Forschung für eine ökologischere Zukunft!

Qualität von Bio-Lebensmitteln ist ein wertvolles Gut. Um mit konventionellem Essen mithalten zu können und die Nahrung trotzdem so natürlich wie möglich zu lassen, müssen sich Hersteller einiges einfallen lassen. Deutlich wird das an einer der ausgezeichneten Abschlussarbeiten des Forschungspreises Bio-Lebensmittelwirtschaft, der auf der BIOFACH in Nürnberg an fünf engagierte Studentinnen in den Kategorien Bachelor und Master verliehen wurde.

Die Verleihung des Forschungspreises Bio-Lebensmittelwirtschaft während der BIOFACH 2019. Fotorecht: NürnbergMesse.

„Anhand der ausgewählten Arbeiten wird deutlich, wie wichtig dieser Forschungspreis ist. Forschung ist ein integraler Bestandteil und eine wichtige Grundlage für die Gestaltung der Zukunft. Das muss unbedingt gewürdigt werden“, so Petra Wolf, Mitglied der Geschäftsleitung NürnbergMesse. Auch Moderatorin Maren Walter bekräftigt die Bedeutung des Forschungspreises Bio-Lebensmittelwirtschaft, der „Unternehmen und Studenten näher zusammenbringt und deshalb die Zukunft von Bio wesentlich mitgestaltet“.

„Forschung ist ein integraler Bestandteil und eine wichtige Grundlage für die Gestaltung der Zukunft“

Von Mehl in Bio-Eis bis zur Revolution in der Nitratforschung

Studentin Laura Entringer von der Hochschule Trier half einer kleinen Molkerei, Bio-Speiseeis herzustellen, das durch Johannisbrotkernmehl stabilisiert wird, um damit unabhängig von dem konventionellen Stabilisator Pektin zu sein. „Die Arbeit von Frau Entringer zeigt sehr gut, dass auch kleinere, nachhaltig wirtschaftende Lebensmittelbetriebe der Bio-Branche technologisch anspruchsvolle Produkte erfolgreich für den Bio-Markt entwickeln können“, so ihr Prof. Dr.-Ing. Günther Lübbe.

Der Frage, wie Bio-Karpfen vermarktet werden kann, widmete sich die Arbeit von Katharina Schwab von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Die Arbeit von Frau Schwab zeigt auf, wie die Prozesskette in der Erzeugung und Vermarktung von Karpfen verläuft und gibt sogar Handlungsempfehlungen an kritischen Punkten“, so Prof. Dr. Michael Greiner.

Einem Thema, dass seit der Verurteilung von Deutschland wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtline an enormer Aufmerksamkeit gewonnen hat, widmete sich Johanna Hoppe von der Universität KasselWitzenhausen. „Frau Hoppe kommt mit ihrer Arbeit zu überraschenden und beeindruckenden Ergebnissen“, so ihr Prof. Dr. Jürgen Heß. Anders als bisher angenommen, gelangt laut Hoppes Forschung durch ökologische Bewirtschaftung 10-52 Prozent weniger Nitrat in unser Grundwasser.

Mit dem Ziel, den UN Zielen für eine nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden, half Banu Sengül von der Technischen Universität Hamburg-Harburg einem landwirtschaftlichen Betrieb bei der Umstrukturierung auf Ökolandbau. „Frau Sengül schaffte eine exzellente Balance zwischen einer naturwissenschaftlich technischen Arbeit und einer auf reale Betriebsprobleme basierende Konzeptentwicklung“, so Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl.

Dass die Authentizität von Bio-Lebensmitteln nicht nur von Gesundheit und Label abhängt, sondern auch von Herkunftsland und Einkaufsstätte, erarbeitete Jenny Kleeblatt, von der Technischen Universität München, indem sie über tausend Onlinekommentare untersuchte. Damit leistet die Studentin „einen wertvollen Beitrag zum Verständnis von Überzeugungen zu Bio-Lebensmitteln“, so Prof. Dr. Jutta Rossen.

Engagierte im Hintergrund

Gemeinsam mit der Lebensbaum Stiftung, der Schweisfurth-Stiftung und BIOFACH hat die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) den Forschungspreis vor sechs Jahren ins Leben gerufen und seitdem zahlreiche Unterstützer aus den Reihen der Bio-Lebensmittelhersteller gewinnen können. Eine Jury aus engagierten Professorinnen und Professoren, Vorständen und Geschäftsführern wählt jedes Jahr die prämierten Arbeiten aus. Der Preis war 2019 mit 10.000 Euro dotiert.

