„Bio wirkt!“… und schützt unsere Lebensgrundlage Wasser

„Wir müssen endlich handeln!“

Wasser ist Grundlage allen Lebens. Als Trinkwasser, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und Bestandteil unseres Ökosystems, ist es unentbehrlich. Zudem ist es als Energiequelle, Transportmedium und Rohstoff ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Doch wie gehen wir mit diesem kostbaren Gut um? Wasser wird häufig verschmutzt, gar vergiftet, verschwendet und es ist immer häufiger an vielen Stellen dieser Welt knapp. Für Wasser gibt es keinen Ersatz. Deshalb wird es höchste Zeit, sich um einen effektiven Schutz und die Bewahrung dieser Ressource zu kümmern. Genau dazu fühlt sich seit über vierzig Jahren der Bio-Pionier und Vorsitzende der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser Dr. Franz Ehrnsperger berufen. Ehrnsperger ist überzeugt, dass Öko-Landbau die beste Methode zur Reinhaltung von Wasser ist und er setzt sich dafür an vielen Stellen ein. „Wir müssen endlich handeln“, sagt er.

Auf der BIOFACH 2020, vom 12. – 15. Februar wird es zahlreiche Vorträge und erstmals eine eigene Sonderschau zum Thema Wasser geben, den Treffpunkt „Wasser – gefährdete Grundlage des Lebens?“.

Immer öfter hören wir erschreckende Nachrichten über die Verschmutzung, die Verschwendung und die Knappheit von Wasser. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass ohne Wasser kein Leben auf dem Blauen Planeten möglich ist. Herr Dr. Ehrnsperger, handelt es sich um Ignoranz oder Unwissenheit im Umgang mit diesem elementaren Baustein des Lebens?

Wir bei Lammsbräu haben aus guten Gründen schon vor über vierzig Jahren begonnen, das Wasser zu schützen. Wasser ist ja nicht nur der wichtigste Rohstoff für das Bier, sondern insgesamt das wichtigste Lebensmittel für Mensch und Tier. Das haben damals viele nicht verstanden, denn für die meisten ist Wasser die selbstverständlichste Sache der Welt. Heute sind wir jedoch an einem Punkt angekommen, an dem das System Natur zu kippen droht und uns dringend dazu aufruft, etwas zu tun.

Doch herrscht leider immer noch viel Ignoranz vor. Zudem spielt auch Unwissenheit eine erstaunlich große Rolle. Vielen ist tatsächlich nicht klar wie die Kreisläufe der Natur funktionieren. Man nimmt die Gaben der Natur einfach entgegen, unter dem Motto, das steht mir doch zu, ich habe keinerlei Verpflichtungen, es ist nicht meine Verantwortung, so die Denkweise vieler. Dabei ist es eine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur und der Gegenwart, vor allem aber gegenüber der Zukunft sowie unseren Folgegenerationen, wenn wir zum Beispiel in der Landwirtschaft nur auf mehr Ertrag setzen und das Maximum ohne Rücksicht auf die Umwelt von den Feldern holen.

Wie steht es um die Ressource Wasser?

Möchte man den Status Quo unseres wichtigsten Lebensmittels beschreiben, muss man differenzieren. Wir hier in Nordeuropa gehören – rein von der zur Verfügung stehenden Menge – nach wie vor zu den begünstigten Regionen. Doch auch hier gibt es schon massive Beeinträchtigungen des Wassers. Und das betrifft die Qualität: Mehr als ein Drittel des deutschen Grundwassers sind nach offiziellen Untersuchungen schon heute in einem chemisch schlechten Zustand. Auch deshalb hat der Europäische Gerichtshof ein Urteil gefällt, das Deutschland dazu verpflichtet, endlich wirksame Maßnahmen zur Reinhaltung des Grundwassers zu ergreifen. Doch die erste Düngeverordnung war ein Papiertiger. Der neue Gesetzentwurf hat heftige Proteste der Bauern hervorgerufen. Die Bauern trifft letztlich keine Schuld an der Misere, denn sie haben nur das getan, was ihnen von den Landwirtschaftsministern und -verbänden empfohlen wurde und schlicht der hier üblichen Art des Wirtschaftens entsprach. Nur wenige haben dieses perverse System der chemischen Aufrüstung und den dadurch erzeugten Irrweg durchschaut.

„Mehr als ein Drittel des deutschen Grundwassers sind nach offiziellen Untersuchungen schon heute in einem chemisch schlechten Zustand.“

Im internationalen Kontext tragen die Industrienationen und ihre in die ganze Welt exportierte Art des Umgangs mit der Natur mehrfach Schuld: Zum einen mit dem großen Anteil am Klimawandel, der im globalen Süden zu Versteppung und Wüstenbildung führt. Zum anderem haben wir oft stabile, den lokalen Verhältnissen angepasste Strukturen der Lebensmittelerzeugung zerstört. Das hat zu massiver Landflucht und zur Destabilisierung der politischen Systeme geführt. Doch am Ende stehen die globalen Katastrophen von heute. Dabei geht es einfach nur darum, die Natur zu unterstützen und nicht gegen sie zu arbeiten.

Sie haben in zwei Schwarzbüchern den Zustand unseres Grund- und Trinkwassers untersucht. Was gefährdet unser wichtigstes Lebensmittel am meisten?

Durch diese Zusammenschau und die Betrachtung der Gesamt- zusammenhänge in den Schwarzbüchern zum Zustand von Grund- und Trinkwasser wird ganz deutlich, welch negative Einflüsse die industrialisierte Landwirtschaft mit Massentierhaltung und Biogas-Anlagen hat. Es ist erschreckend, in wieviel Prozent der Wasservorkommen man laut amtlichen Daten bereits Giftstoffe wie Nitrat, Pestizidmetabolite und Medikamentenrückstände findet. Zudem werden unsere Böden mit viel zu viel chemischen Stoffen, Gülle und Gärresten kaputt gemacht. Und auch hier gibt es einen ganz engen Zusammenhang zum Wasser. Der Boden verliert, erstens, sein Infiltrations- und Wasserhaltevermögen sowie seine Reinigungsfähigkeit. Gute, humusreiche Böden können ohne weiteres 30 – 40 Liter Regen pro Stunde aufnehmen, bis zu 150 Liter sind bei gesunden Böden möglich. Ein langjährig industriell angebauter Mais-Acker hingegen schafft kaum mehr als 20 Liter. Das kostbare Wasser fließt oberflächlich ab, es erzeugt Erosion und Hochwasser.

