerszene in den letzten Jahren verändert?
Ich würde sagen in den letzten sieben bis acht Jahren hat sich schon einiges getan. Zwischenzeitlich gab es wenige Gründer, die sich aus Not, eben aus der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit heraus selbständig machen wollten. Dies gewinnt nun wieder an Bedeutung, wenn ich hier an Geflüchtete denke. Deshalb haben wir auch den ersten Gründungsinkubator für Geflüchtete etabliert. Mit den Social Impact Labs adressieren wir in erster Linie gut ausgebildete junge Menschen, die etwas bewegen wollen, die eine soziale Lösung haben und diese Innovation teilen möchten.
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Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Gründer*in aus?
Ich rate Gründer*innen immer dazu zuzuhören und offen zu sein. Man sollte Kritik und Ratschläge annehmen und vor allen Dingen ernst nehmen. Außerdem sollte jedes Social Start-up mit Herz bei der Sache sein, an die Innovation glauben und nicht vorschnell aufgeben. Auch ein wichtiger Punkt ist Partner für seine Idee zu gewinnen. Unterstützer und Kooperationspartner können für junge Unternehmen äußerst hilfreich sein und einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen, sowohl finanziell als auch was Erfahrung und Wissen betrifft.
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Sie sind ja Kooperationspartner des Innovationsparks. Hier gestalten Sie den Social Start-up Talk. Was haben Sie genau geplant?
Unser Ziel ist es natürlich die Ideen der Social Start-ups bekannt zu machen, denn hier gibt es eine deutliche Lücke. Viele soziale Innovationen sind nicht bekannt und es ist auch weitgehend unbekannt, dass es eine Start-up Szene gibt, die Lösungen für soziale Probleme entwickelt. Auf der ConSozial möchten wir den Start-ups die Möglichkeit geben sich in Pitches vorzustellen. Wir wollen aber natürlich auch den Austausch fördern und haben in dem Programm verschiedene Formate wie Speed-Networking vorgesehen. Ein weiteres Ziel ist es natürlich die Wohlfahrtsverbände anzusprechen und zukünftige Kooperationen und Partnerschaften anzubahnen.

Der Innovationspark auf der ConSozial bietet Social Start-ups die Gelegenheit ihre Idee mit einem breiten Fachpublikum zu teilen. Fotorecht: Heiko Stahl.

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Warum sind in Ihren Augen Messen wie die ConSozial so wichtig?
Das liegt doch auf der Hand. Start-ups müssen dorthin gehen wo der Markt bzw. der Marktplatz ist und daher liegt es nahe, dass sie ihre Innovationen auch auf Messen wie der ConSozial zeigen. Dort wird die gesamte Sozialbranche abgebildet und alle wichtigen Akteure wie Wohlfahrtsverbände, Sozialträger, Partnerorganisationen und weitere Sozialunternehmen sind gesammelt vor Ort. Daher ist es nur empfehlenswert dort auch präsent zu sein.
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Vielen Dank für das Interview.

Der ConSozial inklusive dem Innovationspark findet am 6. und 7. November 2019 im Messezentrum Nürnberg statt. 

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„Wir müssen Expert*innen für Unsicherheit werden!“

Berufe im Bereich der Pflege gelten nicht selten als anstrengend, kräftezehrend und unterbezahlt. Nicht zuletzt entscheidende Gründe, warum die Branche derzeit mit einem enormen Mangel an Fachkräften zu kämpfen hat. Umso erstaunlicher sei es, dass in den Niederlanden mit Buurtzorg ein Unternehmen des Pflegesektors mehrmals zum beliebtesten Arbeitgeber gewählt worden ist, meint Marie Ringler.

Die Europachefin von Ashoka, der weltweit größten Non-Profit-Organisation zur Förderung von Sozialunternehmer*innen, erklärt das Konzept hinter der von Ashoka unterstützten Innovation:

„Das Besondere ist, dass Hierarchien und eine Kontrolle der Mitarbeiter*innen abgeschafft wurden.

„Innerhalb von kleinen Teams entscheiden die Pfleger*innen selbst, wie viele Menschen sie in welchem Zeitraum betreuen, um für diese die bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.“ Auf diese Weise entstehe die hohe Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Zudem würden dadurch die Kosten der Pflege um rund 50% gesenkt werden – „und das ohne Abstriche in der Qualität“, meint Ringler und ergänzt: „Die Idee dabei ist es, den Mitarbeitenden als Expert*innen in ihrem Bereich Autonomie zurückzugeben.“

Ein Trend zu neuen Strukturen

Eine Idee, die gen Zukunft weist, wie Ringler festgestellt hat: „Ashoka lernt jedes Jahr Hunderte, wenn nicht gar Tausende Sozialunternehmer*innen kennen, die sich um eine Mitgliedschaft bewerben. Da haben wir natürlich ein ungeheures Verständnis, wo die Innovationen sind, was am besten funktioniert, und wohin der Trend geht.“

