Beobachten, erkennen und handeln! Rassismus im Umfeld von Kitas

Vielfalt der Geschlechter, Integration und Inklusion – Themengebiete, die in den vergangenen Jahren vermehrt in den Fokus politischer Auseinandersetzungen gerückt sind. Bereiche, in denen progressive und emanzipative Bewegungen Erfolge erzielen konnten – Erfolge, gegen die sich aber auch ein immer größerer Widerstand erhebt – und der kommt von rechts. „Insbesondere im Bereich der Sexualpädagogik lässt sich diese Entwicklung beobachten“, erklärt Matthias Lorenz, der in der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern tätig ist.

Ein patriarchales Bild der Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau wird zur Norm erhoben. Alle nicht-heteronormativen Lebensformen werden hingegen zum Feindbild erklärt. Rechte Parteien und Bewegungen beziehen sich darin sehr stark auf ihre Idealvorstellung der Beziehungskonstellation und versuchen sie mit aller Gewalt als Norm durchzusetzen. Dies entrechtet und bedroht all jene, die sich außerhalb der Enge und Strenge dieser Norm befinden. Lesben, Schwule, Transgender und viele andere – Millionen Menschen, die jenseits der heterosexuell monogamen Zweierbeziehung Verantwortung für einander übernehmen.“ Die Rechten kämpfen darum, dass sich die Emanzipationsentwicklung in diesen Bereichen wieder zurückbewegt und würden dafür am liebsten die Zeit zurückdrehen, so Lorenz. Als Beispiel nennt er die sogenannte Demo für alle, die ursprünglich aus Frankreich stammt und schließlich auch in Deutschland ihren Einzug hielt. Sie richtet sich hauptsächlich gegen progressive Reformen im Bereich der Sexualpädagogik.

Einflussnahme erkennen

In der Praxis zeige sich dies beispielsweise in rassistischen Äußerungen von Eltern oder auch den Kindern selbst, die diese Denkmuster von ihren Eltern übernehmen. Genauso könne es aber auch Kita-Kräfte geben, von denen entsprechende Aussagen stammen oder die etwa Kinder mit Migrationshintergrund auf diskriminierende Weise anders behandeln. Ebenso könne es passieren, dass von außen versucht wird, Einfluss zu nehmen, „zum Beispiel, wenn in unmittelbarer Nähe von Kitas plötzlich Flyer mit entsprechenden Inhalten auftauchen“, erklärt Lorenz und ergänzt: „Ebenso eine Einflussnahme ist es, wenn beispielsweise die AfD im bayerischen Landtagswahlkampf ,islamfreie Schulen‘ fordert oder Eltern gegen Kita-Kinder aus geflüchteten Familien hetzen. Aus unserer praktischen Beratungserfahrung wissen wir, dass solche Vorfälle leider keine Einzelfälle sind,“ so Lorenz.

Was derartige Inhalte sein können, darüber klärt die Mobile Beratung auf: „Was sind typische Erkennungszeichen und Codes, woran erkenne ich die antifeministische, homo- und transphobe Hetze rechter Akteure, wie bemerke ich rassistische oder antisemitische Äußerungen und wie gehe ich damit am besten um – uns kann man immer kontaktieren, auch wenn man mit etwas unsicher ist. Wir bieten die erforderlichen Hintergrundinformationen, um – auch getarnten oder unterschwelligen – Rassismus zu erkennen.“ Zusätzlich gebe die Mobile Beratung hilfreiche Tipps für die Praxis oder verweise auf die entsprechende Beratungsstelle. Auch bei konkreten Vorfällen könne man sich kostenfrei an die Mobile Beratung wenden, die nicht nur telefonisch berät, sondern auch vor Ort dabei hilft, gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln. Zudem werden Workshops und Vorträge angeboten.

