Sprungbrett für Weltverbesserer

Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact und hilft Social Start-ups bei der Gründung nachhaltig erfolgreicher Unternehmen. Fotorecht: Björn Kowalewski.

Erfolgreiches Unternehmertum, ökonomisches Denken und wirtschaftliches Handeln sind wohl Begriffe, die nicht sofort an Social Start-ups denken lassen. Dennoch sind auch das Aspekte, die für Sozialunternehmen durchaus zutreffen und wichtig sind. Social Start-ups liegen im Trend und verbinden Wirtschaftlichkeit mit sozialem Mehrwert. Sie sind soziale Problemlöser und Visionäre des sozialen Fortschritts und wollen gesellschaftliche, ökologische und soziale Konflikte mit ihren Ideen lösen, um so die Welt ein Stückchen besser zu machen. Norbert Kunz ist der Gründer von Social Impact. Er arbeitet seit über 30 Jahren in der Branche und hilft Start-ups dabei, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Social Impact versteht sich als Agentur für soziale Innovationen und hat schon etliche Social Start-ups auf ihrem Weg begleitet. Im Interview gibt Herr Kunz Einblicke in seine Arbeit und die Start-up Szene.

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Herr Kunz, inzwischen feiern Sie mit Social Impact über 30 Jahre Erfolgsgeschichte, haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten und betreiben acht Social Impact Labs in ganz Deutschland. Wie sind Sie dazu gekommen und wie können Sie Existenzgründer*innen unterstützen?
Angefangen haben wir 1994 mit einem Qualifizierungsprogramm für arbeitslose Jugendliche ohne Berufsausbildung. Erst später haben wir mit dem Existenzgründungsprogramm begonnen und haben in den letzten Jahren über 3.000 Gründungsprojekte unterstützt. Seit 2011 fokussieren wir uns nun auch auf Social Start-ups und haben hier schon über 300 Projekte betreut. Social Start-ups sind Unternehmen, die soziale oder ökologische Probleme lösen wollen. Wir helfen ihnen bei der Entwicklung der sozialen Geschäftsmodelle und bei der Verbreitung ihrer Innovationsansätze. In jedem Lab erfolgen zwei- bis dreimal pro Jahr Bewerbungsaufrufe. Aus einer Anzahl von 30-50 Bewerbungen, werden dann 8-10 Projekte ausgewählt, die vor einer unabhängigen Jury aus Experten der Sozialwirtschaft pitchen können. Aus diesen werden dann vier bis fünf ausgewählt und in unser Programm aufgenommen. Dieses ist sehr umfangreich: Co-Working, Coaching, Mentoring, Workshops. Wir verfolgen hier einen ganzheitlichen Ansatz und möchten, dass unsere Start-ups auch nachhaltig erfolgreich sind. Und wir haben hier auch eine wirklich gute Erfolgsquote, ich würde mal sagen so zwischen 70 und 80 Prozent.

Das Start-up „GemüseAckerdemie“ zeigt Kindern, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie zum Beispiel Kartoffeln und anderes Gemüse angebaut wird. Fotorecht: Katharina Kühnel

