In 48 Stunden zum Prototypen

Kreative Ideen kommen nicht auf Knopfdruck. Mag sein. Wenn sich aber viele kreative Köpfe zusammentun und in einer inspirierenden Atmosphäre gemeinsam hirnen, sind innovative Ergebnisse mehr als wahrscheinlich.

Mitte Oktober treffen sich rund 300 Hacker und 400 Besucher aus aller Welt im Nürnberger Fußballtempel zum sogenannten Hackathon. Eine Wortneuschöpfung, erklärt Jana Bailer vom Mentoren-Team der NürnbergMesse – ein Mix aus Marathon und Hacken – natürlich im positiven Sinn; sprich Hacker als Synonym für Tüftler mit einem besonderen Sinn für Technik, Kreativität und Originalität.

Interdisziplinäres Team zur Bearbeitung der Challenge gesucht

Das Vorgehen ist einfach: Anmelden – in Gruppen oder als Einzelperson, und dann binnen 48 Stunden Lösungen für eine von sechs vorgegebenen Aufgaben entwickeln – bis hin zum Prototyp. Eine Jury bewertet die Einreichungen – und es gibt natürlich Preisgelder für die Siegerteams. „Außerdem steht jegliches Material zur Verfügung, das benötigt wird“, ergänzt Jana Bailer. „Die technische Ausstattung ist da, WLAN natürlich, aber auch Schere, Kleber und Papier.“ Außerdem: Essen, Trinken, Outdoor-Programm mit Kicker-Tunnel, Exerlights und Dart-Ecke sowie flankierend eine Konferenz mit spannenden Talks, Vorträgen und einem Start-Up-Award-Wettbewerb. Hochkarätige Redner und Moderatoren sind dabei; unter anderem Amiaz Habtu, bekannt aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen.“ Wer zwischendurch eine Mütze Schlaf benötigt, kann sich auf ein Feldbett zurückziehen. Unterstützt wird die Veranstaltung durch weitere Partner wie Siemens Healthineers, adidas und die Nürnberger Versicherung.

„Beim Hackathon sind uns die Diversität der Ideen und eine ungezwungene Atmosphäre wichtig“ bekräftigt Jana Bailer. „Die Teilnehmer sollen darüber hinaus Spaß haben und sich unvoreingenommen und positiv an die Aufgaben machen.“

Die Herausforderung: Ein Besucherkompass für die BIOFACH

Apropos Aufgaben. Die Challenges, die zur Wahl stehen, sind in drei Kategorien eingeteilt: Sport, Gesundheit und Mobilität. Die NürnbergMesse hat sich Folgendes ausgedacht: Die Hacker sollen eine intelligente Matching-Lösung für Besucher der BIOFACH-Messe entwickeln – auf Basis von echten, natürlich anonymisierten Daten. Stellen Sie sich vor, so heißt es in der Aufgabenstellung, Sie seien einer der über 50.000 Messebesucher und sollen so rasch als möglich die für Ihr Unternehmen relevanten Aussteller finden. Sie planen außerdem noch interessante Gespräche ein und möchten sich über neue Trends informieren – Sie haben aber nur einen Tag Zeit. Wie hilfreich wäre da eine Art Kompass, der genau auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist und Ihnen zeigt, wo es langgeht?

Onsite loves Online: Das Hackathon-Mentorenteam der NürnbergMesse nutzt den DTS auch, um zu verdeutlichen, dass Messe digital sein kann. (V.l.n.r.): Verena Kohler, Jana Bailer, Benjamin Pawelzik, Manja Rupprecht, Sebastian Orthgieß, Corinna Hopfenzitz, Heike Christine Hofmann. Fotorecht: NürnbergMesse