Generation Zukunft – Zukunft mitgestalten gemeinsam auf der BIOFACH

Der Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft ist alljährlicher Bestandteil der BIOFACH-Sonderschau „Treffpunkt Generation Zukunft“. Fotorecht: NürnbergMesse.

Der Forschungspreis Bio-Lebensmittelwirtschaft ergänzt alljährlich die BIOFACH-Sonderschau „Treffpunkt Generation Zukunft“, zu der auch die Biojob-Börse und der Karrieretreff gehören. Die Generation Zukunft ist unterstützt durch Kugler & Rosenberger. Verliehen wird der Forschungspreis an die besten Abschlussarbeiten (Bachelor und Master) zu Bio-Lebensmittel und Aspekten der Nachhaltigkeit wie Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Im Mittelpunkt stehen Innovationen und Problemlösungen rund um die Bereiche Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung.

Weitere  Informationen unter:

www.biofach.de
www.forschungspreis-bio-lebensmittel.de

 

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Out of the box: Wie sieht die Messe der Zukunft aus?

Der Funken ist übergesprungen bei dem Experiment „Erlebnisse gestalten, Messen in die Zukunft steuern – Messewirtschaft und Kreativwirtschaft in Kooperation“

Zusammen mit dem Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft hat der AUMA am 25. September 2018 in Berlin-Tempelhof den Workshop „Erlebnisse gestalten, Messen in die Zukunft steuern – Messewirtschaft und Kreativwirtschaft in Kooperation“ veranstaltet. Ziel dieses erstmaligen Experiments zwischen den Messeveranstaltern auf der einen und den Vertretern der Kultur- und Kreativwirtschaft auf der anderen Seite war es, Konventionen, Denkstrukturen und Muster über Bord zu werfen und neue Fragen, Ideen, Ansätze für künftige Messekonzepte zuzulassen.

Mit einem gamifizierten Einstieg in den Workshop, der zunächst alle Teilnehmer zu Ausstellern werden ließ, beschäftigten sich im weiteren Verlauf zwei Gruppen mit besucherspezifischen Fragestellungen; zwei weitere Gruppen entwickelten neue Ideen und Konzepte für die zukünftigen Aussteller. Es ging auch darum, neue Perspektiven aufzeigen, praxisorientierte Lösungsansätze und Prototypen zu entwickeln, Potenziale zu diskutieren, die für die Zukunft der Messewirtschaft aus der Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativwirtschaft entstehen können. Das Fablab – ein doppelstöckiger Bus mit integriertem Fabrikationslabor – diente den Workshopgruppen nicht nur als kreative Umgebung, sondern als Wirkungsstätte bei der Umsetzung der entstandenen Ideen, Konzepte und Lösungsansätze.

Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof: Kreative Auszeit für Messemacher Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof: Fabmobil Kreativ-Workshop im Flughafen Berlin-Tempelhof: Im Fabmobil

Welche Potenziale bieten Messen für Kreative? Zu diesem Thema hat der AUMA mit der Kultur- und Kreativwirtschaft einen Workshop veranstaltet – eine kreative Auszeit für Messemacher, um Potenziale für Messen auszuloten. (Fotos: © William Veder)

Am Ende dieses intensiven Tages war das Experiment gelungen, neue Brücken sind entstanden, viele gute Ideen, Einsichten, Perspektivwechsel und teilweise ganz neue Fragestellungen. Der Wunsch aller Teilnehmer nach mehr spricht für einen erfolgreichen Ansatz und der äußerst guten Idee zukünftiger Kooperationen zwischen Kultur- und Kreativwirtschaft und der Messewirtschaft.