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Wenn Sie die letzten Jahre zurückdenken, was war für Sie eines der herausragendsten Projekte, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich unendlich viele. Was mir spontan einfällt: Eines der ersten Projekte, die ich betreute, war Ende der 90er Jahre. Wir unterstützten einen 19-Jährigen dabei sich im IT-Bereich selbständig zu machen. Fünf Jahre später traf ich den jungen Mann wieder und er kam mit einem roten Cabriolet vorgefahren und meinte zu mir: „Weißt du Norbert, meine Kunden verlangen von mir, dass ich mit so einem Auto komme“. Da musste ich schon schmunzeln. Ein anderes tolles Projekt, das mir einfällt ist die GemüseAckerdemie. Das ist ein Schulprojekt, bei dem Schüler*innen selbst Gemüse anbauen, vermarkten und verkaufen. Das Programm möchte bei den jungen Menschen ein Verständnis für die Lebensmittelproduktion und nachhaltigen Konsum schaffen. Auch Auticon möchte ich noch erwähnen. Das Start-up beschäftigt Autisten mit einer Spezialbegabung im IT Bereich. Dort werden die Angestellten für einzelne IT-Projekte von Firmen eingesetzt. Menschen mit Behinderung haben es leider oft schwer im Arbeitsmarkt.
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Wie hat sich die Gründerszene in den letzten Jahren verändert?
Ich würde sagen in den letzten sieben bis acht Jahren hat sich schon einiges getan. Zwischenzeitlich gab es wenige Gründer, die sich aus Not, eben aus der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit heraus selbständig machen wollten. Dies gewinnt nun wieder an Bedeutung, wenn ich hier an Geflüchtete denke. Deshalb haben wir auch den ersten Gründungsinkubator für Geflüchtete etabliert. Mit den Social Impact Labs adressieren wir in erster Linie gut ausgebildete junge Menschen, die etwas bewegen wollen, die eine soziale Lösung haben und diese Innovation teilen möchten.
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Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Gründer*in aus?
Ich rate Gründer*innen immer dazu zuzuhören und offen zu sein. Man sollte Kritik und Ratschläge annehmen und vor allen Dingen ernst nehmen. Außerdem sollte jedes Social Start-up mit Herz bei der Sache sein, an die Innovation glauben und nicht vorschnell aufgeben. Auch ein wichtiger Punkt ist Partner für seine Idee zu gewinnen. Unterstützer und Kooperationspartner können für junge Unternehmen äußerst hilfreich sein und einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen, sowohl finanziell als auch was Erfahrung und Wissen betrifft.
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Sie sind ja Kooperationspartner des Innovationsparks. Hier gestalten Sie den Social Start-up Talk. Was haben Sie genau geplant?
Unser Ziel ist es natürlich die Ideen der Social Start-ups bekannt zu machen, denn hier gibt es eine deutliche Lücke. Viele soziale Innovationen sind nicht bekannt und es ist auch weitgehend unbekannt, dass es eine Start-up Szene gibt, die Lösungen für soziale Probleme entwickelt. Auf der ConSozial möchten wir den Start-ups die Möglichkeit geben sich in Pitches vorzustellen. Wir wollen aber natürlich auch den Austausch fördern und haben in dem Programm verschiedene Formate wie Speed-Networking vorgesehen. Ein weiteres Ziel ist es natürlich die Wohlfahrtsverbände anzusprechen und zukünftige Kooperationen und Partnerschaften anzubahnen.

Der Innovationspark auf der ConSozial bietet Social Start-ups die Gelegenheit ihre Idee mit einem breiten Fachpublikum zu teilen. Fotorecht: Heiko Stahl.

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Warum sind in Ihren Augen Messen wie die ConSozial so wichtig?
Das liegt doch auf der Hand. Start-ups müssen dorthin gehen wo der Markt bzw. der Marktplatz ist und daher liegt es nahe, dass sie ihre Innovationen auch auf Messen wie der ConSozial zeigen. Dort wird die gesamte Sozialbranche abgebildet und alle wichtigen Akteure wie Wohlfahrtsverbände, Sozialträger, Partnerorganisationen und weitere Sozialunternehmen sind gesammelt vor Ort. Daher ist es nur empfehlenswert dort auch präsent zu sein.
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Vielen Dank für das Interview.

Der ConSozial inklusive dem Innovationspark findet am 6. und 7. November 2019 im Messezentrum Nürnberg statt. 

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Neue Gesichter bei der NürnbergMesse

Seit dem 2. September 2019 verstärken zehn Auszubildende und fünf dual Studierende den Kader der NürnbergMesse. Fest steht: Hier wird niemand die Bank drücken und auf eine Einwechslung warten. Die Messeprofis von morgen werden vom ersten Tag voll eingebunden. So lernen sie die Facetten des Messebetriebs kennen, übernehmen Verantwortung und erhalten das nötige Rüstzeug für eine Karriere im Messewesen.