Marie Ringler ist die Europachefin von Ashoka. Die Organisation unterstützt Sozialunternehmer*innen mit dem Ziel „Everyone a Changemaker“ und ist das weltweit größte Unterstützungsnetzwerk für Social Entrepreneurs. Fotorecht: Marie Ringler

Aktuell zeichnet sich ab, dass das klassische hierarchische Führungsmodell nicht mehr funktioniert – sowie der Wunsch, alle Probleme alleine lösen zu wollen: „Heutzutage setzt man auf einen Ansatz, der auf Partnerschaften beziehungsweise Allianzen baut, wo man in starken Teams und nicht in klassischen Strukturen die effektivste Lösung erreicht.“ Insbesondere auch, wenn es um das Thema Kooperationen geht, sind ungewohnte Wege sehr gefragt. Als Beispiel nennt Ringler ein Sozialunternehmen aus Großbritannien, das sich dafür Starbucks auserkoren hat. Das Ziel ist es, mehr junge Menschen für Politik zu erreichen. „Und wo findet man die? Bei Starbucks!“, erklärt Ringler die Wahl auf den „völlig unwahrscheinlichen Partner“. Auch gefühlte „Gegner“ wie etwa Sozialversicherungen hätten sich schon als die besten Partner für Kooperationsarbeit herausgestellt. „Man muss dabei manchmal etwas um die Ecke denken.“

Mut zu neuen Lösungen

Doch was ist zu beachten, damit der Wagemut auch von Erfolg gekrönt wird? „Zunächst muss man überhaupt erst seinen Mut zusammensuchen“, so Ringler. Das sei der allererste Schritt. Dabei komme man nicht darum herum, sich darauf einzulassen, dass die Welt unsicher ist: „Wir müssen Expert*innen für Unsicherheit werden. Mit Neugierde und Kreativität das Problem neu zu denken, neu zu framen, neu zu definieren. Und schließlich neue Wege gehen in der Problemlösung.“ Dabei machen wir ganz sicher Fehler – doch das sei in Ordnung. „Wir müssen nur daraus lernen“, meint Ringler.

Eine gewisse Risikobereitschaft gehört dabei in jedem Fall dazu. Laut Ringler nicht nur für Sozialunternehmer: „In der heutigen Welt ist Risikobereitschaft für jede und jeden von uns wichtig. Wir müssen lernen, damit zu leben. Die Herausforderung besteht nicht darin, alles zu wissen und zu können, sondern darin, mit großer Lust in ein großes Becken voller Unsicherheit hineinzuspringen.“ Eine Gefahr, die Grenze zu einer zu großen Blauäugigkeit zu überschreiten, sieht Ringler dabei nicht: „Man muss natürlich wissen, was man tut. Und es machen, weil man die Welt verändern will. Wenn das unser Leitstern am Himmel ist, hilft es uns, das richtige Maß zu erkennen.

Wir sollten uns eher um zu wenig Risikobereitschaft sorgen, nicht um zu viel.“

Gründer*innen im Fokus

Um ein Ashoka-Stipendium zu erlangen, ist eine Offenheit für innovative Wege gefordert: „Zunächst stellt sich uns die Frage: Ist der Ansatz beziehungsweise die Lösung dahinter neu? Dann folgt der Blick auf die Gründerperson, die dahintersteht. Hat sie eine herausragende Persönlichkeit?“ Dies habe nichts mit einem Schulabschluss zu tun, sondern mit Kreativität. Zudem solle sie der Sache zu 100 % verpflichtet und integer sein sowie ethisch vertretbare Ansichten haben.

Wie sich in den Aufnahmekriterien bereits zeigt, steht der Mensch als Gründer*in im Zentrum von Ashoka, was Ringler mit der bestehenden Ausgangslage erklärt: „Oftmals werden zwar Projekte oder Organisationen an sich unterstützt, doch die Gründerpersönlichkeiten selbst bekommen meist keine ausreichende Unterstützung für ihre häufig sehr schwere und anspruchsvolle Arbeit.“

Ashoka existiert bereits seit über 40 Jahren und ist mittlerweile in 90 Ländern mit mehr als 3.000 Mitgliedern vertreten. Um ein sogenannter Fellow zu werden, sei es nicht wichtig, um welche Art von Geschäftsmodell es sich handelt, sondern es gehe darum, die Wurzel des Problems mit einer unternehmerischen Haltung anzupacken. Das Ziel dabei sollte ein großflächiger, globaler Systemwandel sein, wie Ringler fordert: „Es geht beispielsweise nicht darum, ein paar Bäume zu pflanzen, sondern darum, die gesamte Zerstörung des Regenwaldes zu stoppen. Wohlfahrtssysteme – durch die Arbeit mit der Regierung und öffentlichen Institutionen – innovativ zu machen. Mehr Menschen mehr Unterstützung anzubieten und sie zu ermächtigen, Probleme selber zu lösen.“

Autorin: Lena Häusler

Im Rahmen der ConSozial 2019, Deutschlands größter KongressMesse für den Sozialmarkt, hält Marie Ringler einen Fachvortrag im Kongress zum Thema Neues Führen und Kooperieren.