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Messe und Erlebnis als Forschungsgegenstand

Interview mit Prof. Ulrich Wünsch und Prof. Richard von Georgi, hdpk

Action auf der Closing Ceremony der re:publica 2018. Die re:publica (The Most Inspiring Festival for The Digital Society) ist ein modernes Fachforum inklusive Ausstellungslandschaft und Vortragsmarathon, aber auch der Party, dem Netzfest. - Foto: Jan Michalko/re:publicaBesucher wollen auf Messen nicht nur Informationen und persönliche Eindrücke zu Produkten und Firmen, sondern zunehmend auch Erlebnisse. Dieser Trend zeichnet sich vornehmlich auf Publikumsmessen ab, ist aber auch auf Fachbesuchermessen zu beobachten: Auch hier werden verstärkt Unterhaltung, Shows und Events angeboten. Welche Dosis Erlebnis braucht aber der Besucher, um seine Aufmerksamkeit auf einen Messestand, ein Produkt oder ein Unternehmen zu konzentrieren? Zu diesem Thema liegt jetzt eine Studie des Instituts für Publikumsforschung (IfP) der Hochschule der populären Künste (hdpk) in Berlin vor. Unterstützer der Studie „ERLEBNIS MESSE – Dimensionen des Erlebens, ihre Wahrnehmung und Hinweise zu ihrer Inszenierung“ sind der AUMA – Verband der Deutschen Messewirtschaft und die Messe Berlin. Drei Fragen an die Autoren Prof. Ulrich Wünsch und Prof. Richard von Georgi.

Herr Prof. Wünsch, Herr Prof. von Georgi: Messen und Erlebnisse scheinen seit jeher untrennbar zusammenzugehören. Welche Gründe hatten Sie, das Thema wissenschaftlich zu untersuchen?
Prof. Wünsch:
Das Thema und der Begriff „Erlebnis“ sind inzwischen so allgemein geworden, dass es selbstverständlich erscheint, dass Erlebnisse im Zusammenhang mit Freizeit und Konsum, aber auch als Wirtschaftsgut, etwas Alltägliches sind. Und gerade wenn etwas alltäglich ist und eine  Anzahl Vorannahmen und Vorurteile in einen Begriff eingehen, von dem alle zu wissen meinen, was er bedeutet, ist es an der Zeit, genauer hinzuschauen. Das wäre dann angewandte Wissenschaft.

Prof. von Georgi: Das Thema des Erlebens ist von je her ein Bereich der Psychologie, der zwar viel beforscht, jedoch im Zusammenhang mit multimedialen Events bis heute kaum untersucht wurde. Gerade Messen bieten hier eine einzigartige Umgebung in der der Mensch vielfältig angesprochen wird und alle Sinne, Handlungskompetenzen aber auch das Denken und Fühlen gemeinsam von Bedeutung sind. Diese besondere psychologische Ausnahmesituation ermöglicht es, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, wie sich der Mensch in komplexen Situationen verhält und was er von diesen erwartet.

Warum sind Erlebnisse auch für das Fachpublikum auf Messen wichtig? Geht es dieser Zielgruppe nicht primär um Geschäfte, Netzwerke und Kontakte?
Prof. Dr. Ulrich WünschProf. Wünsch: Ich gehe davon aus, und ich denke, dies fällt in den Bereich unseres Alltagswissens, in den der Heuristik, dass es nie allein oder nur um das Geschäft geht. Das Geschäft oder der Gewinn ist immer ein Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck ist ein ganz menschlicher, sei es Glück, oder Anerkennung, oder Rache, oder Gewinnen, oder Hoffnung, oder Bestätigung, oder was auch immer. Hinzu kommt, dass das Fachpublikum nie allein Fachpublikum ist. Mit dem Fachmann oder der Fachfrau laufen auch immer der Hausmann oder die Hausfrau, der Ehemann oder die Ehefrau, der Freund oder die Freundin und jede Menge andere Rollen und Stimmungs- und Interessenlagen in einer Person auf der Fachmesse herum. Und die wollen Erlebnisse. Oder besser gesagt, besondere Erlebnisse, denn da vieles zunächst einmal ein unspezifisches Erleben ist, muss ein Erlebnis etwas Herausstechendes sein.

Prof. von Georgi: Die Ergebnisse unserer Studie zeigen sehr deutlich, dass auch bei Messen der Wunsch nach sozialen Beziehungen und Netzwerken nur ein Bereich dessen ist, was das Fachpublikum erwartet. Neben den genannten Bereichen spielt der Wunsch, Neues zu erleben und neues Wissen zu erlangen, eine ebenso wichtige Rolle. Somit sind auch Fachmessen keine reinen „Geschäftsangelegenheiten“ mehr, sondern Orte eines gemeinsamen positiven Selbsterlebens und Wachsens. Hierdurch werden auch soziale Beziehungen, und seien es auch „nur“ Geschäftsbeziehungen, durch einen positiven Erlebnis- und Erfahrungsanteil bereichert, was weit über finanzielle Aspekte hinausgeht und das soziale Miteinander verändert und verstärkt.