Tipps für die Praxis

Wie man sich am besten mit den Betroffenen rassistischer, homo- oder transfeindlicher Angriffe solidarisiert, mag von Situation zu Situation verschieden sein, so Lorenz. Dennoch gibt er zwei wesentliche Tipps für die Praxis: „Auf jeden Fall sollte man reagieren, auch um den Betroffenen zu zeigen, dass man an ihrer Seite steht. Außerdem empfiehlt Lorenz einen klar formulierten und offenen Widerspruch, denn: „Je früher und deutlicher man das thematisiert, desto mehr erreicht man auch.“

Ein Widerspruch ist für Lorenz dabei mehr als nur bloße Worte: „Widerspruch heißt nicht nur, zu sagen, wogegen man ist, sondern beinhaltet auch ein progressives Vorgehen, ein Aufzeigen, wie Inklusion in der Praxis aussehen kann.“ Leider sei es in der Praxis keine Seltenheit, dass Menschen, die sich gegen Rassismus einsetzen, angefeindet und bloßgestellt werden. Hier gelte es, zusammenzuhalten, sich nicht spalten zu lassen und für seine demokratischen und menschenrechtsorientierten Überzeugungen auch gegen Widerstände einzustehen. „Gerade aus diesem Grund ist es so wichtig, couragiertes Eintreten von Mitarbeiter*innen sowie das Eintreten für Gerechtigkeitssinn und Solidarität zur Kenntnis zu nehmen und zu fördern, anstatt diese als Störenfriede zu bezeichnen“, appelliert Lorenz.

Ein weiterer Punkt sei es, selbstkritisch zu sein und sich auch immer wieder selbst zu hinterfragen, ob man nicht unbemerkt bestimmte Denkmuster übernommen hat. Zudem sei es von Bedeutung, nicht nur täterfixiert zu denken, sondern den Blick vor allem auf die Betroffenen zu richten und diese auch ganz konkret nach ihren Bedürfnissen zu fragen: „Es ist wichtig, in Auseinandersetzungen seinen Widerspruch nach außen hin allen anderen zu zeigen sowie nicht zuletzt auch den Betroffenen deutlich zu machen, dass man hinter ihnen steht. Und auf diese Weise ein Zeichen zu setzen – sowohl für den Täter als auch für die Gesellschaft – dass ein solches Verhalten nicht toleriert wird.“

Autorin: Lena Häusler

Im Rahmen der ConSozial 2019, Deutschlands größter KongressMesse für den Sozialmarkt, hält Matthias Lorenz einen Fachvortrag im Kita-Kongress zum Thema Rassismus im Umfeld von Kitas.

Fachvortrag: 06.11.2019 (Mittwoch) von 14:00 – 15:00 Uhr: Was tun gegen rechte und rassistische Vorfälle im KITA-Alltag? Analyse und Reflektion.

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Sprungbrett für Weltverbesserer

Norbert Kunz ist Geschäftsführer von Social Impact und hilft Social Start-ups bei der Gründung nachhaltig erfolgreicher Unternehmen. Fotorecht: Björn Kowalewski.

Erfolgreiches Unternehmertum, ökonomisches Denken und wirtschaftliches Handeln sind wohl Begriffe, die nicht sofort an Social Start-ups denken lassen. Dennoch sind auch das Aspekte, die für Sozialunternehmen durchaus zutreffen und wichtig sind. Social Start-ups liegen im Trend und verbinden Wirtschaftlichkeit mit sozialem Mehrwert. Sie sind soziale Problemlöser und Visionäre des sozialen Fortschritts und wollen gesellschaftliche, ökologische und soziale Konflikte mit ihren Ideen lösen, um so die Welt ein Stückchen besser zu machen. Norbert Kunz ist der Gründer von Social Impact. Er arbeitet seit über 30 Jahren in der Branche und hilft Start-ups dabei, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und erfolgreiche Unternehmen zu gründen. Social Impact versteht sich als Agentur für soziale Innovationen und hat schon etliche Social Start-ups auf ihrem Weg begleitet. Im Interview gibt Herr Kunz Einblicke in seine Arbeit und die Start-up Szene.