In diesem Jahr werden sechs junge Frauen und vier junge Männer zu Veranstaltungskaufleuten, zur Kauffrau für Büromanagement und Fachkraft für Veranstaltungstechnik ausgebildet. Mit ihnen starten zwei Mitarbeiterinnen und drei Mitarbeiter in ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre. Ihre Schwerpunkte sind Messe-, Kongress- und Eventmanagement sowie Medien- und Kommunikationswirtschaft. Aktuell erlernen damit 46 junge Menschen bei der NürnbergMesse einen Beruf.

Eingebunden in alle Abteilungen

Während der Ausbildungszeit durchlaufen die Auszubildenden verschiedene Abteilungen und lernen die vielfältigen Bereiche des Unternehmens kennen – von der Organisation von Veranstaltungen über die Bauabteilung bis hin zu Marketing, Vertrieb oder der Pressearbeit. Das Konzept geht auf. „Ich habe bereits viele Messen besucht und war schon immer von der Atmosphäre, dem Netzwerkgedanken und der Strahlkraft für Nürnberg fasziniert. Das Messefieber hat mich schon früh gepackt“, erzählt Annika Siegert, Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau. „Jetzt freue ich mich auf spannende sowie abwechslungsreiche Aufgaben und natürlich darauf, selbst Messen zu organisieren und live zu erleben.“

Auch Leopold Marx, Student im dualen Studiengang BWL – Messe, Kongress- und Eventmanagement, hat es wegen des vielfältigen Portfolios zur NürnbergMesse gezogen. „Den Messeprofis über die Schultern zu blicken, wertvolles Hintergrundwissen anzuhäufen und bei vielen Messen dabei zu sein – das ist es, worauf ich mich bei meiner Ausbildung besonders freue“, so Leopold Marx.

Die dualen Studiengänge bei der NürnbergMesse sind eine optimale Verbindung von Theorie und Praxis. So wie Leopold Marx übernehmen die Studentinnen und Studenten früh Verantwortung und lernen die vielen Seiten der Messearbeit kennen. Die Theorie wird derweil an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg (DHBW) „gebüffelt“, mit der die NürnbergMesse kooperiert. Am Ende steht der Abschluss Bachelor of Arts (B.A.) im Studiengang Betriebswirtschaftslehre.

Arbeiten in einem attraktiven Umfeld

Die NürnbergMesse zählt mit aktuell über 1.000 Mitarbeiterin weltweit zu den größten Arbeitgebern in der Metropolregion Nürnberg. Seit der Gründung 1974 wächst das Unternehmen – auch dank der engagierten Belegschaft. Ein professionelles Arbeitsumfeld und ein gutes Arbeitsklima sind deshalb das A und O. Mit Erfolg – nicht wenige haben bei der NürnbergMesse als Praktikant, Student oder Azubi angefangen und sich sogar bis in die Geschäftsleitung hochgearbeitet. Wie es ist, bei der NürnbergMesse zu arbeiten, erfahren Sie hier.

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Ticket zum Mars

„Benedikt Weyerer“ begibt sich in etwas mehr als 300 Tagen auf eine außergewöhnliche Reise: Nach dem Start in Florida dauert es gut 16 Monate bis er sein Ziel, den Jezero Krater erreicht. Dieser befindet sich nicht etwa auf Teneriffa oder Bali. „Benedikt Weyerer“ fliegt auf den Mars.

embedded world-Veranstaltungsleiter Bendedikt Weyerer mit seinem „Ticket zum Mars“. Fotorecht: NürnbergMesse

Zugegeben, nicht Benedikt Weyerer persönlich, sondern der Name des NürnbergMesse-Mitarbeiters und Veranstaltungsleiters der embedded world. Gemeinsam mit den Namen von aktuell 8,8 Mio. Erdenbürgern wird „Benedikt Weyerer“ mit einem innovativen Verfahren auf einen Silikon-Chip gespeichert. Dieser reist im Gepäck der „Mars 2020 Mission“ zum roten Planeten.