Gab es Erkenntnisse, die Sie als langjährige Kenner der Messelandschaft besonders überrascht haben? Verändert sich das Erlebnis auf Messen?
Prof. Wünsch:
Es hat mich überrascht, dass der Bereich der Autonomie so weit in den Vordergrund gerückt ist. Kognition, verkürzt gesagt, der Informations- und Wissensbereich, aber auch Emotion, verkürzt gesagt die persönliche Betroffenheit, waren zu erwarten. Jedoch sehen wir nun mit dem Hervortreten der „Autonomie“ wie weit sich unsere Gesellschaft und eben auch die Masse als ein Teil derselben, auf den Service als etwas Wichtiges geeinigt hat. Und dieser Service hat sehr viel mit der individuellen Beachtung des Einzelnen zu tun, der oder die zu jeder Zeit sich gesehen wissen will. Und der oder die selber bestimmen will, wo und wie es langgeht und nicht bestimmt werden will. Darauf einzugehen, wird für Messen, also die Messeausrichter und die Messebauer, nicht leicht sein. Der Kunde kann auch ein ungnädiger König sein.

Prof. Dr. MA Dipl.-Psych. Richard von GeorgiProf. von Georgi: Die Ergebnisse unserer Studie zeigen sehr deutlich, dass Erleben, Wissen aber auch die Selbstbestimmung bzw. Autonomie die zentralen Dimensionen sind, nach denen Menschen ein Event oder eine Messe beurteilen. Hierbei hat mich erstaunt, dass dem Bereich der Motorik, also dem Bewegen, Anfassen, Ausprobieren und Experimentieren eine sehr wichtige Rolle zukommt. Das bedeutet, auch auf Fachmessen möchten die Besucher nicht nur einfach Wissen austauschen, sondern auch sich selbst körperlich erleben. Aus psychologischer Sicht ist dieses motorische Erleben sehr eng gekoppelt an einen positiven Affekt, also positive Gefühle. So sehr dieses auch von Bedeutung ist, so scheint sich hier aber auch ein Gegenpol entwickelt zu haben, den wir als Autonomie bezeichnen: Hiermit ist gemeint, dass die Besucher auch selbst bestimmen können möchten, wann Sie sich aus dem Geschehen zurückziehen, sich auf sich selbst konzentrieren oder abschalten können und nicht das Gefühl bekommen, Teil einer festen Planung und Ausrichtung zu sein. Dieses ist ein Aspekt, der letztlich aus der Multimodalität resultiert und in der Praxis dringend Berücksichtigung finden muss: Je umfassender und reizintensiver das Event, desto höher müssen Anteile der Selbstbestimmung ermöglicht werden.

Die Ergebnisse der Studie liegen als Management Review (27 Seiten) und als Vollversion inklusive der Fragebögen und der Daten-Tabellen (165 Seiten) zum Download vor:

http://www.auma.de/de/Institut/Forschung/Seiten/Default.aspx

Über Prof. Dr. Ulrich Wünsch:

Prof. Dr. Ulrich Wünsche ist Gründungsrektor der SRH Hochschule der populären Künste (hdpk) in Berlin. Zuvor war er Professor für Event-Kommunikation an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef-Bonn. Der Medienwissenschaftler, Germanist und Psychologe ist außerdem Gründer und Mitherausgeber der Reihe „Atmosphären des Populären“ an der hdpk. Seine Forschungsinteressen liegen unter anderem in Events als medienästhetisches Phänomen, Erlebnisgestaltung sowie in Events im virtuellen Raum.

Über Prof. Dr. MA Dipl.-Psych. Richard von Georgi:

Der Studiengangsleiter M.A. Medienpsychologie an der SRH Hochschule der populären Künste studierte Psychologie und Medizin sowie Musikwissenschaften. Er praktiziert eine intensive Lehrtätigkeit mit den Schwerpunkten Musik und Medien, Musikpsychologie und -Soziologie sowie empirische Methoden. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in Medien und Emotionen, Musik und Gesundheit sowie Persönlichkeit.

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