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Herr Kunz, inzwischen feiern Sie mit Social Impact über 30 Jahre Erfolgsgeschichte, haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten und betreiben acht Social Impact Labs in ganz Deutschland. Wie sind Sie dazu gekommen und wie können Sie Existenzgründer*innen unterstützen?
Angefangen haben wir 1994 mit einem Qualifizierungsprogramm für arbeitslose Jugendliche ohne Berufsausbildung. Erst später haben wir mit dem Existenzgründungsprogramm begonnen und haben in den letzten Jahren über 3.000 Gründungsprojekte unterstützt. Seit 2011 fokussieren wir uns nun auch auf Social Start-ups und haben hier schon über 300 Projekte betreut. Social Start-ups sind Unternehmen, die soziale oder ökologische Probleme lösen wollen. Wir helfen ihnen bei der Entwicklung der sozialen Geschäftsmodelle und bei der Verbreitung ihrer Innovationsansätze. In jedem Lab erfolgen zwei- bis dreimal pro Jahr Bewerbungsaufrufe. Aus einer Anzahl von 30-50 Bewerbungen, werden dann 8-10 Projekte ausgewählt, die vor einer unabhängigen Jury aus Experten der Sozialwirtschaft pitchen können. Aus diesen werden dann vier bis fünf ausgewählt und in unser Programm aufgenommen. Dieses ist sehr umfangreich: Co-Working, Coaching, Mentoring, Workshops. Wir verfolgen hier einen ganzheitlichen Ansatz und möchten, dass unsere Start-ups auch nachhaltig erfolgreich sind. Und wir haben hier auch eine wirklich gute Erfolgsquote, ich würde mal sagen so zwischen 70 und 80 Prozent.

Das Start-up „GemüseAckerdemie“ zeigt Kindern, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen und wie zum Beispiel Kartoffeln und anderes Gemüse angebaut wird. Fotorecht: Katharina Kühnel

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Wenn Sie die letzten Jahre zurückdenken, was war für Sie eines der herausragendsten Projekte, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es natürlich unendlich viele. Was mir spontan einfällt: Eines der ersten Projekte, die ich betreute, war Ende der 90er Jahre. Wir unterstützten einen 19-Jährigen dabei sich im IT-Bereich selbständig zu machen. Fünf Jahre später traf ich den jungen Mann wieder und er kam mit einem roten Cabriolet vorgefahren und meinte zu mir: „Weißt du Norbert, meine Kunden verlangen von mir, dass ich mit so einem Auto komme“. Da musste ich schon schmunzeln. Ein anderes tolles Projekt, das mir einfällt ist die GemüseAckerdemie. Das ist ein Schulprojekt, bei dem Schüler*innen selbst Gemüse anbauen, vermarkten und verkaufen. Das Programm möchte bei den jungen Menschen ein Verständnis für die Lebensmittelproduktion und nachhaltigen Konsum schaffen. Auch Auticon möchte ich noch erwähnen. Das Start-up beschäftigt Autisten mit einer Spezialbegabung im IT Bereich. Dort werden die Angestellten für einzelne IT-Projekte von Firmen eingesetzt. Menschen mit Behinderung haben es leider oft schwer im Arbeitsmarkt.
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Wie hat sich die Gründerszene in den letzten Jahren verändert?
Ich würde sagen in den letzten sieben bis acht Jahren hat sich schon einiges getan. Zwischenzeitlich gab es wenige Gründer, die sich aus Not, eben aus der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit heraus selbständig machen wollten. Dies gewinnt nun wieder an Bedeutung, wenn ich hier an Geflüchtete denke. Deshalb haben wir auch den ersten Gründungsinkubator für Geflüchtete etabliert. Mit den Social Impact Labs adressieren wir in erster Linie gut ausgebildete junge Menschen, die etwas bewegen wollen, die eine soziale Lösung haben und diese Innovation teilen möchten.
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Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Gründer*in aus?
Ich rate Gründer*innen immer dazu zuzuhören und offen zu sein. Man sollte Kritik und Ratschläge annehmen und vor allen Dingen ernst nehmen. Außerdem sollte jedes Social Start-up mit Herz bei der Sache sein, an die Innovation glauben und nicht vorschnell aufgeben. Auch ein wichtiger Punkt ist Partner für seine Idee zu gewinnen. Unterstützer und Kooperationspartner können für junge Unternehmen äußerst hilfreich sein und einen entscheidenden Schritt vorwärtsbringen, sowohl finanziell als auch was Erfahrung und Wissen betrifft.
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Sie sind ja Kooperationspartner des Innovationsparks. Hier gestalten Sie den Social Start-up Talk. Was haben Sie genau geplant?
Unser Ziel ist es natürlich die Ideen der Social Start-ups bekannt zu machen, denn hier gibt es eine deutliche Lücke. Viele soziale Innovationen sind nicht bekannt und es ist auch weitgehend unbekannt, dass es eine Start-up Szene gibt, die Lösungen für soziale Probleme entwickelt. Auf der ConSozial möchten wir den Start-ups die Möglichkeit geben sich in Pitches vorzustellen. Wir wollen aber natürlich auch den Austausch fördern und haben in dem Programm verschiedene Formate wie Speed-Networking vorgesehen. Ein weiteres Ziel ist es natürlich die Wohlfahrtsverbände anzusprechen und zukünftige Kooperationen und Partnerschaften anzubahnen.