Ebenso essentiell ist, zweitens, das Wasserhaltevermögen. Pro 1 % Humus kann ein Boden bis zu 400 m3 Wasser pro Hektar speichern – das ist eine ganze Menge. Eine Trockenperiode von 3 – 4 Wochen macht diesen Böden nichts aus. Das haben unsere Bio-Bauern in den trockenen Sommern des letzten Jahrzehnts bewiesen – sie haben gute Ernten eingebracht.

Die dritte wichtige Funktion eines guten Bodens ist die Reinigungsfähigkeit. Denn alles Wasser, was in den Boden eindringt, wird durch Bodenlebewesen gereinigt. In toten Böden ist dies nicht möglich. Die vierte wichtige Funktion ist die Zuführung zum Grundwasser. Wasser, das nicht in die Böden eindringt ist für die Wasservorräte verloren. In gesunden Böden wird das Grundwasser kontinuierlich aufgefüllt und erlaubt uns, Wasser auch wieder zu entnehmen, ohne dass der Grundwasserspiegel gefährlich absinkt. So entsteht ein nachhaltiger Kreislauf: Gesunder Boden – Pflanze – Wasser ist gleich gesunder Mensch. Deshalb ist es so zentral, unsere Böden biologisch zu pflegen. In den Richtlinien für Bio-Mineralwasser haben wir schon vor 12 Jahren festgelegt, dass jeder Bio-Mineralwasser-Hersteller eine Funktion als Wasser- und Klimabauer erfüllen muss.

Dr. Franz Ehrnsperger, Vorsitzender der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser und Seniorchef der Neumarkter Lammsbräu (Copyright: Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V.)

Der Öko-Landbau spielt die zentrale Rolle. Gibt es dafür Beweise?

Auch hier lohnt ein Blick in die Schwarzbücher der Qualitätsgemeinschaft: Durch die Umstellung auf Ökolandbau haben sich zum Beispiel in Österreich die Wasservorkommen in den entsprechenden Gebieten erholt. Metastudien wie die neue Untersuchung des Thuenen-Instituts in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Universitäten zeigen dasselbe. Der direkte Zusammenhang zwischen Nitrat- und Pestizidausbringung auf die Wasserqualität und Vorräte unbelasteten Wassers ist unbestritten. Wenn man Agrochemie auf die Felder kippt, findet man über kurz oder lang Rückstände von systemischen Pestiziden, chemischen Düngern, Gülle oder Medikamenten in den Wasservorkommen. Alles hängt mit allem zusammen. Das einzige, was hilft, ist den Stoffeintrag von oben zu stoppen.  Es ist allerhöchste Zeit zum Umsteuern!

Wie lautet die Zukunftsvision Ihrer Wasserschutz-Strategie? Brauchen wir eine Wasserwende und mehr Öko-Landbau?

„Wir müssen endlich anfangen, unsere Zukunftsaufgaben zu erfüllen und unsere Verantwortung wahrzunehmen.“

Keine Frage, wir brauchen 100 % Öko-Landbau, das ist unsere Vision. Damit haben wir die Kontrolle über die Qualität der Böden und die Sicherheit vor der Vergiftung unseres Wassers. Deutlich ist allerdings auch, dass die konventionellen Bauern in der Sackgasse stecken und wir ihnen helfen müssen, einen Weg heraus zu finden. Regenerative Landwirtschaft macht den langsamen Wiederaufbau der Böden möglich und schafft eine Perspektive für die Bauern, die erleben können, dass Bodenbearbeitung und natürliche Methoden mittelfristig die Ressource Boden tatsächlich revitalisieren können. Es ist für alle Beteiligten sehr schön zu beobachten, wie die Natur sich selbständig regeneriert, wenn wir sie nicht kaputt machen.

Wir müssen endlich anfangen, unsere Zukunftsaufgaben zu erfüllen und unsere Verantwortung wahrzunehmen. Stellen sie sich vor, 1 % Humusaufbau pro Hektar durch Öko-Landbau kann zusätzlich 40 – 60 Tonnen CO2 binden. Neben Aufforstung haben wir so einen unglaublich effektiven Hebel und einen maßgeblichen Beitrag zur Entlastung des Klimas.

Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Wie können wir das in Zukunft leisten?

Weil Wasser das wichtigste Lebensmittel ist, gehört es selbstverständlich auch zu unseren Aufgaben, im globalen Süden unsere Verantwortung zu übernehmen. Die positive Wirkung von mehr Öko-Landbau in dieser Hinsicht habe ich bereits angesprochen. Dazu muss aber auch Hilfe vor Ort kommen: Speziell Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise Viva con Aqua leisten dort eine großartige Arbeit und sind in jeder Hinsicht unterstützenswert. Neben Brunnenbau ist die Hilfe zur Selbsthilfe zum Aufbau ökologischer Strukturen in der lokalen Landwirtschaft sinnvoll sowie Schulungen zum Umgang mit Abwasser.  Prognosen des Potsdam Institut für Klimaforschung zufolge, würde das Nichteinhalten der 1,5°-Marke verheerende Folgen haben, unter anderem ein Leben in der Subsahara-Zone unmöglich machen. Zusammen mit den Klimaflüchtlingen wegen der ansteigenden Meeresspiegel würde das eine nie dagewesene Völkerwanderung auslösen. Gerade in diesen Ländern zählt wirklich jeder Tropfen und wir müssen so schnell wie möglich solidarisch unserer Verantwortung gerecht werden.

Das vollständige Interview lesen Sie im Newsroom der BIOFACH.

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6 unserer Interview-Serie.

Das Interview führte Karin Heinze, BiO Reporterin International.

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„Bio wirkt!“… positiv auf das Gemeinwohl und schafft ein besseres Leben auf dem Land

Seit den bescheidenen Anfängen vor 30 Jahren ist das Timbaktu-Kollektiv in Indien zu einen Best-Practice-Beispiel geworden, das in vielen verschiedenen Bereichen zu mehr Lebensqualität im ländlichen Raum geführt hat – mit vielfältigen Zukunftsperspektiven.