„Wir sind gespannt, was die Hacker pitchen werden. Das kann eine App sein oder etwas, an das wir noch gar nicht gedacht haben“, erklärt Jana Bailer weiter. „Wir freuen uns auf kreative Vorschläge und sind offen für alles – das macht den Charmes eines Hackathons aus.“ Fest steht: Das Siegerteam wird nicht mit dem Preisgeld abgespeist. Jana Bailer: „Unser Ziel ist es, den Prototypen mit den Hackern weiterzuentwickeln und nach Möglichkeit zur Marktreife zu bringen. Außerdem sind wir immer auf der Suche nach neuen Talenten.“

Alle Infos zum Programm finden Sie hier: www.gotechsummit.com/

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Smart venue – wenn das Messegelände mitdenkt

Das Gehäuse, das Dr.-Ing. Jörg Robert in den Händen hält, ist nur wenige Zentimeter groß. Und doch beinhaltet es eine innovative Technologie: ein „Low Power Wide Area Network“, kurz LPWAN. Kernstück ist ein Sensor, der Daten über große Entfernungen sendet, dabei nur sehr wenig Energie verbraucht und deshalb eine lange Lebensdauer hat. „Theoretisch reicht das LPWAN bis zum Mond. Doch auf der Erde mindern Hindernisse wie Häuser die Reichweite“, erklärt Robert, während er eine Antenne auf dem sechsstöckigen Bürogebäude der NürnbergMesse ausrichtet. Diese soll die Daten der Sensoren empfangen, die der Ingenieur überall auf dem Messegelände platziert.

Härtetest im Messebetrieb

Einige Sensoren installiert Jörg Robert in Konferenzsälen, wo sie die Luftqualität messen. Fotorecht: NürnbergMesse

Wie gut das System im Live-Betrieb funktioniert, soll das Forschungsprojekt „FutureIoT“ erproben – unter anderem auf dem Gelände der NürnbergMesse. Besonders gespannt ist Jörg Robert, der am Lehrstuhl für Informationstechnik („LIKE“) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg forscht, auf die großen Technologiemessen im Herbst: „Wenn hunderte Messegäste ihre Handys nutzen oder Anwendungen mit eigenen W-LAN-Netzen präsentieren, könnte das zum Härtetest werden.“ Störungen mittels Algorithmen auszugleichen, ist dann die Aufgabe des Forscherteams.

Wenn alles funktioniert, liefern die Sensoren ihre Datenpakete über die Antenne zum Lehrstuhl nach Erlangen-Tennenlohe. Dort lesen Forscher die Daten aus und stellen sie per Internet den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung Strategie- und Unternehmensentwicklung und des technischen Gebäudemanagements der NürnbergMesse zur Verfügung. Über den Browser sind dann als erstes der Verlauf von Temperatur, Feuchtigkeit und CO2-Gehalt in bestimmten Konferenzsälen einsehbar.

Weitere Sensoren wird das Start-up „Smart City System“ auf den Parkflächen der NürnbergMesse anbringen. Diese melden dann, ob ein Parkplatz frei ist oder nicht. Gekoppelt an ein Parkleitsystem oder verbunden mit den Belüftungsanlagen der Konferenzsäle oder Messehallen können die Daten der Sensoren dazu beitragen, direkte Nutzen für Aussteller und Besucher zu schaffen.

Offenes System, vielfältige Anwendungen

Beim Forschungsprojekt „FutureIoT“ wird das Messezentrum zum Testfeld für die innovative Technologie LPWAN. Fotorecht: NürnbergMesse

„Das System ist bewusst offen gestaltet und kann mit unterschiedlichen Sensoren ausgestattet werden. Das macht den Anwendungsbereich von LPWAN schier endlos“, unterstreicht Robert. Deutlich wird das beim Blick auf die Liste der Kooperationspartner: Vom Flughafen, der per LPWAN Gepäckwagen ortet. Über die Stadt Nürnberg, die Straßenlaternen mit den Sensoren ausstattet, um zeitaufwendige Kontrollen einzusparen. Bis hin zu den Stadtwerken Bamberg, die mit Sensoren auf den Bussen die Luftqualität in der Stadt messen wollen.