Der Innovationspark auf der ConSozial bietet Social Start-ups die Gelegenheit ihre Idee mit einem breiten Fachpublikum zu teilen. Fotorecht: Heiko Stahl.

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Warum sind in Ihren Augen Messen wie die ConSozial so wichtig?
Das liegt doch auf der Hand. Start-ups müssen dorthin gehen wo der Markt bzw. der Marktplatz ist und daher liegt es nahe, dass sie ihre Innovationen auch auf Messen wie der ConSozial zeigen. Dort wird die gesamte Sozialbranche abgebildet und alle wichtigen Akteure wie Wohlfahrtsverbände, Sozialträger, Partnerorganisationen und weitere Sozialunternehmen sind gesammelt vor Ort. Daher ist es nur empfehlenswert dort auch präsent zu sein.
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Vielen Dank für das Interview.

Der ConSozial inklusive dem Innovationspark findet am 6. und 7. November 2019 im Messezentrum Nürnberg statt. 

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„Wir müssen Expert*innen für Unsicherheit werden!“

Berufe im Bereich der Pflege gelten nicht selten als anstrengend, kräftezehrend und unterbezahlt. Nicht zuletzt entscheidende Gründe, warum die Branche derzeit mit einem enormen Mangel an Fachkräften zu kämpfen hat. Umso erstaunlicher sei es, dass in den Niederlanden mit Buurtzorg ein Unternehmen des Pflegesektors mehrmals zum beliebtesten Arbeitgeber gewählt worden ist, meint Marie Ringler.

Die Europachefin von Ashoka, der weltweit größten Non-Profit-Organisation zur Förderung von Sozialunternehmer*innen, erklärt das Konzept hinter der von Ashoka unterstützten Innovation:

„Das Besondere ist, dass Hierarchien und eine Kontrolle der Mitarbeiter*innen abgeschafft wurden.

„Innerhalb von kleinen Teams entscheiden die Pfleger*innen selbst, wie viele Menschen sie in welchem Zeitraum betreuen, um für diese die bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.“ Auf diese Weise entstehe die hohe Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Zudem würden dadurch die Kosten der Pflege um rund 50% gesenkt werden – „und das ohne Abstriche in der Qualität“, meint Ringler und ergänzt: „Die Idee dabei ist es, den Mitarbeitenden als Expert*innen in ihrem Bereich Autonomie zurückzugeben.“

Ein Trend zu neuen Strukturen

Eine Idee, die gen Zukunft weist, wie Ringler festgestellt hat: „Ashoka lernt jedes Jahr Hunderte, wenn nicht gar Tausende Sozialunternehmer*innen kennen, die sich um eine Mitgliedschaft bewerben. Da haben wir natürlich ein ungeheures Verständnis, wo die Innovationen sind, was am besten funktioniert, und wohin der Trend geht.“

Marie Ringler ist die Europachefin von Ashoka. Die Organisation unterstützt Sozialunternehmer*innen mit dem Ziel „Everyone a Changemaker“ und ist das weltweit größte Unterstützungsnetzwerk für Social Entrepreneurs. Fotorecht: Marie Ringler

Aktuell zeichnet sich ab, dass das klassische hierarchische Führungsmodell nicht mehr funktioniert – sowie der Wunsch, alle Probleme alleine lösen zu wollen: „Heutzutage setzt man auf einen Ansatz, der auf Partnerschaften beziehungsweise Allianzen baut, wo man in starken Teams und nicht in klassischen Strukturen die effektivste Lösung erreicht.“ Insbesondere auch, wenn es um das Thema Kooperationen geht, sind ungewohnte Wege sehr gefragt. Als Beispiel nennt Ringler ein Sozialunternehmen aus Großbritannien, das sich dafür Starbucks auserkoren hat. Das Ziel ist es, mehr junge Menschen für Politik zu erreichen. „Und wo findet man die? Bei Starbucks!“, erklärt Ringler die Wahl auf den „völlig unwahrscheinlichen Partner“. Auch gefühlte „Gegner“ wie etwa Sozialversicherungen hätten sich schon als die besten Partner für Kooperationsarbeit herausgestellt. „Man muss dabei manchmal etwas um die Ecke denken.“