„Wir wussten nur, dass wir, wenn wir Veränderungen herbeiführen wollten, auf einen Marathon vorbereitet sein mussten.“

Bablu Ganguly, Mitbegründer des Kollektivs, können Sie uns bitte die intellektuellen und strategischen Wurzeln des Erfolgsmodells erklären?

Als Erstes muss ich Ihnen sagen, dass wir zu Beginn des Kollektivs kein Konzept und keine strategischen Pläne hatten. Wir wussten nur, dass wir, wenn wir Veränderungen herbeiführen wollten, auf einen Marathon vorbereitet sein mussten. Denn die Welt ändert sich ständig und wir mussten unsere Strategien und damit die Art von Projekten, die wir starteten, ständig ändern. Wir begannen mit dem Versuch, ein Stück unfruchtbares Land zu regenerieren und zu heilen, und heute versuchen wir schließlich, die lokale Wirtschaft zu regenerieren und zu revitalisieren und die Genossenschaftsbewegung gewissermaßen neu zu erfinden. Resilienz, Revitalisierung, Regeneration und Reanimation sind zu unseren Themen geworden. Was auch immer wir erreichen konnten, es liegt am Konzept „Sangha“. Das ist eine Art informeller Zusammenschluss der teilnehmenden Menschen aus einem Dorf. Die Sangha ist der Kern unserer gesamten Arbeit. Wenn wir über unsere Arbeit mit Frauen, mit Menschen mit Behinderungen, mit Bauern, mit den landlosen Landarbeitern und sogar mit Kindern und Jugendlichen sprechen, sind alle in Sangha-Gruppen organisiert. Alle Sanghas treffen sich mindestens einmal im Monat. Diese Sanghas werden in gesetzlich registrierten Genossenschaften mit Gesellschaftern und gewählten Direktoren, etc. zusammengefasst. Die Strategie besteht darin, die Menschen auf Dorfebene zu organisieren, zu bündeln und Cluster zu bilden. Durch diese Genossenschaften nimmt das Kollektiv Programme auf, sehr transparent und in demokratischer Mitbestimmung.

Das Timbaktu-Modell passt sehr gut zu den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Halten Sie es für notwendig, diese Ideen in Zeiten der Klimakrise und der negativen Auswirkungen der Agrarindustrie zu multiplizieren?

Auf jeden Fall! Ich glaube nicht, dass wir irgendetwas tun, was nicht in einem anderen Teil der Welt nachahmbar ist. Unsere Arbeit in den Bereichen Ökologie oder Landwirtschaft, unsere Arbeit mit Frauen, Menschen mit Behinderungen, Landarbeiterinnen, mit Kindern und Jugendlichen ist eine sinnvolle Arbeit. Sie hat mit Menschenwürde, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit zu tun. Durch die Revitalisierung der lokalen Wirtschaft und die Wiederbelebung von Ökosystemen führt sie zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels, zu ökologischer Nachhaltigkeit, Transparenz und demokratischer Mitbestimmung in allen Bereichen der Entwicklung und Wirtschaft. Im Wesentlichen haben alle ein gutes Leben zum Ziel.

„Wir alle müssen lernen, einander zu vertrauen und uns gegenseitig zu respektieren.“

Was ist das Schlüsselelement, das im ersten Schritt zu realisieren ist?

Die Idee ist, Beziehungen und soziales Kapital aufzubauen. Starke, herzliche, kooperative, ehrliche, respektvolle Beziehungen. Das ist meiner Meinung nach der Kern und das Schlüsselelement. Dies ist auch Teil des Denkens in der Bio-Bewegung weltweit. Wir haben, glaube ich, in drei Jahrzehnten das Sozialkapital in diesem Bereich aufgebaut. So können unsere Projekte funktionieren und die Menschen können diese selbst gestalten. Das ist nicht einfach und muss langsam und stetig aufgebaut werden. Wir alle müssen lernen, einander zu vertrauen und uns gegenseitig zu respektieren. Dann wird der Rest folgen.

Oftmals ist nicht die ökologische Produktion von Waren die größte Herausforderung, sondern die Schaffung eines stabilen Marktes für die Produkte. Wie gelingt das?

Ich stimme zu, dass dies der Schlüssel ist. Die Auseinandersetzung mit dem Markt ist ein weiteres wesentliches Element. Wir müssen jedoch den ärmeren und benachteiligten Menschen dazu verhelfen, sich aus einer Position der Stärke heraus, mit dem Markt vertraut zu machen. Das betrifft nicht den Umgang mit Zahlen, sondern auch, dass wir mit einem gewissen Kapitaleinsatz arbeiten. Das Feld da draußen ist nicht eben und wir müssen helfen, es zu ebnen. Dies konnten wir bewerkstelligen dank der starken Unterstützung, die wir von Organisationen wie dem Sir Dorabji Tata Trust, Mumbai, dem BfW, Berlin, und vielen Freunden und Einzelpersonen erhalten haben, die glauben, dass eine andere Welt und eine andere Wirtschaft möglich ist. Nein, nicht nur möglich, sondern extrem wichtig! Auf der anderen Seite werden sich die Verbraucher immer mehr bewusst, dass etwas nicht stimmt. Die Lebensmittel, die sie essen, sind nicht besonders lecker und gesund. Sie suchen nach Lebensmitteln, die wirklich gut, fair und gesund sind. Die Marke Timbaktu Organic hat im Laufe der Jahre dieses Vertrauen aufgebaut und die Geschichte, die dahintersteht, ist wahr und gut.

Bablu Ganguly (links), Mitbegründer des Timbaktu Kollektivs
Copyright: Karin Heinze

Sie sind auch Vorstandsmitglied der IFOAM Organics International, dem globalen Dachverband der Bio-Bewegung. Wie schätzen Sie die Perspektiven des ökologischen Landbaus in Verbindung mit den Idealen der Gemeinwohl Ökonomie ein? Oder ist es nicht überhaupt Zeit für einen Durchbruch des ökologischen Landbaus und der Gemeinwohlwirtschaft?

