Sprungbrett für Weltverbesserer

Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact und hilft Social Start-ups bei der Gründung nachhaltig erfolgreicher Unternehmen. Fotorecht: Björn Kowalewski.

Erfolgreiches Unternehmertum, ökonomisches Denken und wirtschaftliches Handeln sind wohl Begriffe, die nicht sofort an Social Start-ups denken lassen. Dennoch sind auch das Aspekte, die für Sozialunternehmen durchaus zutreffen und wichtig sind. Social Start-ups liegen im Trend und verbinden Wirtschaftlichkeit mit sozialem Mehrwert. Sie sind soziale Problemlöser und Visionäre des sozialen Fortschritts und wollen gesellschaftliche, ökologische und soziale Konflikte mit ihren Ideen lösen, um so die Welt ein Stückchen besser zu machen. Norbert Kunz ist der Gründer von Social Impact. Er arbeitet seit über 30 Jahren in der Branche und hilft Start-ups dabei, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Social Impact versteht sich als Agentur für soziale Innovationen und hat schon etliche Social Start-ups auf ihrem Weg begleitet. Im Interview gibt Herr Kunz Einblicke in seine Arbeit und die Start-up Szene.

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Herr Kunz, inzwischen feiern Sie mit Social Impact über 30 Jahre Erfolgsgeschichte, haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten und betreiben acht Social Impact Labs in ganz Deutschland. Wie sind Sie dazu gekommen und wie können Sie Existenzgründer*innen unterstützen?
Angefangen haben wir 1994 mit einem Qualifizierungsprogramm für arbeitslose Jugendliche ohne Berufsausbildung. Erst später haben wir mit dem Existenzgründungsprogramm begonnen und haben in den letzten Jahren über 3.000 Gründungsprojekte unterstützt. Seit 2011 fokussieren wir uns nun auch auf Social Start-ups und haben hier schon über 300 Projekte betreut. Social Start-ups sind Unternehmen, die soziale oder ökologische Probleme lösen wollen. Wir helfen ihnen bei der Entwicklung der sozialen Geschäftsmodelle und bei der Verbreitung ihrer Innovationsansätze. In jedem Lab erfolgen zwei- bis dreimal pro Jahr Bewerbungsaufrufe. Aus einer Anzahl von 30-50 Bewerbungen, werden dann 8-10 Projekte ausgewählt, die vor einer unabhängigen Jury aus Experten der Sozialwirtschaft pitchen können. Aus diesen werden dann vier bis fünf ausgewählt und in unser Programm aufgenommen. Dieses ist sehr umfangreich: Co-Working, Coaching, Mentoring, Workshops. Wir verfolgen hier einen ganzheitlichen Ansatz und möchten, dass unsere Start-ups auch nachhaltig erfolgreich sind. Und wir haben hier auch eine wirklich gute Erfolgsquote, ich würde mal sagen so zwischen 70 und 80 Prozent.

Das Start-up „GemüseAckerdemie“ zeigt Kindern, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie zum Beispiel Kartoffeln und anderes Gemüse angebaut wird. Fotorecht: Katharina Kühnel

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Wenn Sie die letzten Jahre zurückdenken, was war für Sie eines der herausragendsten Projekte, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich unendlich viele. Was mir spontan einfällt: Eines der ersten Projekte, die ich betreute, war Ende der 90er Jahre. Wir unterstützten einen 19-Jährigen dabei sich im IT-Bereich selbständig zu machen. Fünf Jahre später traf ich den jungen Mann wieder und er kam mit einem roten Cabriolet vorgefahren und meinte zu mir: „Weißt du Norbert, meine Kunden verlangen von mir, dass ich mit so einem Auto komme“. Da musste ich schon schmunzeln. Ein anderes tolles Projekt, das mir einfällt ist die GemüseAckerdemie. Das ist ein Schulprojekt, bei dem Schüler*innen selbst Gemüse anbauen, vermarkten und verkaufen. Das Programm möchte bei den jungen Menschen ein Verständnis für die Lebensmittelproduktion und nachhaltigen Konsum schaffen. Auch Auticon möchte ich noch erwähnen. Das Start-up beschäftigt Autisten mit einer Spezialbegabung im IT Bereich. Dort werden die Angestellten für einzelne IT-Projekte von Firmen eingesetzt. Menschen mit Behinderung haben es leider oft schwer im Arbeitsmarkt.
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Wie hat sich die Gründerszene in den letzten Jahren verändert?
Ich würde sagen in den letzten sieben bis acht Jahren hat sich schon einiges getan. Zwischenzeitlich gab es wenige Gründer, die sich aus Not, eben aus der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit heraus selbständig machen wollten. Dies gewinnt nun wieder an Bedeutung, wenn ich hier an Geflüchtete denke. Deshalb haben wir auch den ersten Gründungsinkubator für Geflüchtete etabliert. Mit den Social Impact Labs adressieren wir in erster Linie gut ausgebildete junge Menschen, die etwas bewegen wollen, die eine soziale Lösung haben und diese Innovation teilen möchten.
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Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Gründer*in aus?
Ich rate Gründer*innen immer dazu zuzuhören und offen zu sein. Man sollte Kritik und Ratschläge annehmen und vor allen Dingen ernst nehmen. Außerdem sollte jedes Social Start-up mit Herz bei der Sache sein, an die Innovation glauben und nicht vorschnell aufgeben. Auch ein wichtiger Punkt ist Partner für seine Idee zu gewinnen. Unterstützer und Kooperationspartner können für junge Unternehmen äußerst hilfreich sein und einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen, sowohl finanziell als auch was Erfahrung und Wissen betrifft.
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Sie sind ja Kooperationspartner des Innovationsparks. Hier gestalten Sie den Social Start-up Talk. Was haben Sie genau geplant?
Unser Ziel ist es natürlich die Ideen der Social Start-ups bekannt zu machen, denn hier gibt es eine deutliche Lücke. Viele soziale Innovationen sind nicht bekannt und es ist auch weitgehend unbekannt, dass es eine Start-up Szene gibt, die Lösungen für soziale Probleme entwickelt. Auf der ConSozial möchten wir den Start-ups die Möglichkeit geben sich in Pitches vorzustellen. Wir wollen aber natürlich auch den Austausch fördern und haben in dem Programm verschiedene Formate wie Speed-Networking vorgesehen. Ein weiteres Ziel ist es natürlich die Wohlfahrtsverbände anzusprechen und zukünftige Kooperationen und Partnerschaften anzubahnen.