Die gesammelten Daten werden von den Forschern ausgelesen und können von der NürnbergMesse in Services für Aussteller und Besucher umgewandelt werden. Fotorecht: NürnbergMesse

Für die NürnbergMesse ist das Forschungsprojekt eine Möglichkeit, potenzielle digitale Anwendungen zu testen: „Insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung des Messegeländes ist die LPWAN-Technologie für uns sehr interessant. Mit den Sensoren sammeln wir wichtige Informationen, mit denen wir unsere Veranstaltungen weiter verbessern und den nächsten Schritt in Richtung eines ‚Smart Venue‘ gehen können“, sagt Dr. Martin Kassubek, Leiter des neuen Bereichs Corporate & Digital Development bei der NürnbergMesse.

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Reale Welt trifft auf virtuelle Realität

Messe und Virtual Reality – passt das zusammen?  Viele Aussteller und Messeveranstalter beschäftigen sich aktuell damit, die reale und die virtuelle Welt zusammenzubringen. Auf der Baumaschinenmesse bauma habe ich mir inspirierende Ergebnisse angesehen.

Die Messe München bot Unternehmen dort eine eigene virtuelle Ausstellungsfläche auf einem VR-Experience-Areal an. Außerdem sah ich zahlreiche Aussteller, die Anwendungen von Augmented und Virtual Reality (AR/VR) einsetzten. In Form von 3-D-Showrooms oder Live-Erlebnissen konnten Besucher beispielsweise mittels Virtual Reality Fahrstuhl fahren oder auf einer virtuellen Baustelle selbst Hand anlegen. Es hat mich beeindruckt zu sehen, wie durch Digitalität emotionale Messeerlebnisse entstehen.

Digital meets analog: Messe-Content im B2B

Eine Veranstaltung des Bundesverbandes Industrie Kommunikation (bvik) ging im April in Nürnberg der Frage nach, wie sich Messen im Spannungsfeld zwischen Live-Erlebnis und virtuellem Raum verändern. Deutlich wurde, dass digitale Technologien das Bild der Messe verändern, wenn Aussteller ergänzend auf VR und AR setzen, um ihre Produkte und Dienstleistungen für Messebesucher anschaulich zu präsentieren. AUMA-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Neven und Claus Rättich, Bereichsleiter Marketing und Kommunikation der gastgebenden Nürnbergmesse äußerten dabei übereinstimmend die Überzeugung, dass zwischenmenschliche Kommunikation durch digitale Technologien nicht zu ersetzen sei. Messen werden als Marketinginstrument Bestand haben, so lange Unternehmen reale Produkte und Dienstleistungen anbieten und Menschen über deren Kauf entscheiden.

Erwartungen real und digital erfüllen

Die Antwort auf die Eingangsfrage ist deshalb: Entscheidend ist, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen und ihnen passende Angebote auf der Messe zu machen. Ob dabei Virtual, Augmented oder Mixed Reality zum Einsatz kommt, ist weniger wichtig, da Inhalte im Fokus stehen und nicht Technologien.

Diese Einschätzung teilt der neue AUMA-Vorsitzende, Philip Harting, CEO der HARTING Technologiegruppe, und formulierte anlässlich seiner Amtsübernahme: „Auch im digitalen Zeitalter braucht die Wirtschaft Messen. Denn Messen sind und bleiben Innovationsforen und sind aus dem Kommunikations-Mix der Unternehmen nicht wegzudenken“.

Foto: bvik, Messerundgang bauma 2019

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Reale Welt trifft auf virtuelle Realität

Messe und Virtual Reality – passt das zusammen?  Viele Aussteller und Messeveranstalter beschäftigen sich aktuell damit, die reale und die virtuelle Welt zusammenzubringen. Auf der Baumaschinenmesse bauma habe ich mir inspirierende Ergebnisse angesehen.