Ja, ich bin Vorstandsmitglied der IFOAM Organics International. Dies hat mir die Möglichkeit gegeben zu reisen und viele Menschen aus der ganzen Welt zu treffen. Wohin ich auch gehe, ob in Indien oder außerhalb, die Menschen wollen gutes Essen. Doch nicht jeder will die Premium-Preise zahlen, die Bio kostet. Hier kommt das Ideal der Gemeinschaftsgüterwirtschaft ins Spiel. Die Verbraucher sollten lernen zu verstehen, dass ihre lokalen Bauern auch ein gutes Leben führen wollen. Und die Landwirte müssen verstehen, dass sie Produzenten von Lebensmitteln sind, von denen die lokalen Verbraucher abhängig sind, und dass sie gute Lebensmittel produzieren sollten. Alle sollten verstehen, dass die vier Prinzipien, die Bio definieren –Gesundheit, Ökologie, Fairness und Pflege – zu einer Revitalisierung der lokalen Wirtschaft, ökologischer Nachhaltigkeit, Menschenwürde, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit, Transparenz und demokratischer Mitbestimmung führen. Das ist übrigens auch die Bedeutung einer „echten“ Wirtschaftlichkeitsbetrachtung (True Cost Accounting).  Außerdem bezieht sich dies nicht nur auf Bio, sondern auf alle Waren, die wir produzieren und austauschen. Die Prinzipien sind die Gleichen. Und das, nur das, wird uns dahinführen, allen ein gutes Leben zu ermöglichen. Ein Leben das reichhaltig, sorgenfrei und gesund ist!

Das vollständige Interview lesen Sie im Newsroom der BIOFACH.

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Das Interview führte Karin Heinze, BiO Reporterin International.

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„Bio wirkt!“… positiv für den Erhalt der Lebensgrundlagen

Im Jahr 2019 stieg die Zahl der hungernden Menschen im dritten Jahr in Folge. Schätzungsweise hungert jeder neunte Mensch. Insgesamt haben rund zwei Milliarden Menschen nicht genug zu essen. Gleichzeitig sind mehr als zwei Milliarden Menschen übergewichtig. Marita Wiggerthale sagt: „Es gibt genug Nahrung für alle. Ein Weiter-wie-bisher ist inakzeptabel.“ Die langjährige Referentin für Welternährung und globale Agrarfragen bei Oxfam Deutschland kennt eine zukunftsfähige Lösung für das Dauerproblem und wird nicht müde darauf hinzuweisen. Sie engagiert sich schon lange für die Transformation der Ernährungssysteme durch das Konzept Agrarökologie. Das Konzept stellt ein Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft dar und bietet viele Vorteile: Mehr Vielfalt über und unter der Erde, eine bessere Bodenfruchtbarkeit und eine höhere Resilienz in Zeiten von Dürren, Starkregen und Stürmen. Agrarökologie erhält die natürlichen Lebensgrundlagen, stärkt die bäuerliche Landwirtschaft und fördert eine ortsnahe Versorgung mit frischen, gesunden und vielfältigen Lebensmitteln, so die Überzeugung der Expertin.

„Es gibt genug Nahrung für alle. Ein Weiter-wie-bisher ist inakzeptabel.“

Die spürbaren Effekte des Klimawandels und die Verabschiedung der SDGs haben mehr Bewegung in die Diskussion um Agrarökologie gebracht. Das Konzept wird wegen seiner vielen Vorteile für die Umwelt und die Ernährungssicherheit von einigen Regierungen und der Welternährungsorganisation gefördert. Sind wir einen wichtigen Schritt weiter in die richtige Richtung, Frau Wiggerthale?

Ja, das sind wir. Immer mehr Menschen aus Wissenschaft und Politik verstehen, dass ein „Weiter-so” keine Option ist. Der Weltagrarbericht hatte das schon 2009 postuliert. Diese Botschaft ist inzwischen stärker angekommen. Die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft sind offensichtlich. Die gute Nachricht ist, dass Agrarökologie und Öko-Landbau Antworten auf zahlreiche Probleme bieten, beispielsweise auf die Klimakrise, den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt, die fortschreitende Bodendegeneration oder das Höfesterben, um nur einige zu nennen. Der Ansatz Agrarökologie ­­– und das macht seine Stärke aus – ist sowohl wissenschaftlich fundiert, als auch über Jahrzehnte auf den Feldern praktiziert. Obwohl das Konzept bislang wenig von politischer Seite gefördert wurde, hat es durch soziale Bewegungen und Bauernzusammenschlüsse immer stärkere Verbreitung gefunden. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer auf politischer Seite. Zum einen hat die Welternährungsorganisation FAO eine eigene Initiative zum Scaling-Up (Anmerkung: Vergrößern/Stärken) von Agrarökologie auf den Weg gebracht und zudem deutlich gemacht, dass der ganzheitliche Ansatz der Agrarökologie zum Erreichen vieler SDG-Ziele beitragen kann (Anmerkung: der UN-Nachhaltigkeitsziele). Zum anderen gibt es erstmalig einen Bericht des Expertengremiums des UN-Welternährungsausschusses zu Agrarökologie und anderen innovativen Systemen. Und nicht zuletzt hat sich der Deutsche Bundestag für die Förderung von Agrarökologie ausgesprochen.

Welche Hauptkriterien machen das Konzept Agrarökologie aus und worin sehen Sie die größten Vorteile?

