„Koch im Park“ – Kommt kocht Bio mit uns!

Kurz nachdem wie jedes Jahr rund um Pfingsten bei „Rock im Park“ gerockt wurde, wurde am 16.06.2018 im Rosenaupark bei „Koch im Park“ gekocht. Gemeinsam mit Bio-Köchinnen
und -Köchen haben interessierte Bio-Begeisterte verschiedene Gerichte zubereitet und diese dann auch in sommerlicher Atmosphäre des Rosenauparks verspeist. Bio-Esskultur in einer ihrer schönsten Formen! Wer wollte, konnte sich bei der ersten Kochbuchtauschbörse zudem neue kulinarische Inspiration für die eigene Küche holen.

Das Wetter an diesem Juni-Samstag spielte mit und so schnippelten, rührten und würzten die Teilnehmer bei „Koch im Park“ fleißig unter den schattigen Bäumen des Rosenauparks.  Durch die schien zu Beginn des Events die Vormittagssonne. Später wurde es etwas wolkig, aber das trübte die Stimmung an den zahlreichen Bierbänken und -tischen an denen mit Freude gekocht wurde, keineswegs. Hubert Rottner, einer der 3 Gründer der BIOFACH, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, und heute Veranstalter zahlreicher Verbraucher-Events in der Region, ist im Rahmen des Zusammenschlusses von Nürnberg die BIOMETROPOLE, zu dem u.a. auch die Stadt Nürnberg und die BIOFACH zählen, gemeinsam mit dem Bio-Verbraucher e.V. Initiator von „Koch im Park“.

Koch-im-Park Nürnberg Rosenau Park

Foto. Joana Winter

Wolfgang Ritter, Vorstand Bio-Verbraucher e.V. begrüßt die Bio-Begeisterten Nürnberger an Info- und Kassentisch und erzählt: „Hubert und ich wollten immer schon eine Bio-Party organisieren – jetzt setzen wir das mit ‚Koch im Park‘ um.“ Und die Premiere war erfolgreich. Rund 130 Personen, Köche, Bio-begeisterte „Schnippelhilfen“ und Genießer versammelten sich rund um den Minnesängerbrunnen.

Hubert Rottner: „Eine schöne Premiere – es war viel los, alle haben begeistert mitgemacht, miteinander gesprochen, gekocht und gegessen und viele sind lange geblieben. Wir ziehen eine positive Bilanz und können uns gut vorstellen, das wieder zu machen! Auch über Facebook haben wir viel Lob bekommen. Toll war natürlich auch, dass sich so viele aktive Helfer gefunden haben. Deshalb geht ein großes Dankeschön an die Köche und Köchinnen sowie die weiteren zahlreichen Ehrenamtlichen! Ohne deren Engagement wären solche Events schwer zu realisieren. Ebenso wenig ohne zusätzliche Unterstützer und Sponsoren. Neben dem Umweltreferat der Stadt Nürnberg, bedanken wir uns bei Roy´s Naturkost , Ökoring, Rapunzel, Käsegroßhandel Gerald Bartke,  Neumarkter Lammsbräu, Metzgerei Meyer, Geflügelhof Schubert und der Fischzucht Degen.

„Eine schöne Premiere – es war viel los, alle haben begeistert mitgemacht, miteinander gesprochen, gekocht und gegessen“

Hubert Rottner ist es auch, der auf den Stufen des Brunnens stehend mit Megaphon die Veranstaltung offiziell eröffnet und die Köche und Gerichte kurz vorstellt. Von Tisch zu Tisch oder auch von Pfanne zu Feuerstelle konnten die Teilnehmer dann schlendern, sich mit den Köchinnen und Köchen austauschen, Fragen stellen, Neues entdecken und selbst mitkochen, wenn sie wollten.