Die Messe München bot Unternehmen dort eine eigene virtuelle Ausstellungsfläche auf einem VR-Experience-Areal an. Außerdem sah ich zahlreiche Aussteller, die Anwendungen von Augmented und Virtual Reality (AR/VR) einsetzten. In Form von 3-D-Showrooms oder Live-Erlebnissen konnten Besucher beispielsweise mittels Virtual Reality Fahrstuhl fahren oder auf einer virtuellen Baustelle selbst Hand anlegen. Es hat mich beeindruckt zu sehen, wie durch Digitalität emotionale Messeerlebnisse entstehen.

Digital meets analog: Messe-Content im B2B

Eine Veranstaltung des Bundesverbandes Industrie Kommunikation (bvik) ging im April in Nürnberg der Frage nach, wie sich Messen im Spannungsfeld zwischen Live-Erlebnis und virtuellem Raum verändern. Deutlich wurde, dass digitale Technologien das Bild der Messe verändern, wenn Aussteller ergänzend auf VR und AR setzen, um ihre Produkte und Dienstleistungen für Messebesucher anschaulich zu präsentieren. AUMA-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Neven und Claus Rättich, Bereichsleiter Marketing und Kommunikation der gastgebenden Nürnbergmesse äußerten dabei übereinstimmend die Überzeugung, dass zwischenmenschliche Kommunikation durch digitale Technologien nicht zu ersetzen sei. Messen werden als Marketinginstrument Bestand haben, so lange Unternehmen reale Produkte und Dienstleistungen anbieten und Menschen über deren Kauf entscheiden.

Erwartungen real und digital erfüllen

Die Antwort auf die Eingangsfrage ist deshalb: Entscheidend ist, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen und ihnen passende Angebote auf der Messe zu machen. Ob dabei Virtual, Augmented oder Mixed Reality zum Einsatz kommt, ist weniger wichtig, da Inhalte im Fokus stehen und nicht Technologien.

Diese Einschätzung teilt der neue AUMA-Vorsitzende, Philip Harting, CEO der HARTING Technologiegruppe, und formulierte anlässlich seiner Amtsübernahme: „Auch im digitalen Zeitalter braucht die Wirtschaft Messen. Denn Messen sind und bleiben Innovationsforen und sind aus dem Kommunikations-Mix der Unternehmen nicht wegzudenken“.

Foto: bvik, Messerundgang bauma 2019

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Die virtuelle Prozesskette und der digitale Zwilling im Karosseriebau

Neue Antriebe und Mobilitätskonzepte treiben die automobile Vielfalt rasant voran. Für den Karosseriebau bedeutet das: Neue Strukturen und Varianten sind erforderlich, eingespielte Prozesse müssen umgestaltet werden – bei überschaubaren Kosten, versteht sich. Um Fehler bereits im Vorfeld zu vermeiden und Prozesse vorhersagbar zu machen, verlagert sich das Engineering zunehmend ins Virtuelle. Mehr Software, weniger Hardware, lautet die Devise.

Computer Aided Engineering (CAE) hilft dabei, die Bauteile, Karosserien oder ganze Fahrzeuge zu simulieren und verlässliche Voraussagen zu treffen, zum Beispiel wie ein neuer Längsträger die Crashenergie abfängt oder sich neue Legierungen verhalten. Aber nicht nur Produkteigenschaften, auch Prozessschritte werden vorhersehbar. Das geht so weit, dass sich sogar die Ergonomie in der Montage virtuell durchspielen lässt, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen.

Die durchgehend virtuelle Prozesskette

Das Interesse der Branche ist groß, den gesamten Produktionsprozess als digitalen Zwilling abzubilden. Das große Ziel besteht darin, Teilabschnitte zu einer Gesamtdarstellung, einer durchgehend virtuellen Prozesskette zusammenzufügen und damit eine Rückkopplung der einzelnen Schritte untereinander zu erlauben. So lassen sich mögliche Verformungen im Fügeprozess oder Lacktrockner bereits im Umformprozess berücksichtigen. Aufwändige Hardwaretests sind damit überflüssig.
Leichter, sicherer, kosteneffizienter?