Agrarökologie ist ein holistischer, ganzheitlicher Ansatz und keine Toolbox (Anmerkung: Werkzeugkasten). Zu den grundlegenden Elementen gehört, dass Agrarökologie die Vielfalt über und unter der Erde fördert, also sehr bewusst biologische Vielfalt in das System integriert. Dadurch werden unter anderem die Bodenfruchtbarkeit und das Wasserhaltevermögen des Bodens erhöht, gleichzeitig der Schädlingsdruck in einem balancierten System reguliert. Es schafft aber auch Existenzgrundlagen für (klein-)bäuerliche Haushalte, erhöht ihre Netto-Einkommen und stärkt ihre Autonomie. Dazu gehört auch das Recht auf und die Kontrolle über den Zugang zu Land, Saatgut und Wasser. Die Abhängigkeit von internationalen Konzernen wird reduziert. Die ökologischen und die menschenrechtlichen Prinzipien, beispielsweise der Ansatz der Ernährungssouveränität, werden ja lokal bzw. regional sehr unterschiedlich umgesetzt. Darin liegt die Stärke der Agrarökologie. Bäuer*innen können höhere Preise erzielen, weil die lokalen Märkte bessere Stadt-Land- sowie Bäuer*innen-Verbraucher*innen-Verbindungen fördern, gleichzeitig die Produktionskosten senken. Dadurch sind die Netto-Einkommen höher und das wiederum wirkt sich positiv auf die Ernährungssicherheit marginalisierter Bäuer*innen vor allem in den Ländern des globalen Südens aus. Aktuell steht die Klimakrise im Fokus. Agrarökologie wird von der Politik als vorteilhaftes Konzept anerkannt, das beispielsweise die verheerenden Folgen von Extremwetterlagen mindern und stabilere Erträge liefern kann. Eine Langzeitstudie (30 Jahre) des US-amerikanischen Rodale Instituts hat ergeben, dass ökologische und diversifizierte Anbausysteme besser mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen als die industrielle Landwirtschaft. Die Maiserträge waren in Dürrejahren um 31 Prozent höher.

Gibt es Unterschiede der Agrarökologie zu den klassischen Ansätzen des Bio-Anbaus?

Die Ansätze haben viele Gemeinsamkeiten, aber im Unterschied zur klassischen Bio-Bewegung setzt Agrarökologie nicht in erster Linie auf die Zertifizierung von Produkten, die dann z. B. exportiert werden, sondern auf Stärkung lokaler bzw. regionaler Ernährungssysteme gemäß den oben genannten Prinzipien. Diese bauen zwar stark auf den ökologischen Landbau auf, gehen jedoch in ihrer sozialen und politischen Dimension noch deutlich darüber hinaus. Es geht weniger um den Aufbau globaler Wertschöpfungsketten wie vielfach im Öko-Sektor, sondern um die Förderung lokaler bzw. regionaler Ernährungssicherheit. Ziel ist es, die Menschen vor Ort mit gesunden, frischen Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig zu bewerkstelligen, dass die Erzeuger*innen faire Preise für ihre Produkte erhalten. Der Bottom-up-Ansatz (Anmerkung: von unten nach oben) ist hierbei ganz zentral: Die bäuerlichen Gemeinschaften entwickeln selbst Ansätze, die für sie funktionieren, ihren Anliegen und Bedürfnissen gerecht werden. Agrarökologie ist ein gutes Dach für diverse ökologische Bewegungen.

Gibt es Vorzeigebeispiele, die zeigen, wie positiv Agrarökologie wirkt?

Die Agrarökologie wurde in den 1970er Jahren von Bauern in Lateinamerika entwickelt und hat sich in ganz unterschiedlichen lokalen Ausprägungen und diversen Schwerpunkten weltweit verbreitet. „La Via Campesina” ist als internationale Organisation weltweit aktiv und setzt sich insbesondere für die Saatgut-Souveränität ein. In Asien ist das „System of Rice Intensification“ (SRI) mittlerweile sehr verbreitet und die süd-ostasiatische Nichtregierungsorganisation SEARICE treibt im Mekong-Delta den Aufbau von Saatgutinitiativen voran. Millionen Kleinbauern praktizieren diese agrarökologischen Ansätze mit großem Erfolg und fahren hohe Ernten ein. Ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung des Welthungers.

„Ich würde mir wünschen, dass Deutschland und möglichst viele andere Staaten Agrarökologie zu einem zentralen Ansatz bei der Beseitigung des weltweiten Hungers und der Bewältigung der Folgen der Klimakrise machen.“

Was muss konkret geschehen, damit Agrarökologie weltweit noch stärker Verbreitung findet, um künftig die Lebensgrundlagen für die wachsende Weltbevölkerung zu sichern und die Klimakrise zu bekämpfen?

Das Potenzial ist zweifelsohne da. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, brauchen wir die Unterstützung von Politiker*innen und Verwaltungen auf allen Ebenen. Förderliche politische Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung: von der Schaffung der Infrastruktur für bäuerliche Vermarktung, die Stärkung der „Farmers Rights” in Saatgutgesetzen, über den Ausbau von Forschung und Beratungsstrukturen, bis hin zu einer kohärenten Handels- und Klimapolitik. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland und möglichst viele andere Staaten Agrarökologie zu einem zentralen Ansatz bei der Beseitigung des weltweiten Hungers und der Bewältigung der Folgen der Klimakrise machen.

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Das Interview führte Karin Heinze, BiO Reporterin International.

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„Bio wirkt!“ … ganzheitlich für die Gesundheit

Kenia ist ein dicht bevölkertes Land mit mittlerweile über 50 Millionen Einwohnern. Die sehr schnell wachsende Bevölkerung kann im Jahr 2055 mehr als 100 Millionen Menschen erreichen. Über 50 % der Kenianer sind Bauern. Aber nur ein Fünftel des Landes kann für die Landwirtschaft genutzt werden. Wie denkst Du über die Ernährungssicherheit in Deinem Land?

Wir haben in der Vergangenheit einige schwere Krisen erlebt – die letzte große Hungerkatastrophe war 2011. Heute wird der nationale Ernährungsstandard immer besser. Aber jetzt hat Kenia, wie viele andere Länder auf der ganzen Welt, ein anderes Problem im Zusammenhang mit Lebensmitteln. Auf der einen Seite leidet ein Teil unserer Bevölkerung immer noch an Unterernährung, auf der anderen Seite finden wir die Hälfte unserer Bevölkerung, die – vornehmlich in den großen Städten – mit Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes kämpft. Das liegt daran, dass die Menschen zu viel ungesundes Essen und Fast Food konsumieren. Es wird mit viel zu viel Zucker-, Salz- und Fettzusatz verarbeitet. Schlimmer noch, Allergien, Asthma und Krebs sind Experten zufolge zum Beispiel mit falscher Ernährung verbunden. Studien bestätigen, dass hoch verarbeitete Lebensmittel nicht der richtige Weg sind, um gesund zu leben.