Der Innovationspark auf der ConSozial bietet Social Start-ups die Gelegenheit ihre Idee mit einem breiten Fachpublikum zu teilen. Fotorecht: Heiko Stahl.

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Warum sind in Ihren Augen Messen wie die ConSozial so wichtig?
Das liegt doch auf der Hand. Start-ups müssen dorthin gehen wo der Markt bzw. der Marktplatz ist und daher liegt es nahe, dass sie ihre Innovationen auch auf Messen wie der ConSozial zeigen. Dort wird die gesamte Sozialbranche abgebildet und alle wichtigen Akteure wie Wohlfahrtsverbände, Sozialträger, Partnerorganisationen und weitere Sozialunternehmen sind gesammelt vor Ort. Daher ist es nur empfehlenswert dort auch präsent zu sein.
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Vielen Dank für das Interview.

Der ConSozial inklusive dem Innovationspark findet am 6. und 7. November 2019 im Messezentrum Nürnberg statt. 

Der Beitrag Sprungbrett für Weltverbesserer erschien zuerst auf Das Online-Magazin der NürnbergMesse..

Start-ups, die die Welt ein Stückchen besser machen

Die ConSozial ist die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarkts im deutschsprachigen Raum. Für die die 20-jährige Jubiläumsveranstaltung hat sich die ConSozial etwas Besonderes überlegt. „Der neu eingeführte Innovationspark gib dieses Jahr zum ersten Mal sozialen Start-ups die Möglichkeit, sich einem großen Publikum zu präsentieren“ freut sich die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ist der Veranstalter der ConSozial und Schirmherr des 1. Innovationsparks. Bei der Sonderschau sind viele spannende Produktideen dabei – von analog bis digital. „All diese Angebote machen die von uns veranstaltet ConSozial zu einem Ausgangspunkt für neue Ideen und moderne Wege“, so die bayerische Sozialministerin. 

Bei der Entwicklung des Innovationsparks hat sich die ConSozial mit der evangelischen Hochschule Nürnberg zusammengetan. Sara Bernreuther ist Mitglied des fünfköpfigen Projektteams und hat zusammen mit ihren Kommilitoninnen maßgeblich bei der Gestaltung des Innovationsparks mitgewirkt. Das Team hat die Sonderschau von Anfang an begleitet. Die Studentinnen haben eingehende Recherchen im Bereich der sozialen Start-ups betrieben und Existenzgründer mit spannenden Ideen für die Sonderschau akquiriert. Während der ConSozial am 7. und 8. November 2018 werden sie die Teilnehmer des Innovationsparks auch vor Ort betreuen.

Sara Bernreuther, Veranstaltungsteam Innovationspark / Foto: NürnbergMesse GmbH

Frage 1
Frau Bernreuther, welche sozialen Innovationen stellen die Start-ups vor? Können Sie uns von konkreten Produktideen erzählen?
Das ist ganz bunt gemischt und genau so vielfältig wie die ConSozial selbst. Es sind so viele spannende Ideen und Themen aus unterschiedlichen Bereichen dabei – von Integration über Behindertenhilfe bis hin zu Digitalisierung. Eines der Start-ups hat beispielweise eine smartglass Applikation entwickelt, die Menschen mit Behinderung zu unabhängiger Mobilität verhilft. Durch einfaches Nicken können Rollstuhlfahrer beispielsweise ihren Rollstuhl steuern. Ein anderer Aussteller des Innovationsparks ist ein Modelabel, das bequeme Kleidung für Rollstuhlfahrer entwickelt, die sich besonders für langes Sitzen eignet. Außerdem wird auch eine App vorgestellt, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Diese bietet unter anderem ein Bonussystem über das man Punkte sammeln kann, die der Kunde beim Kauf von nachhaltigen Produkten erhält. Was ich auch noch sehr spannend finde ist das Projekt zur digitalen Gesundheitsförderung für demenzkranke Menschen mit Hilfe eines interaktiven Therapieballs. Ich könnte hier jetzt noch über so viele andere Innovationen reden. Was ich einfach bewundernswert finde, ist, dass jedes einzelne der sozialen Start-ups für ihre Idee brennt und das Ziel haben etwas Positives zu bewirken. Ich freue mich schon richtig darauf, die Gründer und deren Produkte beim Innovationspark live zu erleben.