Bereits im Anfangsstadium ihrer Entwicklung werden neue Karosserien auf typische Crashfälle optimiert. Das Ziel: alle Kräfte, die auf das Fahrzeug bei einem Unfall einwirken, von den Insassen abzuleiten. Selbstredend gilt das auch für den Leichtbau. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben stand lange Zeit die Reduzierung des Gewichts im Fokus: je leichter das Modell, desto geringer der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen. Doch das Aufkommen alternativer Antriebe scheint den Druck aus der Gewichtsdebatte zu nehmen. Drängende Fragen sind nun: Wie lässt sich die Karosserie kostengünstiger ohne Kompromisse an die Sicherheit gestalten? Tragen Materialien wie neue Advanced High Strength Steels (AHSS) mit ihrer Festigkeit und Warmumformbarkeit dazu bei, dass Strukturkomponenten jetzt kostengünstiger werden? Die AEE 2019 gibt Antworten.

„Auch in Zukunft wird es wichtig sein, das Gewicht von Fahrzeugen zu reduzieren und Emissionen zu vermeiden.“

„Auch in Zukunft wird es wichtig sein, das Gewicht von Fahrzeugen zu reduzieren und Emissionen zu vermeiden. Deshalb priorisieren wir bei Jaguar Land Rover weiterhin Leichtbau-Technologien. Uns ist es wichtig, dass das richtige Material am richtigen Ort zum Einsatz kommt, ganz gleich ob Aluminium, UHSS, CFK oder andere Werkstoffe.“ Andrew Foster, Chief Engineer Body Complete, Jaguar Land Rover.

Der neue Jaguar Land Rover I-Pace kann neben anderen Karosserien, Komponenten und Bauteilen auf der AEE 2019 inspiziert werden.

Flexibler in die Zukunft

Flexibel, unabhängig und individuell – das sind die Markenzeichen, die das Auto zum Erfolgsmodell gemacht haben. Längst gelten diese Attribute auch für die Fertigung: Die Modellvariabilität nimmt beständig zu, gleichzeitig vervielfacht sich die Anzahl der Antriebe. Auf diese Anforderungen müssen die aktuellen Produktionslinien immer flexibler reagieren können. Doch wie lässt sich dies mit wenig Aufwand klug umsetzen? Wie werden einzelne Prozessschritte auch für Varianten nutzbar? Gibt es bald eine Fügetechnik für alle Fügeprobleme?

„Über die letzten Jahre sind die technologischen Anforderungen an Karosserie und Fahrwerk massiv gestiegen.“

„Über die letzten Jahre sind die technologischen Anforderungen an Karosserie und Fahrwerk massiv gestiegen: Allein der Werkstoffmix aus unterschiedlichen Stahlsorten, Aluminium, Magnesium und Kunststoff hat deutlich an Komplexität zugelegt. Deshalb sind Vereinfachungen auf Material- und Verfahrensseite unerlässlich. Genau dafür bietet die AEE die richtige Plattform, auf der all diese Trends zu sehen sind“, erklärt Professor Dr. Christoph Wagener, Leiter Forschung und Produktentwicklung bei Kirchhoff Automotive.

Mensch und Roboter rücken zusammen

Zahlreiche Aussteller zeigen auf der AEE mit ihren Produkten und Dienstleistungen, wie mehr Flexibilität im Produktionsprozess gelingen kann. Ein Beispiel: Wenn Mensch und Roboter immer enger zusammenrücken, spielen Sensoren eine entscheidende Rolle: Sie befähigen ihn mit optischen und kamerabasierten Systemen zu präziserer Wahrnehmung, die den Roboter zu einem sehenden Mitspieler machen und ihn erkennen lassen, wo sich was befindet.

Alle Informationen zum Rahmenprogramm der AEE und das Kongressprogramm finden sich unter www.automotive-engineering-expo-com/events

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„Digitalisierung hat unsere Gesellschaft bereits maßgeblich verändert“

Prof. Dr.-Ing. Axel Sikora ist wissenschaftlicher Leiter des Instituts für verlässliche Embedded Systems und Kommunikationselektronik (ivESK) an der Hochschule Offenburg sowie stellv. Institutsleiter und Bereichsleiter „Software Solutions“ bei der Hahn-Schickard Gesellschaft für Angewandte Forschung e.V. Seit 2018 ist er Vorsitzender des Messebeirats und des Steering Boards der embedded world Exhibition & Conference.