Aufgetischt: Sommerrollen, Saibling, Panna Cotta & Co. Aufgetischt wurden an 12 kulinarischen Stationen Sommersalate, mit Gemüse gefüllte hauchfeine Crepes, eine frische Suppe mit fermentierten Radieschen, grüner Spargelsalat mit Erdbeeren, ein buntes Linsengericht, vegane Sommerrollen, vietnamesisches, gegrilltes Schweinefleisch mit Dip, ein Emmer-Risotto, Ratatouille, Roastbeef auf der offenen Feuerstelle gegrillt sowie gebratener Saibling. Den zauberte Valentin Rottner, der Neffe des Veranstalters Hubert Rottner. Für den süßen Nachtisch war natürlich auch gesorgt: Es gab Panna Cotta mit roten Beeren ebenfalls von Valentin Rottner aus der Nürnberger Gastronomenfamilie Rottner vom Gasthaus Rottner und Gourmetrestaurant Waidwerk.

„Gemeinsam Kochen und Genießen ist gelebte Esskultur“

„Das macht Lust auf mehr“, findet Dr. Werner Ebert, Umweltreferat Nürnberg. „‘Koch im Park‘ war ein schöner und auch sehr entspannter Event. Profis und “Halb-Profis“ haben zusammen gekocht und in ungezwungener, schöner Atmosphäre gegessen. Gemeinsam Kochen und Genießen ist gelebte Esskultur, findet Ebert, „und so war die Veranstaltung auch deshalb interessant, um zu erleben, wie so etwas funktioniert, wenn fremde Menschen zusammenkommen an einem öffentlichen Raum, und zusammen kochen und essen. Essen bringt die Menschen zusammen. Für mich war ‚Koch im Park‘ so auch Inspiration für Folgeveranstaltungen rund um das Thema Esskultur in Nürnberg.“

Bio international – kulinarischer Ausflug nach Vietnam mitten in Nürnberg

Wer mit Mai Nguyen kochen durfte, reiste kulinarisch bei „Koch im Park“ nach Vietnam. Die vietnamesische Küche lebt von der feinen Duft- und Würzkombination, und so waren – neben dem hauchfein zu schneidenden Schweinefleisch – viele Gewürze möglichst fein zu zerkleinern und zu hacken und musste das Fleisch erst einmal in der Marinade – in der die Fischsauce keinesfalls fehlen durfte – ziehen, bevor es dann an der großen Pfanne gebrutzelt wurde. Zitronengrass, Knoblauch, Frühlingszwiebeln, Chili…was da zusammen-gerührt wurde, versprach auch farblich sommerlichen Genuss, der Fernweh weckt.

An einem der Bier-Tische konnte dann jeder seine eigene vietnamesische Rolle mit dem köstlichen Schweinefleisch „bauen“. Erst die runden Reisblätter ganz kurz ins kalte Wasser, Salatblatt drauflegen, ein paar Reisnudeln, dann das Fleisch und – Pflicht! – Korianderblätter, frisch gepflückt – und die Füllung war fertig. Beim richtigen „Dreh“ half Mai Nguyen dann jedem, der endlich mal wissen wollte, wie das mit den Rollen am besten klappt.

Foto: Joana Winter

Wer es lieber vegan mochte, der konnte gleich nebenan unter professioneller Anleitung vom Team des „The Green“ ebenfalls Sommerrollen zaubern. Herrlich, unter anderem mit buntem Gemüse und Erdnüssen.

Bio-Getränke und -Cafè gab es natürlich ebenfalls und so blieben viele Teilnehmer auch nach dem Essen noch eine Weile, unterhielten sich bei einem Glas Bio-Limo, -Bier, -Wein oder auch einer der verschiedenen Kaffee-Variationen vom Cafè-Mobil und lauschten der Live-Musik von „another mother“, die quasi zum Dessert weiter zur guten Stimmung beitrug.

 

Lust etwas nach zu kochen?

Thit Heo Nuong

(Gegrilltes Schweineschnitzel)

 Zutaten:

 500 g Schweineschnitzel

4 Knoblauchzehen

1 Zwiebel

2 Zitronengras-Stangen

2 EL Fischsoße

Je 1 TL Salz,  Honig & „fünf Gewürze“

4 EL Öl

1 TL Chilipulver (nach Geschmack)

Reisnudeln

Koriander, Minze Salat

 Zubereitung:

Schweineschnitzel klopfen und das Fleisch in Würfel schneiden. Knoblauch feinhacken, Zitronengras in kleine Stücke schneiden und zerstoßen (Fleischklopfer oder Messerrücken). Zwiebeln achteln und mit der fischsoße, Salz, Honig, „fünf Gewürze“, Chilipulver und Öl vermischen; Auch das Zitronengras und den Koblauch hinzufügen. Die Fleischstücke in dieser Marinade ca. 30 Min. einlegen.