Die US-amerikanische Weltraumagentur bietet auf ihrer Internetseite die außergewöhnliche Aktion an. Weyerer hatte zum ersten Mal beim Besuch des NASA-Stands auf einer Messe für Sensorik und Embedded Technologie in den USA davon gehört. Er zögerte nicht lange: „Ich bin absolut fasziniert vom Pioniergeist der Weltraumagentur!“, so Weyerer.

Weit über 100 Embedded Systeme

Als Veranstaltungsleiter der embedded world sieht er das Wagnis der Weltraummissionen aus der technischen Perspektive: Beispielsweise habe die Raumfähre der ersten Mondmission mit gerade einmal 20 eingebetteten Systemen funktioniert. Heutige Pkw haben weit über 100 dieser kleinen, smarten Computersysteme.

Im Rover, den die NASA 2020 zum Mars schickt, sind etliche Embedded Systeme verbaut. Fotorecht: NASA/JPL-Caltech

Auch im Mars-Rover, der voraussichtlich im Februar 2021 die Erkundungsfahrten auf dem Mars beginnen wird, haben die NASA-Techniker etliche eingebettete Systeme verbaut. Sie sorgen dafür, dass sich der Roboter von der Erde aus steuern lässt, dass sich seine Kamera dreht und die vielen Sensoren ihre Messergebnisse an die Wissenschaftler auf der Erde senden können.

Embedded Systeme finden sich überall in unserem Alltag. Auf der internationalen Weltleitmesse für Embedded-Systeme, der embedded world in Nürnberg, treffen sich die wichtigen Unternehmen der Branche, darunter IT-Riesen wie Amazon oder Google sowie namhafte Unternehmen der Luftfahrt- und Automobilindustrie. „Wenn wir jetzt noch die NASA als Premium-Besucher gewinnen könnten, hätte das schon was!“, schwärmt Weyerer.

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Platz für Impulsgeber

Nach Studium und Praktika in Paris, Brüssel, München und Prag entschied sich Cornelia Fehlner, wieder in die Metropolregion Nürnberg zurückzukehren. Denn hier kann sie sowohl ihre beruflichen wie auch privaten Ziele verwirklichen: In einem international ausgerichteten Unternehmen wie der NürnbergMesse übernimmt sie spannende Aufgaben. Gleichzeitig genießt sie die Lebensqualität in und um Amberg, einer Kleinstadt circa 70 Kilometer östlich von Nürnberg. Bevor Cornelia Fehlner 2017 die Leitung der FachPack übernahm, war sie vier Jahre lang Wirtschaftsförderin der Stadt Weiden in der Oberpfalz. Schon damals war die gebürtige Oberpfälzerin viel auf Messen unterwegs. Dort nutzte sie jede Gelegenheit zur Vermarktung des Wirtschaftsstandorts und zum Netzwerken. „Aus der Aussteller- und Besucher-Perspektive weiß ich, wie wichtig Messen als Marketinginstrument für Unternehmen sind.“

„Morgen entsteht beim Machen“

„Ihre“ Messe – die FachPack – feiert dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum. Vom 24. bis 26. September öffnet die europäische Fachmesse für Verpackungen, Prozesse und Technik ihre Tore für rund 1.600 Aussteller und 45.000 erwartete Besucher. „Die Messewelt steht nie still – auch eine langjährige und erfolgreiche Messe wie die FachPack muss immer wieder Neues bieten und darf sich nicht auf ihrem Erfolg ausruhen“, betont Cornelia Fehlner. Passend dazu lautet der Slogan der diesjährigen Ausgabe: „Morgen entsteht beim Machen“.

Leitthema der FachPack 2019: umweltgerechtes Verpacken. Fotorecht: NürnbergMesse / Heiko Stahl

„Auf der FachPack finden unsere Messegäste aktuelle Trends und Innovationen, denn wir haben unsere Branche stets im Blick“, so Cornelia Fehlner weiter. Ein Thema, das sowohl die Branche als auch Verbraucher wie kein zweites bewegt, ist das umweltgerechte Verpacken, das Leitthema der FachPack 2019.