1
Die Digitalisierung wird als 4. industrielle Revolution bezeichnet. Wie wird sie unsere Gesellschaft verändern?
Diese Frage bezieht sich nicht nur auf die Zukunft, weil die Digitalisierung unsere Gesellschaft ja in den letzten Jahren schon maßgeblich verändert. Neue Technologien und Geschäftsprozesse, immer schnellerer Wandel, immer mehr Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen, Internationalisierung und Globalisierung. Diese Prozesse werden sich fortsetzen und intensivieren.
2
Technische Innovationen machen das Leben leichter. Wird unser Leben durch die digitalen Technologien auch besser?
Für mich ist ein wesentlicher Vorteil der Digitalisierung die Steigerung der Effizienz. Die Digitalisierung ermöglicht einen sparsameren Einsatz natürlicher Ressourcen, von Zeit und von Arbeit. Während die ersten beiden Aspekte sicherlich uneingeschränkt positiv sind, müssen beim Faktor „Arbeit“ wichtige soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden.
3
Embedded Systeme sind als Basistechnologie ein wesentlicher Motor der Digitalisierung. Wo werden sie eingesetzt und welche Entwicklung werden sie nehmen?
Das Faszinierende an den Embedded Systemen ist, dass sie überall eingesetzt werden, d.h. überall dort, wo sensiert, gesteuert, geregelt und agiert wird. Embedded Systeme sind somit im besten Sinne des Wortes eine „Enabling Technology“. Diese Einsatzmöglichkeiten werden sich in dem Maße fortsetzen und intensivieren, in dem die Bauelemente immer kostengünstiger und energieeffizienter werden.
4
Können Sie ein Beispiel aus dem Alltag nennen?
Es ist mittlerweile fast schwerer, kein Beispiel aus dem Alltag zu nennen: Das fängt bei der Weißen Ware, wie Spül- oder Waschmaschine an, geht über die Energietechnik bei der Photovoltaik, der Heizungsanlage oder dem elektronischen Verbrauchszähler weiter, und reicht natürlich bis zur Verkehrstechnik, insbesondere zur Automobilelektronik, wo ein modernes Auto 60 bis 70 Embedded Systeme von der Motorsteuerung und dem Fensterheber bis zu den Funktionen des autonomen Fahrens hat.
5
Embedded Systeme bilden die Grundlage für das Internet der Dinge. Wie weit darf die Vernetzung gehen? (D.h. darf alles was möglich ist, auch umgesetzt werden?) Kann das Netz „reißen“ bzw. sich verselbständigen?
Ich glaube, dass es eine geradezu Kant’sche Grundregel ist, dass die Vernetzung des einen nur so weit gehen darf, wie die Privatsphäre des anderen nicht verletzt wird. Dabei besitzen aber auch Maschinen und Fabriken eine Privatsphäre, die Zulieferer, Kunden, Konkurrenten oder Analysten nicht verletzen dürfen, bzw. verletzen können dürfen. Eine zweite Regel besagt für mich, dass nur sichere Systeme vernetzt werden sollten. Dies ist aber aus verschiedenen Gründen gerade im Bereich der Embedded Systeme nicht der Fall. Dies kann daran liegen dass die Systeme extrem kostenoptimiert sind, dass sie schon vor vielen Jahren in Betrieb genommen wurden, als das Thema der IT-Security noch nicht so ernst genommen wurde, oder dass die Verwaltung der Sicherheit für die Embedded Systeme ohne leistungsfähige Benutzerschnittstelle schwierig ist, wenn also kein Passwort eingegeben werden, weil das System nur über ein paar einfache Knöpfe verfügt.
6
Künstliche Intelligenz ist das „Next Big Thing“. Wo steht die Forschung aktuell?