Reisnudeln ca. 10 Min. in Reisessigwasser kochen, abtropfen lassen. Auf eine Platte geben.

Kräuter und Salat waschen und auf einer Platte anrichten.

Backofen auf 200° Grad Oberhitze vorheizen und das Fleisch auf einem Backblech 15 Min. grillen. Dann herausnehmen, mit Fischdip, Kräutern, Salat und Reisnudeln als Beilage servieren.

 

Und dazu passt: Nuoc Mam Cham

(Fisch-Dip)

 Zutaten:

 10 EL Wasser

2 EL Zucker

1 EL Limettensaft

4 EL Fischsoße

1 frische rote Chili

2 Knoblauchzehen

 Zubereitung:

Wasser aufkochen, Zucker dazugeben, unter Rühren auflösen, abkühlen lassen.

Chili entkernen, fein hacken.

Knoblauch zerstoßen und fein hacken.

Limettensaft, Chili, Knoblauch zum Zuckersirup geben. Zum Schluss Fischsoße unterrühren.

 

Das Rezept wurde uns freundlicherweise von Mai Nguyen zur Verfügung gestellt.

©Mai Nguyen – Vietnamesische Kochkurse, Catering, Event

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Bio zwischen Ernährungs-Politik, regionalen Wertschöpfungsketten und Esskultur

Was haben Paris, Mailand, Wien und Nürnberg gemeinsam? Sie alle sind aktiv im europäischen Bio-Städte-Netzwerk. In der französischen Metropole haben sie im Januar gemeinsam mit weiteren Kommunen das „Organic Cities Network“ gegründet und wollen Bio auf kommunaler Ebene international weiter voranbringen.

Eine gute Gelegenheit dies zu tun, war der jährliche internationale Bio-Branchentreff Mitte Februar 2018 in Nürnberg. Parallel zur Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, BIOFACH, fand im Messezentrum der Kongress STADTLANDBIO statt. Dort trafen sich 247 Entscheider und Fachleute aus Politik, Verwaltung, Organisationen und Unternehmen und diskutierten praxisnah vielfältige Ansätze und Erfahrungen.

Internationales Bio-Vorbild: Paris

Zum Beispiel die Erfahrungen von Paris. Die französische Hauptstadt nutzt kommunale Handlungsspielräume für eine mögliche Ernährungswende hin zu mehr Bio. Und die Metropole an der Seine ist nicht nur Gründungsort des „Organic Cities Network“, sondern setzt aktiv nachhaltige Ernährungsstrategien um. Diese veranschaulichte Patrick Koumarianos, Projektleiter für die Pariser Ernährungspolitik, anlässlich von STADTLANDBIO 2018.

Bereits seit zehn Jahren arbeitet Paris an einer nachhaltigen Ernährung in seinen Eigenbetrieben. Von den 30 Millionen Mahlzeiten im Jahr, die in Kindergärten, Schulen, Altenheimen und Mitarbeiterkantinen ausgegeben werden, sollen bis zum Jahr 2020 die Hälfte aller Essen nachhaltig oder biologisch zertifiziert sein. Das Budget für diese öffentliche Beschaffung liegt bei 65 Millionen Euro. Zu den Zielen gehören, Zusatzkosten zu reduzieren, eine entsprechende Beschaffungsstrategie aufzubauen und die nachhaltige Ernährungs-Wertschöpfungskette vor Ort zu unterstützen. Außerdem informiert ein CO2-Simulator die Kantinenmitarbeiter, wie hoch der CO2-Abdruck eines Gerichts mit Fleisch oder Hartkäse ist.