Mut zu neuen Lösungen

Doch was ist zu beachten, damit der Wagemut auch von Erfolg gekrönt wird? „Zunächst muss man überhaupt erst seinen Mut zusammensuchen“, so Ringler. Das sei der allererste Schritt. Dabei komme man nicht darum herum, sich darauf einzulassen, dass die Welt unsicher ist: „Wir müssen Expert*innen für Unsicherheit werden. Mit Neugierde und Kreativität das Problem neu zu denken, neu zu framen, neu zu definieren. Und schließlich neue Wege gehen in der Problemlösung.“ Dabei machen wir ganz sicher Fehler – doch das sei in Ordnung. „Wir müssen nur daraus lernen“, meint Ringler.

Eine gewisse Risikobereitschaft gehört dabei in jedem Fall dazu. Laut Ringler nicht nur für Sozialunternehmer: „In der heutigen Welt ist Risikobereitschaft für jede und jeden von uns wichtig. Wir müssen lernen, damit zu leben. Die Herausforderung besteht nicht darin, alles zu wissen und zu können, sondern darin, mit großer Lust in ein großes Becken voller Unsicherheit hineinzuspringen.“ Eine Gefahr, die Grenze zu einer zu großen Blauäugigkeit zu überschreiten, sieht Ringler dabei nicht: „Man muss natürlich wissen, was man tut. Und es machen, weil man die Welt verändern will. Wenn das unser Leitstern am Himmel ist, hilft es uns, das richtige Maß zu erkennen.

Wir sollten uns eher um zu wenig Risikobereitschaft sorgen, nicht um zu viel.“

Gründer*innen im Fokus

Um ein Ashoka-Stipendium zu erlangen, ist eine Offenheit für innovative Wege gefordert: „Zunächst stellt sich uns die Frage: Ist der Ansatz beziehungsweise die Lösung dahinter neu? Dann folgt der Blick auf die Gründerperson, die dahintersteht. Hat sie eine herausragende Persönlichkeit?“ Dies habe nichts mit einem Schulabschluss zu tun, sondern mit Kreativität. Zudem solle sie der Sache zu 100 % verpflichtet und integer sein sowie ethisch vertretbare Ansichten haben.

Wie sich in den Aufnahmekriterien bereits zeigt, steht der Mensch als Gründer*in im Zentrum von Ashoka, was Ringler mit der bestehenden Ausgangslage erklärt: „Oftmals werden zwar Projekte oder Organisationen an sich unterstützt, doch die Gründerpersönlichkeiten selbst bekommen meist keine ausreichende Unterstützung für ihre häufig sehr schwere und anspruchsvolle Arbeit.“

Ashoka existiert bereits seit über 40 Jahren und ist mittlerweile in 90 Ländern mit mehr als 3.000 Mitgliedern vertreten. Um ein sogenannter Fellow zu werden, sei es nicht wichtig, um welche Art von Geschäftsmodell es sich handelt, sondern es gehe darum, die Wurzel des Problems mit einer unternehmerischen Haltung anzupacken. Das Ziel dabei sollte ein großflächiger, globaler Systemwandel sein, wie Ringler fordert: „Es geht beispielsweise nicht darum, ein paar Bäume zu pflanzen, sondern darum, die gesamte Zerstörung des Regenwaldes zu stoppen. Wohlfahrtssysteme – durch die Arbeit mit der Regierung und öffentlichen Institutionen – innovativ zu machen. Mehr Menschen mehr Unterstützung anzubieten und sie zu ermächtigen, Probleme selber zu lösen.“

Autorin: Lena Häusler

Im Rahmen der ConSozial 2019, Deutschlands größter KongressMesse für den Sozialmarkt, hält Marie Ringler einen Fachvortrag im Kongress zum Thema Neues Führen und Kooperieren.

Fachvortrag: 06.11.2019 (Mittwoch) von 14:00 – 15:00 Uhr: Neues Führen. Neues Kooperieren. Lösungen für eine komplexe Welt.