Die kenianische Bio-Unternehmerin Sylvia Kuria. Fotorecht: Sylvia Kuria

Sind sich die Menschen heute bewusster über eine gesunde Ernährung? Gibt es einen Unterschied zwischen Stadt und Land?

„Das hat mich stark von den Vorteilen des ökologischen Landbaus überzeugt und ich glaube daran, dass dies der beste und einzige Weg ist meine Familie gesund zu ernähren.“

Es ist richtig, dass ein Teil der Menschen dank Informationen aus dem Internet und den Medien in den letzten Jahren mehr über gesunde Lebensmittel erfahren hat. Auch die Bildung spielt eine wichtige Rolle. In den letzten zehn Jahren in denen ich mich mit dem Gemüseanbau beschäftige, habe ich viel gelernt, auch viele Fakten über die schlechten Auswirkungen von Chemikalien und Pestiziden auf unseren Boden und unsere Lebensmittel. Das hat mich stark von den Vorteilen des ökologischen Landbaus überzeugt und ich glaube daran, dass dies der beste und einzige Weg ist meine Familie gesund zu ernähren. Es ist nicht einfach als Bio-Bäuerin zu arbeiten, aber ich hatte das Glück am Anfang Hilfe von der kenianischen Bio-Organisation KOAN (Kenia Organic Agriculture Network) zu bekommen. Später konnte ich dann mein Wissen weitergeben, Schulungen durchführen und einige andere Kleinbauern überzeugen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit einige Interviews zu geben, um das Wissen über den ökologischen Landbau und eine gesunde Ernährung zu verbreiten.

 

Du hast viele Aktivitäten gestartet, um andere Bauern davon zu überzeugen, ökologisch zu produzieren und ihre Familien biologisch zu versorgen. Wie erklärst du die Vorteile des ökologischen Landbaus und von Bio-Lebensmitteln?

„Es ist noch viel zu tun und wir müssen den Menschen noch viel erklären.“

Langsam aber sicher sind sich immer mehr Menschen bewusst, dass ihre Ernährung ungesund ist und außerdem auch schlecht für die Umwelt. Nur Monokulturen von Mais und Bohnen anzubauen kann nicht gut für den Boden und den Betrieb sein. Denn man ist abhängig von den großen Saatgutfirmen, man behandelt seinen Boden schlecht und wir verlieren unsere Biodiversität. Es ist so viel nachhaltiger eine gute Mischung aus Gemüse wie Karotten, Grünkohl, Spinat, Kräutern und anderem anzubauen. Diese Argumente, zusammen mit der Erfahrung, dass die Produkte schmackhafter sind, können die Menschen überzeugen. Meine Kunden, die bei mir Gemüse kaufen, fragen mich oft, warum das Gemüse so süß und aromatisch ist, und ich kann sagen…. „Weil ich es im Einklang mit der Natur und biologisch angebaut habe.“ Es ist noch viel zu tun und wir müssen den Menschen noch viel erklären. Anfang November habe ich zusammen mit anderen ein Geschäft in Nairobi eröffnet. „Sylvia‘s Basket“ soll unser Bio-Gemüse und andere Bio-Produkte in die Stadt bringen, wo das Bewusstsein und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst.

Was war Deine Motivation und Mission Bio-Bäuerin und Gründerin von „Sylvia‘s Basket“ zu werden?

Als Kind habe ich viel Zeit auf dem Hof meiner Großeltern verbracht und war in den Schulferien immer gerne dort. Um ehrlich zu sein war es ein Traum, Bäuerin zu werden. Als unsere junge Familie wuchs, zogen wir von Nairobi nach Limuru auf das Land. Ein kleiner Gemüsegarten war eines der ersten Dinge, die ich dort begann. Am Anfang war es sehr schwierig, aber ich war hartnäckig. Mit wachsender Erfahrung, der Unterstützung eines Bio-Vereins und der vollständigen Umstellung auf biologische Methoden war ich dann erfolgreich und konnte viele gesunde Lebensmittel produzieren. Das Ernten von Bio-Gemüse und Obst für meine Familie – meine Kinder sind jetzt 10, 8 und 7 Jahre alt – aber auch das Teilen mit Freunden und Nachbarn war eine Bestätigung und ermutigte mich weiterzumachen und zu expandieren. Aufgrund meiner Mission, gesunde Lebensmittel für mehr Menschen verfügbar und erschwinglich zu machen, habe ich „Sylvia‘s Basket“ gegründet, wo man Bio-Gemüse und -Obst online bestellen kann. Das wurde ein Erfolg.

Glaubst Du, dass Bio-Lebensmittel das Niveau der Gesundheit und Ernährungssicherheit in Kenia und auf der ganzen Welt erhöhen können?

Ich bin sicher, dass gute, gesunde Lebensmittel und die Gesundheit der Menschen eng miteinander verbunden sind. Der biologische Landbau hat sich als der beste und nachhaltigste Weg erwiesen. Je mehr Landwirte in der ökologischen Landwirtschaft arbeiten, keine Pestizide spritzen, sondern den Boden heilen, desto mehr gute Lebensmittel stehen zur Verfügung und können die Gesundheit der Menschen fördern. Vor allem Eltern müssen anfangen, ihre Kinder gesund zu ernähren. Wenn wir auf hoch verarbeitete und raffinierte Lebensmittel verzichten, können wir unsere Ernährungsweise verbessern und unseren Körper wieder ins Gleichgewicht bringen. Von gesunden Böden bekommen wir nicht nur besseres Gemüse, sondern gesunde humusreiche Böden sind auch widerstandsfähiger gegen Trockenheit und können dazu beitragen CO2 zu reduzieren und damit den Klimawandel einzudämmen. Das bedeutet, dass mehr ökologischer Landbau auf der ganzen Welt ein großer Vorteil für die Menschheit und unseren Planeten ist. Mein Rat ist, klein und vor Ort anzufangen und Deine Nachbarn zu überzeugen. Kleine Cluster von 200 bis 300 Bio-Hausgärten auf dem Land könnten so vieles verändern! In Kenia haben wir begonnen uns zu wandeln, es gibt eine ziemlich gute Bio-Bewegung. Aber mehr Bildung und Trainings sind notwendig, um noch viel mehr Kleinbauern für die Bio-Bewegung zu gewinnen. Es gibt viel Potenzial, die Bauern sind offen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Bio helfen kann, die Welt in einen besseren Ort zu verwandeln.