Die Forschung rund um „KünstIiche Intelligenz“ und „Maschinelles Lernen“ erreicht beeindruckende Ergebnisse, die bislang besonders gut funktionieren, wenn die zu Grunde liegenden Datenmengen groß sind. So können beispielsweise die Verfahren für die Bilderkennung oder für soziale Medien mit Millionen von Datensätzen trainiert werden. In industriellen Anwendungen liegen oft aber nur Dutzende oder Hunderte Trainingsdaten zur Verfügung. Hier ist es weiterhin eine der Herausforderungen, auch mit geringen Datenmangen gute Ergebnisse zu erzielen.
7
Gibt es Entwicklungen, die Ihnen Sorgen machen? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Oh, bei aller Begeisterung für das Thema „Digitalisierung“ und „Internet der Dinge“ gibt es eine Menge von wichtigen und kritischen Aufgaben für die Zukunft. Diese reichen von der bereits angesprochenen Sicherheit der Systeme und der Privatsphäre über das Verstehen und die Kontrolle auch komplexer autonomer Systeme bis hin zu den gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der technologischen Entwicklung, die ja bereits in den vergangenen Jahren eingesetzt haben. Hier ist für mich eine zentrale Herausforderung, dass wir dem „Digital Divide“ entgegenwirken, also der Tatsache, dass viele Menschen nicht am Fortschritt mitarbeiten und nicht teilhaben können. Dies gilt leider nicht nur international für vielen Regionen der Welt, sondern auch für viele Menschen in unseren nationalen Gesellschaften. Hier müssen wir daran arbeiten, dass wir diese in die zukunftsrelevanten Prozesse einbeziehen können.
8
Wie und wer regelt, was eine Künstliche Intelligenz lernen darf? Kann und müsste man einer KI nicht auf jeden Fall ethische Werte beibringen?
Bislang regelt dies keiner. In diesem Zusammenhang würde ich aber gern zwei Aspekte erwähnen. Zum einen hinkt die Juristerei, und hierbei sowohl die Legislative als auch die Judikative, in vielen dieser technologischen Bereiche meilenweit hinterher und lässt Spielräume zu, die gerade von aggressiven Technologieunternehmen genutzt werden. Zum anderen gilt auch hier, dass Technologie an sich erst einmal nicht „gut“ oder „böse“ ist, sondern dass es auf die Anwendung ankommt. Und diese ethische Frage ist sehr komplex, muss aber immer im Auge behalten werden. Die Podiumsdiskussionen auf der embedded world, aber auch auf der Net.Law.S, ebenfalls in Nürnberg, sind Foren, die die Diskussion vorantreiben.
9
Moderne Roboter bewegen sich wie Menschen oder Hunde. Sie bewegen sich und es macht den Anschein, als können sie wie wir Menschen sehen und Gegenstände erkennen (embedded vision). Was sind die nächsten Entwicklungsschritte? Was fehlt noch zur echten Kopie?
In der Tat werden die Maschinen immer menschenähnlicher. Aber wie wir wissen, gibt es neben der intellektuellen auch noch eine emotionale Intelligenz. Hier gibt es erste Ansätze, z.B. bei interaktiven Servicesystemen oder bei Pflegerobotern.
10
Lässt sich die Digitalisierung lenken? Welchen Beitrag leisten dabei Branchentreffen wie die embedded world?
Eine Besonderheit bei Digitalisierung und Internet der Dinge besteht darin, dass die Entwicklung von in endlos vielen Unternehmen und Institutionen so dezentral stattfindet, wie auch viele Lösungen aussehen. Eine zentrale Lenkung erscheint mir nicht möglich. Nichtsdestoweniger verschlafen hier unsere staatlichen Organe hier soeben wichtigen Gestaltungsspielraum. Umso wichtiger sind „Familientreffen“ wie die embedded world, auf denen man nicht nur technische Probleme diskutiert und neue Lösungsansätze vorstellt, sondern auch strategische und ethische Fragestellungen aufgreift.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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