 

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„Geht nicht, gibt’s nicht: Gemeinsam Grenzen verschieben“

Janis McDavid ist unaufhaltsam. Der 27-Jährige wurde zwar ohne Arme und Beine geboren, lässt sich aber davon nicht stoppen. Auf der ganzen Welt begeistert er mit seinen Vorträgen und Büchern tausende Menschen. Was er sich in den Kopf setzt, zieht er durch.

Grenzen verschieben

Janis McDavid ist voller Tatendrang. Und das spürt man auch in seinen Vorträgen: Er ist authentisch,  voller Leidenschaft und versteht es, sein Publikum mitzureißen. Fotorecht: Caty Otto

Schon früh hat er Spaß daran, seine Grenzen zu erkennen – aber nur, um sie dann auch zu überwinden. Janis McDavid beschäftigt sich intensiv mit Grenzen, die selbstverständlich auch für ihn existieren, doch er arbeitet dann aktiv daran, sie zu verschieben. Die Höhenangst, die er als Kind hatte, ist deswegen längst Geschichte. Aktuell spielt er sogar mit dem Gedanken, es mal mit Paragliding oder einem Fallschirmsprung zu versuchen. Aber die nächste Herausforderung wartet bereits: Janis McDavid plant fest, einmal bei einem Motorradrennen mitzufahren. Und wenn es nur als Beifahrer ist.

 

Barrieren bewältigen

Grenzen und Barrieren sind auch die Schwerpunkte seiner Vorträge. Ihm geht es nicht darum, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen abzubauen, indem er seine Präsentationen darauf ausrichtet, was uns alle verbindet. Sein Ziel ist es, seinem Publikum dabei zu helfen, eigene innere Barrieren zu bewältigen. Ob Motivationsfragen oder Zweifelsspiralen – Janis McDavid bietet praxisnahe Lösungsmöglichkeiten aus eigener Erfahrung.

„Ich hatte immer eine wahnsinnige Neugierde, Dinge auszuprobieren. Ich finde es unheimlich spannend, Menschen und Situationen kennenzulernen und habe den Drang, etwas zu verändern. Und das geht nicht vom Sofa aus.“

Er sieht sich selbst nicht als Mensch mit Behinderung. Zwar gibt es durchaus Momente, in denen es für ihn erschwert wird, seinen Alltag so zu gestalten, wie er das möchte, aber er fühlt sich grundsätzlich an nichts gehindert. Mit der richtigen Planung und ein wenig Kreativität seien auch räumliche Barrieren leicht für ihn überwindbar. Eine größere Herausforderung sieht er darin, auf politischer Ebene etwas zu ändern. Verbesserungsmöglichkeiten sieht er vor allem im gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Akteure: „Viele Menschen können sich nur schwer in die Lebensrealitäten anderer hineinversetzen, da hilft nur die Begegnung und der Austausch miteinander.

Neue Sichtweisen erschließen

Mit seinen Vortragsreisen auf der ganzen Welt leitet er bei seinen Zuhörern einen Perspektivenaustausch ein, der bei weitem nicht einseitig ist. Die unterschiedlichen Erfahrungen in verschiedensten Ländern – von Namibia über Peru bis nach Sri Lanka und Vietnam – haben auch bei Janis McDavid neue Sichtweisen erschlossen. Dazu gehört auch eine neu gewonnene Gelassenheit, wenn er bei seinen Reisen beispielsweise auf die landeigenen Definitionen von Pünktlichkeit stößt.

Dass er vor Ort oft Aufmerksamkeit erregt, wundert ihn nicht. „In Peru waren wir auf ziemlich absurde Art und Weise unterwegs. Ich war ja Rucksack-Tourist – heißt allerdings in dem Fall: Ich saß im Rucksack.“

Am 7. November hält Janis McDavid auf der ConSozial seinen Plenumsvortrag mit dem Titel „Geht nicht, gibt’s nicht – Gemeinsam Grenzen verschieben“ (9:45 – 10:15 Uhr, Raum Tokio, NCC Ost Messezentrum Nürnberg).