2018 wird die Pariser Verwaltung eine Nahrungsmittel-Strategie für die ganze Großstadt implementieren. Acht Millionen Essen werden in Betriebskantinen und Restaurants täglich serviert. In einer groß angelegten Konsultation wurden Vorschläge für alle Bereiche der Erzeuger-, Verarbeiter- und Verbraucherkette erarbeitet und strukturiert. Dazu gehören auch Logistik, öffentliche Lebensmittelhilfe, Abfallverwertung, Verwaltung Erziehung und Forschung. „Wir sind stolz“, resümiert Koumarianos, „aber es ist noch viel zu tun“.

 Nürnberg macht sich stark für Bio

Nürnberg ist seit vielen Jahren aktive und auf der internationalen Bühne engagierte Bio-Stadt, unter anderem auch unter dem Dach von NÜRNBERG DIE BIOMETROPOLE, das die verschiedenen Aktivitäten der regionalen Akteure sowie der BIOFACH bündelt.

NM fair.mag Magazin Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

Für Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hat der globale Anspruch, „die Welt zu ernähren, ohne die Welt zu zerstören“, auch eine lokale Dimension. Ernährung, der gesamte Prozess vom Säen über Verarbeitung bis zum Teller, ist heute „keine Privatsache mehr“. Der Lokalpolitiker und Mitglied des Netzwerks Bio-Städte sieht vor allem Bewusstseinsarbeit und stimulierte Nachfrage als wichtige Stellschrauben.

„Wenn man aber den gesamten Kosmos der Ernährung vermisst, ergibt sich ein neuer Ansatz in der Ernährungspolitik.“

So setzt Nürnberg beispielsweise mit einer Bio-Brotbox für Grundschüler am Geschmackserlebnis der Kinder an. In städtischen Kantinen und Schulen, bei Empfängen oder Großveranstaltungen bis hin zum international bekannten traditionellen Christkindlesmarkt soll der Anteil an Bio-Lebensmitteln kontinuierlich erhöht werden.

Agrarpolitik war früher in den Kommunen immer ein Thema für „die Anderen“. Wenn man aber den „gesamten Kosmos der Ernährung“ vermisst, ergibt sich laut Maly „ein neuer Ansatz in der Ernährungspolitik“. Neben der regionalen Wertschöpfungskette müsse in allen wachsenden Städten Europas auch eine neue Antwort zum Thema Flächenverbrauch gefunden werden. Der Kampf um den letzten Quadratmeter Fläche für Wohnen und Arbeiten konkurriert schmerzhaft mit einer stadtnahen Landwirtschaft.

Der Mensch ist, was er isst – Esskultur als kultureller Trend

Ernährung hat neben den beschriebenen ernährungspolitischen Aspekten auch eine kulturelle Dimension. Da waren sich die Teilnehmer des Kongresses sicher. Frage also: Gibt es einen kulturellen Trend zur Esskultur? Ja, meint Dr. Werner Ebert, Geschäftsführer Netzwerk Bio-Städte, der durch den Workshop „Der Mensch ist, was er isst – Esskultur als kultureller Trend“, führte:

Dialogforum während des Kongresses STADTLANDBIO 2018

Dialogforum während des Kongresses STADTLANDBIO 2018

Insgesamt steigt das Bewusstsein, dass Essen ein kulturelles Thema ist. Es lohnt sich, sich mit den kulturellen Dimensionen auseinanderzusetzen. Dabei geht es zum Beispiel nicht nur um „Veganertum“ auf der einen Seite und „Hauptsache Fleisch und billig“ auf der anderen. Oder um die Gegensätze „Fastfood“ und „Tischgemeinschaft“. Es gibt spannende Möglichkeiten dazwischen. Wenn aber zum Beispiel immer mehr immer billigere Lebensmittel aus einer industriellen Erzeugung eingekauft werden, gehen traditionelle Lebensmittelhandwerker – auch als ein kultureller Wert – verloren.“

 

Neben Politik und Kultur kam aber auch der Genuss beim Kongress nicht zu kurz. Teil des Programms von STADTLANDBIO waren erneut Rundgänge über die BIOFACH. Welche Trends die Teilnehmer dort vielleicht verkostet und genossen haben, lesen Sie zum Beispiel hier

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