 Kampagne der Metropolregion Nürnberg

„Platz für Impulsgeber“ ist bereits das 22. Cobranding-Motiv, mit dem Unternehmen, Kommunen und Institutionen ihre Geschichte in der Metropolregion Nürnberg erzählen. Die Kernaussage der Kampagne: In der Region lässt es sich gut Leben und Arbeiten. Sie bietet Platz für die Verwirklichung ganz unterschiedlicher Lebensentwürfe. Mit ihrer zentralen Lage in Europa punktet die Region als attraktiver Standort mit Gateway-Funktion – ein Pluspunkt auch für den Messestandort Nürnberg. Alle Storys sind nachzulesen unter www.platzfuer.de.

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„Geht nicht, gibt’s nicht: Gemeinsam Grenzen verschieben“

Janis McDavid ist unaufhaltsam. Der 27-Jährige wurde zwar ohne Arme und Beine geboren, lässt sich aber davon nicht stoppen. Auf der ganzen Welt begeistert er mit seinen Vorträgen und Büchern tausende Menschen. Was er sich in den Kopf setzt, zieht er durch.

Grenzen verschieben

Janis McDavid ist voller Tatendrang. Und das spürt man auch in seinen Vorträgen: Er ist authentisch,  voller Leidenschaft und versteht es, sein Publikum mitzureißen. Fotorecht: Caty Otto

Schon früh hat er Spaß daran, seine Grenzen zu erkennen – aber nur, um sie dann auch zu überwinden. Janis McDavid beschäftigt sich intensiv mit Grenzen, die selbstverständlich auch für ihn existieren, doch er arbeitet dann aktiv daran, sie zu verschieben. Die Höhenangst, die er als Kind hatte, ist deswegen längst Geschichte. Aktuell spielt er sogar mit dem Gedanken, es mal mit Paragliding oder einem Fallschirmsprung zu versuchen. Aber die nächste Herausforderung wartet bereits: Janis McDavid plant fest, einmal bei einem Motorradrennen mitzufahren. Und wenn es nur als Beifahrer ist.

 

Barrieren bewältigen

Grenzen und Barrieren sind auch die Schwerpunkte seiner Vorträge. Ihm geht es nicht darum, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen abzubauen, indem er seine Präsentationen darauf ausrichtet, was uns alle verbindet. Sein Ziel ist es, seinem Publikum dabei zu helfen, eigene innere Barrieren zu bewältigen. Ob Motivationsfragen oder Zweifelsspiralen – Janis McDavid bietet praxisnahe Lösungsmöglichkeiten aus eigener Erfahrung.

„Ich hatte immer eine wahnsinnige Neugierde, Dinge auszuprobieren. Ich finde es unheimlich spannend, Menschen und Situationen kennenzulernen und habe den Drang, etwas zu verändern. Und das geht nicht vom Sofa aus.“

Er sieht sich selbst nicht als Mensch mit Behinderung. Zwar gibt es durchaus Momente, in denen es für ihn erschwert wird, seinen Alltag so zu gestalten, wie er das möchte, aber er fühlt sich grundsätzlich an nichts gehindert. Mit der richtigen Planung und ein wenig Kreativität seien auch räumliche Barrieren leicht für ihn überwindbar. Eine größere Herausforderung sieht er darin, auf politischer Ebene etwas zu ändern. Verbesserungsmöglichkeiten sieht er vor allem im gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Akteure: „Viele Menschen können sich nur schwer in die Lebensrealitäten anderer hineinversetzen, da hilft nur die Begegnung und der Austausch miteinander.

Neue Sichtweisen erschließen

Mit seinen Vortragsreisen auf der ganzen Welt leitet er bei seinen Zuhörern einen Perspektivenaustausch ein, der bei weitem nicht einseitig ist. Die unterschiedlichen Erfahrungen in verschiedensten Ländern – von Namibia über Peru bis nach Sri Lanka und Vietnam – haben auch bei Janis McDavid neue Sichtweisen erschlossen. Dazu gehört auch eine neu gewonnene Gelassenheit, wenn er bei seinen Reisen beispielsweise auf die landeigenen Definitionen von Pünktlichkeit stößt.