Von Reiner Klör und Franziska Schöning

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„Jeder wird mit einem guten Gedanken nach Hause gehen!“

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Komiker, Autor, Moderator und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und „Doctors for Future“, Berlin. Im Rahmen der Eröffnung der ConSozial, die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarktes, wird er einen Vortrag halten. Dabei spricht er Themen an, die die Branche bewegen: sozialen Zusammenhalt, Gesundheit, aber auch wie positive Gemeinschaftserlebnisse zum persönlichen Glück beitragen können.

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Herr von Hirschhausen, Sie sind ja auch ein Spezialist für das Thema Glück: Warum tun die Deutschen sich so schwer mit dem Glück?
Dafür habe ich in der Tat eine interessante Erklärung gefunden: Die Deutschen haben ein zusätzliches Hirnteil, neben dem Frontallappen, der plant und dem Seitenlappen, der vernetzt, haben wir noch den Jammerlappen, der verhindert (lacht). Nein, im Ernst haben wir Deutschen einen echten Nachholbedarf in positiver Psychologie. Wir sind eine der wohlhabendsten Nationen der Erde, aber bei der Zufriedenheit nie aus dem Mittelfeld raus. Glück ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Wie kommen wir von einer Neidgesellschaft zu mehr Solidarität, bürgerschaftlichem Engagement und „Gönnen können“? Aus der Glücksforschung ergeben sich klare politische Prioritäten, wofür wir Steuern besser verwenden können: für Gesundheit, für Bildung, für Musik, Kunst und Gemeinschaftserlebnisse. Und für Fahrradwege statt für Pendlerpauschalen.
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Sie unterstützen von Anfang an Fridays for Future mit den Scientists und den Doctors for Future. Warum ist Klimaschutz eine ärztliche und eine gesellschaftliche Aufgabe?
Unsere Mutter Erde ist krank. Unser Zusammenleben ist nicht nur von anderen Menschen abhängig, wir leben alle davon, dass die Natur uns bislang mit Wasser, Luft und erträglichen Außentemperaturen versorgt hat, ohne dass die Natur uns das in Rechnung gestellt hätte. Deshalb hat das in der Wachstumsökonomie niemanden interessiert, die Kosten waren nicht einkalkuliert. Ärzte sind dafür ausgebildet, Leben zu schützen, Gesundheitsgefahren abzuwehren und schlechte Nachrichten zu überbringen. Und sowohl der Weltärztebund, die internationalen Akademien der Wissenschaft, Fachzeitschriften wie der Lancet Climate Change, sie alle weisen seit Jahren darauf hin: die Klimakrise bedroht unsere Gesundheit. Von den Hitzetoten über neue Infektionskrankheiten, Allergien und Lungenerkrankungen durch Feinstaub und Abgase der fossilen Treibstoffe bis hin zu millionenfacher Migration und Kriegen um Wasser und Essen. Deshalb wird das auch eines der Themen bei meinem Vortrag sein, denn dazu kann heute keiner mehr schweigen. Und soziale Ungleichheit wird nachweislich durch die Klimakrise verschärft, die einen haben Klimaanlagen und verbrauchen weiter Strom und Kohle, die anderen schwitzen sich zu Tode.
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Das Motto der diesjährigen ConSozial lautet „Gemeinsam statt einsam – sozialen Zusammenhalt stärken“. Welche Rolle spielt der generationenübergreifende Zusammenhalt für unsere gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit? Wie könnte man diesen fördern?
Wir haben einen neuen Generationenkonflikt durch die Erkenntnis, dass die junge Generation sich um ihre Zukunft beklaut fühlt, völlig zu Recht. Wir haben auf Pump gelebt, Schulden angehäuft, was nichts anderes bedeutet als: mir doch egal, wer das später mal bezahlt, ich konsumiere jetzt schon. Gleichzeitig hat mein Vater einen viel kleineren CO2 Abdruck als seine Enkel, die alle über Nachhaltigkeit reden. Die Nachkriegsgeneration kann tatsächlich vermitteln, dass ein einfacheres Leben kein schlechtes ist. Und dass auch kein Kind damals erwartet hat, mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden. Gleichzeitig leben viele ältere Menschen heute sehr allein auf großer Wohnfläche, was auch kein echter Fortschritt ist. Deshalb finde ich es spannend zu dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ beizutragen, wie Einsamkeit krank macht, und wie die Art, wie wir Wohnraum schaffen bereits sozial stärkend oder vereinzelnd sein kann.
Jetzt haben wir viel über Zusammenhalt und Glück in Bezug auf unsere Gesellschaft gesprochen. Was bedeutet das denn für unsere Kinder und die Arbeit mit Kindern? Was brauchen Kinder, damit sie glückliche Erwachsene werden, die Zusammenhalt leben und zu schätzen wissen?
Das ist eine sehr komplexe Frage, aber ich glaube, dass ein großes Problem im Bereich Gesundheit ist, dass keine Institution den Menschen über den ganzen Bogen des Lebens im Blick hat. Die Kassen zahlen, wenn Leute krank werden. Dabei kann man sehr viel tun, damit sie überhaupt nicht krank werden. Aber solange Operationen besser bezahlt werden als Gespräche, darf man sich nicht wundern, dass mehr geschnippelt als zugehört wird. Nachhaltig wäre es, bereits mit Familienhebammen in der Schwangerschaft für einen guten Start ins Leben zu sorgen. Im Kindergarten viel zu singen, zu tanzen, Freude am Körper und am Miteinander zu vermitteln. Für die Schulen habe ich mit meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN ein Programm zu sozialem Lernen entwickelt, das endlich die Ideen der positiven Psychologie in die Praxis integriert. Ich bin schon leicht wahnsinnig, die beiden hartnäckigsten Systeme Gesundheit und Bildung verändern zu wollen, aber im Kleinen geht es oft erstaunlich gut voran!
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Was bedeutet Älterwerden in unserer Gesellschaft?
Leider ist Älterwerden in unserer Gesellschaft ein sehr angstbesetztes Thema. Dabei gibt es keinen Grund, Angst vor dem Alter zu haben. Ein Problem hat man doch wirklich nur, wenn man nicht 50 wird! Um es klar zu sagen: Das Alter ist besser als sein Ruf! Die meisten Menschen sind mit 70 besser drauf als mit 17. Altern ist kein Abgesang – Altern ist Leben für Fortgeschrittene.
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Was bedeutet ein Altern in Würde für Sie persönlich?
Ich möchte selbstbestimmt in meiner Wohnung alt werden, umgeben von lieben Menschen, eingebettet in ein soziales Netzwerk von Engagement, füreinander da sein und Sinn und Lebensfreude. Ich wünsche mir dann noch „gebraucht“ zu werden, so wie wahrscheinlich die meisten Menschen… Und natürlich halbwegs gesund und mobil, oder um es mit dem Gebet der Achtzigjährigen etwas salopper zu sagen: Oben klar und unten dicht, lieber Gott, mehr will ich nicht!
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Herzlichen Dank für das Interview.