Fachvortrag: 06.11.2019 (Mittwoch) von 14:00 – 15:00 Uhr: Neues Führen. Neues Kooperieren. Lösungen für eine komplexe Welt.

 

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„Geht nicht, gibt’s nicht: Gemeinsam Grenzen verschieben“

Janis McDavid ist unaufhaltsam. Der 27-Jährige wurde zwar ohne Arme und Beine geboren, lässt sich aber davon nicht stoppen. Auf der ganzen Welt begeistert er mit seinen Vorträgen und Büchern tausende Menschen. Was er sich in den Kopf setzt, zieht er durch.

Grenzen verschieben

Janis McDavid ist voller Tatendrang. Und das spürt man auch in seinen Vorträgen: Er ist authentisch,  voller Leidenschaft und versteht es, sein Publikum mitzureißen. Fotorecht: Caty Otto

Schon früh hat er Spaß daran, seine Grenzen zu erkennen – aber nur, um sie dann auch zu überwinden. Janis McDavid beschäftigt sich intensiv mit Grenzen, die selbstverständlich auch für ihn existieren, doch er arbeitet dann aktiv daran, sie zu verschieben. Die Höhenangst, die er als Kind hatte, ist deswegen längst Geschichte. Aktuell spielt er sogar mit dem Gedanken, es mal mit Paragliding oder einem Fallschirmsprung zu versuchen. Aber die nächste Herausforderung wartet bereits: Janis McDavid plant fest, einmal bei einem Motorradrennen mitzufahren. Und wenn es nur als Beifahrer ist.

 

Barrieren bewältigen

Grenzen und Barrieren sind auch die Schwerpunkte seiner Vorträge. Ihm geht es nicht darum, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen abzubauen, indem er seine Präsentationen darauf ausrichtet, was uns alle verbindet. Sein Ziel ist es, seinem Publikum dabei zu helfen, eigene innere Barrieren zu bewältigen. Ob Motivationsfragen oder Zweifelsspiralen – Janis McDavid bietet praxisnahe Lösungsmöglichkeiten aus eigener Erfahrung.

„Ich hatte immer eine wahnsinnige Neugierde, Dinge auszuprobieren. Ich finde es unheimlich spannend, Menschen und Situationen kennenzulernen und habe den Drang, etwas zu verändern. Und das geht nicht vom Sofa aus.“

Er sieht sich selbst nicht als Mensch mit Behinderung. Zwar gibt es durchaus Momente, in denen es für ihn erschwert wird, seinen Alltag so zu gestalten, wie er das möchte, aber er fühlt sich grundsätzlich an nichts gehindert. Mit der richtigen Planung und ein wenig Kreativität seien auch räumliche Barrieren leicht für ihn überwindbar. Eine größere Herausforderung sieht er darin, auf politischer Ebene etwas zu ändern. Verbesserungsmöglichkeiten sieht er vor allem im gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Akteure: „Viele Menschen können sich nur schwer in die Lebensrealitäten anderer hineinversetzen, da hilft nur die Begegnung und der Austausch miteinander.

Neue Sichtweisen erschließen

Mit seinen Vortragsreisen auf der ganzen Welt leitet er bei seinen Zuhörern einen Perspektivenaustausch ein, der bei weitem nicht einseitig ist. Die unterschiedlichen Erfahrungen in verschiedensten Ländern – von Namibia über Peru bis nach Sri Lanka und Vietnam – haben auch bei Janis McDavid neue Sichtweisen erschlossen. Dazu gehört auch eine neu gewonnene Gelassenheit, wenn er bei seinen Reisen beispielsweise auf die landeigenen Definitionen von Pünktlichkeit stößt.

Dass er vor Ort oft Aufmerksamkeit erregt, wundert ihn nicht. „In Peru waren wir auf ziemlich absurde Art und Weise unterwegs. Ich war ja Rucksack-Tourist – heißt allerdings in dem Fall: Ich saß im Rucksack.“

Am 7. November hält Janis McDavid auf der ConSozial seinen Plenumsvortrag mit dem Titel „Geht nicht, gibt’s nicht – Gemeinsam Grenzen verschieben“ (9:45 – 10:15 Uhr, Raum Tokio, NCC Ost Messezentrum Nürnberg).

Von Reiner Klör und Franziska Schöning

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