 

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Maßgeschneidert für Rollstuhlfahrer. Die Hosen von Herzblut können individuell an den Nutzer angepasst werden.  /Bild: BLAUHERZ

Frage 2
War es schwierig die Social Start-ups vom Innovationspark und der ConSozial zu überzeugen?
Nein, überhaupt nicht. Insgesamt haben wir äußerst positives Feedback erhalten und mussten kaum Überzeugungsarbeit leisten. Die Start-ups waren sehr dankbar, dass die ConSozial nun eine Plattform bietet, auf der Sie sich in einem besonderen Rahmen präsentieren können. Es ist eine einzigartige Gelegenheit mit etablierten Unternehmen und möglichen Sponsoren in Kontakt zu treten.
Frage 3
Wie kamen Sie zu diesem Projekt und hatten Sie schon vorher Berührungspunkte mit der ConSozial?
Da ich Sozialwirtschaft studiere, bin ich mit der ConSozial bestens vertraut. Ich war bereits die letzten Jahre immer auf der Messe. Deswegen hat mich das Projekt auch sofort angesprochen. Vor allen Dingen begeistert mich, dass wir den Innovationspark von Anfang bis Ende begleiten können. Es macht richtig Spaß, so praxisnah zu arbeiten.
Frage 4
Wie sah die Zusammenarbeit zwischen Ihrer Hochschule und der NürnbergMesse konkret aus? Wie ist das Projekt abgelaufen?
Zunächst haben wir uns mit Christian Arnold, dem Veranstaltungsleiter der ConSozial bei der NürnbergMesse getroffen und über den Aufbau und die Ziele des Innovationsparks gesprochen. Die konkrete Umsetzung hat sich dann erst nach und nach ergeben. Unsere Aufgabe war es, die Start-up Szene im Sozialmarkt zu erschließen. Wir haben uns die Fragen gestellt, welche Bedürfnisse Start-ups haben, welche Themen sie beschäftigen und auf welchen Kanälen sie vertreten sind. Das war wirklich spannend.
Frage 5
Und wie sind Sie bei der Recherche konkret vorgegangen?
Zuerst haben wir uns natürlich allgemein mit der Start-up Szene auseinandergesetzt, bevor wir dann den Fokus auf die Social Start-ups gelegt haben. Wir haben verschiedene Kriterien aufgestellt, nach denen wir eine Liste mit potentiellen Gründern für den Innovationspark erstellt haben. Nach Prüfung der Websites und Produkte haben wir uns dann an die konkrete Umsetzung gemacht und haben die Unternehmen kontaktiert. Seit Mai 2018 ist die Recherche nun abgeschlossen. In der ersten Phase konnten wir in kürzester Zeit bereits neun Start-ups für den Innovationspark begeistern. Inzwischen sind es aber schon deutlich mehr und wir haben noch viele weitere Interessenten.

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Einfach Gutes tun: Die Wertewandel-App belohnt den Kauf nachhaltiger Produkte.  / Bild: Wertewandel GmbH

Frage 6
Was ist Ihr Fazit zu Ihrem Projekt und dem Innovationspark?
Ich persönlich fand das Projekt großartig und würde es jederzeit wieder machen. Die Start-up Szene ist ein absolut dynamisches, spannendes Feld mit großem Potential. Deswegen finde ich es auch klasse, dass die ConSozial nun den Innovationspark ins Leben gerufen hat und Existenzgründern eine Plattform bietet. Es ist einfach faszinierend, wie immer wieder neue, innovative Ideen mit Wow-Faktor entstehen. Außerdem bewundere ich, wie sich die Gründer für ihre Ideen, für ihre Visionen aufopfern. Denn sie entwickeln ihre Innovationen ja nicht nur für sich selbst, sondern wollen der Gesellschaft und anderen Menschen etwas Gutes tun, eben die Welt ein Stückchen besser machen.
Ende
Vielen Dank für diese spannenden Einblicke.

Die ConSozial inklusive dem Innovationspark findet am 7. und 8. November 2018 auf dem Messegelände Nürnberg statt. Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.consozial.de/

www.consozial.de/innovationspark

Schirmherr des Innovationsparks ist das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Medienpartner des 1. Innovationsparks ist das Fachmedium sgpREPORT, Schlütersche Verlagsgesellschaft.

 

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