Dass er vor Ort oft Aufmerksamkeit erregt, wundert ihn nicht. „In Peru waren wir auf ziemlich absurde Art und Weise unterwegs. Ich war ja Rucksack-Tourist – heißt allerdings in dem Fall: Ich saß im Rucksack.“

Am 7. November hält Janis McDavid auf der ConSozial seinen Plenumsvortrag mit dem Titel „Geht nicht, gibt’s nicht – Gemeinsam Grenzen verschieben“ (9:45 – 10:15 Uhr, Raum Tokio, NCC Ost Messezentrum Nürnberg).

Von Reiner Klör und Franziska Schöning

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„Jeder wird mit einem guten Gedanken nach Hause gehen!“

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Komiker, Autor, Moderator und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und „Doctors for Future“, Berlin. Im Rahmen der Eröffnung der ConSozial, die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarktes, wird er einen Vortrag halten. Dabei spricht er Themen an, die die Branche bewegen: sozialen Zusammenhalt, Gesundheit, aber auch wie positive Gemeinschaftserlebnisse zum persönlichen Glück beitragen können.

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Herr von Hirschhausen, Sie sind ja auch ein Spezialist für das Thema Glück: Warum tun die Deutschen sich so schwer mit dem Glück?
Dafür habe ich in der Tat eine interessante Erklärung gefunden: Die Deutschen haben ein zusätzliches Hirnteil, neben dem Frontallappen, der plant und dem Seitenlappen, der vernetzt, haben wir noch den Jammerlappen, der verhindert (lacht). Nein, im Ernst haben wir Deutschen einen echten Nachholbedarf in positiver Psychologie. Wir sind eine der wohlhabendsten Nationen der Erde, aber bei der Zufriedenheit nie aus dem Mittelfeld raus. Glück ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Wie kommen wir von einer Neidgesellschaft zu mehr Solidarität, bürgerschaftlichem Engagement und „Gönnen können“? Aus der Glücksforschung ergeben sich klare politische Prioritäten, wofür wir Steuern besser verwenden können: für Gesundheit, für Bildung, für Musik, Kunst und Gemeinschaftserlebnisse. Und für Fahrradwege statt für Pendlerpauschalen.
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Sie unterstützen von Anfang an Fridays for Future mit den Scientists und den Doctors for Future. Warum ist Klimaschutz eine ärztliche und eine gesellschaftliche Aufgabe?
Unsere Mutter Erde ist krank. Unser Zusammenleben ist nicht nur von anderen Menschen abhängig, wir leben alle davon, dass die Natur uns bislang mit Wasser, Luft und erträglichen Außentemperaturen versorgt hat, ohne dass die Natur uns das in Rechnung gestellt hätte. Deshalb hat das in der Wachstumsökonomie niemanden interessiert, die Kosten waren nicht einkalkuliert. Ärzte sind dafür ausgebildet, Leben zu schützen, Gesundheitsgefahren abzuwehren und schlechte Nachrichten zu überbringen. Und sowohl der Weltärztebund, die internationalen Akademien der Wissenschaft, Fachzeitschriften wie der Lancet Climate Change, sie alle weisen seit Jahren darauf hin: die Klimakrise bedroht unsere Gesundheit. Von den Hitzetoten über neue Infektionskrankheiten, Allergien und Lungenerkrankungen durch Feinstaub und Abgase der fossilen Treibstoffe bis hin zu millionenfacher Migration und Kriegen um Wasser und Essen. Deshalb wird das auch eines der Themen bei meinem Vortrag sein, denn dazu kann heute keiner mehr schweigen. Und soziale Ungleichheit wird nachweislich durch die Klimakrise verschärft, die einen haben Klimaanlagen und verbrauchen weiter Strom und Kohle, die anderen schwitzen sich zu Tode.
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Das Motto der diesjährigen ConSozial lautet „Gemeinsam statt einsam – sozialen Zusammenhalt stärken“. Welche Rolle spielt der generationenübergreifende Zusammenhalt für unsere gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit? Wie könnte man diesen fördern?