Das vollständige Interview lesen Sie im Newsroom der BIOFACH.

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Das Interview führte Karin Heinze, BiO Reporterin International.

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Umzug nach Shanghai – Interview mit Marius Berlemann

Marius Berlemann ist seit dem 1. April General Manager der Messe Düsseldorf Shanghai Co., Ltd. (MDS). Zuvor war er nach einem Jahr als Trainee und verschiedenen anderen Stationen bei uns im Haus Global Head Wine & Spirits und Director der ProWein. Nun hat er die gesamte Projekt-, Personal- und Budgetverantwortung für das Portfolio der Messe Düsseldorf in China und wird vor allem den Ausbau des Neugeschäfts und unserer Messeportfolios in China weiter vorantreiben. Für ihn eine zugleich spannende und herausfordernde Aufgabe, bei der er gleichzeitig Messe-Generalist sein und tiefe Einblicke in jede Branche unserer Messethemen erlangen muss. Sein Tag kann mit Themen rund um unsere Verpackungsmaschinenmesse „swop“ starten, mittags im Caravaning-Bereich weitergehen und am Abend wird noch die Strategie für die wire und Tube China besprochen. Dazu kommt die besonders spannende Herausforderung der Mitarbeiterführung – zudem in einem anderen Kulturkreis. Shanghai ist für ihn jedoch kein Neuland, denn vor fünf Jahren war Marius Berlemann schon einmal ein Jahr für die Messe Düsseldorf in Shanghai und baute dort die ProWine China auf. Von den rund 70 Mitarbeitern, die unsere chinesische Tochtergesellschaft hat, kannte er noch ein gutes Drittel, was ihm den Einstieg natürlich erleichtert hat. Marius Berlemanns Familie, seine Frau und die beiden Kinder (ein und drei Jahre alt), haben ihn nach China begleitet. Im Interview berichtet er über seinen Start in Shanghai, neue berufliche Herausforderungen und was ihm und seiner Familie in Shanghai besonders gut gefällt.

Marius Berlemann an der Promenade „The Bund“ am Fluss Huangpu

Sie sind im März umgezogen, Ihre Familie ist im August nachgekommen. Wie lange waren sie mit den Umzugsvorbereitungen beschäftigt und was gab es für Hürden?

Das stimmt, wir haben den Umzug bewusst gesplittet. So konnte ich mich am Anfang voll und ganz auf meine neue Arbeit einstellen und unsere Tochter konnte ihr erstes Kindergarten-Jahr in Düsseldorf beenden.

Für Privatpersonen kann es relativ kompliziert und aufwendig sein, nach China einzureisen und vor Allem eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Dadurch, dass ich hier für die Messe  Düsseldorf tätig bin, habe ich aber tolle Unterstützung bekommen und alle Visa-Angelegenheiten liefen problemlos. Die notwendigen Unterlagen, wie z.B. Heirats- und Geburtsurkunden, sowie deren Beglaubigungen hatten wir bereits ein paar Wochen vorher zusammengestellt und erledigt. Unsere „größte Hürde“ bestand darin, vor Ort in Shanghai einen sogenannten Health-Check durchführen zu lassen. Bei 40 Grad Außentemperatur in einem Krankenhaus-Kittel von Raum zu Raum geschickt zu werden, um sich einmal komplett durchleuchten zu lassen – darauf muss man sich einfach einlassen. Zum Glück müssen Kinder unter 18 Jahren einen solchen Medizin-Check nicht absolvieren.

Dank der Unterstützung und weil meine Frau und ich die Stadt schon kannten und wussten, was uns erwartet, sind wir den Umzug ehrlich gesagt recht gelassen angegangen. Unsere Planung beschränkte sich im Wesentlichen auf das Koffer-Packen. Hier vor Ort gibt es ein breites Shopping-Angebot, was fehlt besorgen wir hier und wenn unsere Kinder doch etwas vermissen, wird es beim nächsten Heimatbesuch eingepackt. Sehr wichtig war uns allerdings, dass unsere Tochter ohne längere Pause wieder zurück in eine Kindergarten-Einrichtung gehen konnte. Deshalb haben wir uns frühzeitig darum gekümmert und sie schon ein halbes Jahr vor der Abreise für die Deutsche Schule Shanghai angemeldet.

Wohnungssuche in Shanghai – so kompliziert wie man es sich vorstellt?

Shanghai mit dem Rad geht auch

Die Wohnungssuche war tatsächlich relativ unkompliziert. Die Messe hat eine Immobilien-Agentur mit einem Makler vor Ort beauftragt, der uns trotz der sehr hohen Bevölkerungsdichte von über 24 Mio. Einwohnern erstaunlich viele freie Wohnungen zeigen konnte. Natürlich mussten wir erst einmal einige ansehen, bevor wir die Richtige gefunden hatten, aber darauf hatten wir uns von Anfang an eingestellt. Besonders wichtig war uns eine nicht zu große Entfernung zum Büro und zum Kindergarten. Glücklicherweise haben wir eine passende Wohnung in der Mitte gefunden.

Wer lebt sich schneller ein, die Kinder oder die Erwachsenen?

Wir Erwachsenen machen uns oft viele Gedanken und auch teilweise unnötig viel Druck. Die Kinder sind unvoreingenommen, lassen Dinge auf sich zukommen und gerade in unserem Fall, mit zwei Kleinkindern im Alter von drei und einem Jahr, sind sie da glücklich und zufrieden wo auch Mama und Papa glücklich und zufrieden sind. Für uns als Eltern ist es wichtig, den Kindern ein schönes Zuhause zu bieten, zu helfen, dass sie schnell Freunde finden, und das ein oder andere bekannte Essen auf den Tisch zu zaubern.

 Sie kannten Shanghai schon. Worauf haben Sie sich am meisten gefreut?

Sowohl meine Frau als auch ich sind große Fans der Peking Ente, die man unglaublich gut im Lokal DaDong essen kann. Da schlage sogar ich ordentlich zu, obwohl ich sonst kein großer Fleischfan bin.

Kleine Boutiquen, gemütliche Lokale mit Livemusik und europäische Feinkostläden – die Former French Concession.

Was ist ihr Lieblingsort in Shanghai? Was sollten sich Besucher unbedingt anschauen?

Mein neuer Lieblingsort in Shanghai wird wahrscheinlich unsere neue Wohnung sein. Aus dem Fenster hat man einen guten Blick auf den Shanghai Tower, der weltweit das zweithöchste und Chinas höchstes Gebäude ist.

Shanghai hat unheimlich viel zu bieten und für jeden Besucher ist das Richtige dabei. Ein Muss ist natürlich der Bund, die Promenade am Fluss Huangpu. Wir haben vor Kurzem eine Bootstour über den Huangpu River unternommen, dabei hat man einen tollen Blick auf beide Seiten des Flusses, die „alte“ Seite Puxi und die „neue“ Seite Pudong. Wer neben dem modernen Shanghai auch gerne das traditionelle China kennen lernen möchte kommt bei einem Besuch des Yu Garden voll auf seine Kosten. Hier findet man einen 400 Jahre alten Garten sowie ein schönes Teehaus. Am liebsten schlendere ich an einem Sonntagnachmittag durch das FFC (Former French Concession), das für mich durch seine vielen kleinen Boutiquen und Lokale ein ganz besonderes Flair hat. Besonders Weinliebhaber werden hier nicht enttäuscht.

Vermissen Sie etwas an Düsseldorf?

 Ich vermisse die doch sehr kurzen und vor allem stressfreien Verkehrswege in Düsseldorf. Trotz mehrspuriger Fahrbahnen ist das Verkehrsaufkommen in Shanghai sehr hoch und „mal eben“ zu einem Meeting zu fahren, kostet mich teilweise eine Stunde Autofahrt. Außerdem freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Spaziergang durch den Wald, mit den Kindern die Natur zu erleben und einfach mal tief durchzuatmen. Trotz der der vielen Grünanlagen hier in Shanghai, die sehr liebevoll angelegt und top gepflegt werden, vermisse ich die bekannten Waldwege.

 Wie bringen Sie Düsseldorf bzw. Heimat-Feeling an Ihren Standort?

Düsseldorf Feeling bringe ich immer mit einem gepackten Koffer voll Leckereien nach Shanghai, Snacks für die Kinder und die gute deutsche Schokolade dürfen hier nicht fehlen.

Wir danken Marius Berlemann für diesen spannenden Einblick und wünschen ihm und seiner Familie viel Erfolg und Spaß in Shanghai. Habt Ihr auch Auslandserfahrungen gemacht – vielleicht auch in China? Wie lief es bei Euch?

 

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Regional, saisonal und frisch: Küchenchef Matthias Schneider zum neuen Kantinenkonzept

Auf unserem Messegelände wird täglich genetzwerkt, telefoniert, gehämmert, gedruckt, ausgebildet und natürlich auch frisch zubereitet und gekocht. Denn für alle Mitarbeiter der Messe Düsseldorf stellt ein fleißiges Kantinen- und Küchenteam Tag für Tag abwechslungsreiche und leckere Gerichte zusammen. Als Ort für sozialen Austausch und das leibliche Wohl ist die Kantine oft so etwas wie das Herzstück eines Unternehmens und trägt zur stärkeren Bindung der Mitarbeiter sowie deren Zufriedenheit bei. Und das gilt auch für uns! Hier können wir mit Kollegen plaudern, abschalten und uns kulinarisch verwöhnen lassen.

Dafür kochen unsere Kollegen aus der Küche regional, saisonal und frisch – und zwar für 300 Gäste täglich! Getreide und Gewürze werden meist selbst in der Küche frisch gemahlen, damit kein Aroma verloren geht und die ganze Kraft des vollen Korns genutzt werden kann. Darüber hinaus werden ausschließlich Bio-Eier aus zertifizierten Bioland-Betrieben, Fisch aus bestandserhaltender Fischerei sowie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung verwendet. Geschmacksverstärker, künstliche Farb- und Aromastoffe sucht man in den Töpfen unseres Küchenteams hingegen vergeblich.

Kantinenteam der Messe Düsseldorf

Der frühe Vogel fängt den Wurm und bringt Vielfalt in den Speiseplan

Der neue Küchenchef Matthias Schneider ist seit drei Monaten im Auftrag unseres Partners ESSENSZEIT bei der Messe Düsseldorf im Einsatz. Jeden Tag stehen sein Team und er bereits um sechs Uhr morgens in der Küche, um alles für die hungrigen Gäste vorzubereiten. Los geht’s mit 150 belegten Brötchen für das Frühstück, denn unsere Kantine ist nicht erst ab mittags geöffnet, sondern stärkt unsere Kollegen bereits in den frühen Morgenstunden. Neben den Frühstücksklassikern sorgt Matthias Schneider mit einem täglich wechselnden Angebot wie beispielsweise Strammer Max, Leberkäse oder frisch belegte Wraps oder Croissants für tägliche Abwechslung.

Ein ausgewogener und gleichzeitig abwechslungsreicher Speiseplan ist für den Familienvater auch beim Mittagessen das A und O. Da ist für jeden Geschmack das Richtige dabei. Für die neuste Ausgabe unserer MD Stories hat Matthias Schneider für uns ein klassisches „Kartoffel-Gulasch“ gekocht – genau das richtige Essen für die kältere Jahreszeit. Viel Spaß beim Nachkochen!

 

Für 10 Personen/Portionen braucht ihr:

2 kg mehlige Kartoffel

0,8 kg Zwiebel

0,4 kg rote Paprika

0,4 kg Steckrübe

1 kg Tomatenpulpa (Biotomaten in Saft aus der Dose)

1 Liter Gemüsebrühe

0,12 kg Tomatenmark

0,07 kg Paprikapulver

etwas Knoblauch

Lorbeerblatt, Kümmel, Cayennepfeffer

frischen Majoran

Liebstöckel

Blattpetersilie

etwas Apfelessig

Sonnenblumenöl

Optional: gebratene Merguez oder Cabanossi

 

Euch läuft das Wasser schon im Mund zusammen? Perfekt, dann nichts wie hin in eure eigene Kantine. 😉 Schreibt uns, wie euch unsere Spezialität des Hauses geschmeckt hat.

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