Wir haben einen neuen Generationenkonflikt durch die Erkenntnis, dass die junge Generation sich um ihre Zukunft beklaut fühlt, völlig zu Recht. Wir haben auf Pump gelebt, Schulden angehäuft, was nichts anderes bedeutet als: mir doch egal, wer das später mal bezahlt, ich konsumiere jetzt schon. Gleichzeitig hat mein Vater einen viel kleineren CO2 Abdruck als seine Enkel, die alle über Nachhaltigkeit reden. Die Nachkriegsgeneration kann tatsächlich vermitteln, dass ein einfacheres Leben kein schlechtes ist. Und dass auch kein Kind damals erwartet hat, mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden. Gleichzeitig leben viele ältere Menschen heute sehr allein auf großer Wohnfläche, was auch kein echter Fortschritt ist. Deshalb finde ich es spannend zu dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ beizutragen, wie Einsamkeit krank macht, und wie die Art, wie wir Wohnraum schaffen bereits sozial stärkend oder vereinzelnd sein kann.
Jetzt haben wir viel über Zusammenhalt und Glück in Bezug auf unsere Gesellschaft gesprochen. Was bedeutet das denn für unsere Kinder und die Arbeit mit Kindern? Was brauchen Kinder, damit sie glückliche Erwachsene werden, die Zusammenhalt leben und zu schätzen wissen?
Das ist eine sehr komplexe Frage, aber ich glaube, dass ein großes Problem im Bereich Gesundheit ist, dass keine Institution den Menschen über den ganzen Bogen des Lebens im Blick hat. Die Kassen zahlen, wenn Leute krank werden. Dabei kann man sehr viel tun, damit sie überhaupt nicht krank werden. Aber solange Operationen besser bezahlt werden als Gespräche, darf man sich nicht wundern, dass mehr geschnippelt als zugehört wird. Nachhaltig wäre es, bereits mit Familienhebammen in der Schwangerschaft für einen guten Start ins Leben zu sorgen. Im Kindergarten viel zu singen, zu tanzen, Freude am Körper und am Miteinander zu vermitteln. Für die Schulen habe ich mit meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN ein Programm zu sozialem Lernen entwickelt, das endlich die Ideen der positiven Psychologie in die Praxis integriert. Ich bin schon leicht wahnsinnig, die beiden hartnäckigsten Systeme Gesundheit und Bildung verändern zu wollen, aber im Kleinen geht es oft erstaunlich gut voran!
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Was bedeutet Älterwerden in unserer Gesellschaft?
Leider ist Älterwerden in unserer Gesellschaft ein sehr angstbesetztes Thema. Dabei gibt es keinen Grund, Angst vor dem Alter zu haben. Ein Problem hat man doch wirklich nur, wenn man nicht 50 wird! Um es klar zu sagen: Das Alter ist besser als sein Ruf! Die meisten Menschen sind mit 70 besser drauf als mit 17. Altern ist kein Abgesang – Altern ist Leben für Fortgeschrittene.
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Was bedeutet ein Altern in Würde für Sie persönlich?
Ich möchte selbstbestimmt in meiner Wohnung alt werden, umgeben von lieben Menschen, eingebettet in ein soziales Netzwerk von Engagement, füreinander da sein und Sinn und Lebensfreude. Ich wünsche mir dann noch „gebraucht“ zu werden, so wie wahrscheinlich die meisten Menschen… Und natürlich halbwegs gesund und mobil, oder um es mit dem Gebet der Achtzigjährigen etwas salopper zu sagen: Oben klar und unten dicht, lieber Gott, mehr will ich nicht!
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Herzlichen Dank für das Interview.

Plenumsvortrag auf der ConSozial am 06.11.2019 (Mittwoch) von 10:00-11:00 Uhr: Keiner kann sich selber kitzeln! Wie gelingt Motivation für Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Komiker, Autor, Moderator und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und „Doctors for Future“, Berlin

Der Beitrag „Jeder wird mit einem guten Gedanken nach Hause gehen!“ erschien zuerst auf Das Online-Magazin der NürnbergMesse..