Plenumsvortrag auf der ConSozial am 06.11.2019 (Mittwoch) von 10:00-11:00 Uhr: Keiner kann sich selber kitzeln! Wie gelingt Motivation für Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Komiker, Autor, Moderator und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und „Doctors for Future“, Berlin

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Allzeit erreichbar, allzeit bereit?

Digitale Anwendungen haben sich bei den meisten Menschen fest im Alltag etabliert. Kinder kommen immer früher mit digitaler Technik in Berührung und wachsen zu sogenannten „digital natives“ heran. Viele Jugendliche können sich ein Leben ohne soziale Medien gar nicht mehr vorstellen. Ob es sich um den Einkauf, die Informationsbeschaffung oder das Kommunizieren handelt, alles findet in der digitalen Welt statt. Im Schnitt schaut jeder Deutsche circa alle 18 Minuten auf das Smartphone, schreibt Nachrichten, ist in sozialen Medien aktiv oder in sonstiger Weise mit dem Handy beschäftigt. Das ergibt pro Tag über 50 Interkationen!

Das wirkt sich auch auf Social-Media-Verantwortliche aus. Sie müssen daher ihre Kanäle stets im Blick behalten. Damit bekommen sie 24/7 mit, was geschieht. Und weil in sozialen Netzwerken oftmals eine Antwort in Echtzeit erwartet wird, ist der Druck groß, immer und gleich darauf zu reagieren.

Die 24-Stunden Gesellschaft: ständige Erreichbarkeit

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Eberhard Thörel, Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Freiburg

Das ständige Auf-Sendung-Sein macht aber auf Dauer krank, sagt Psychologe Eberhard Thörel. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Freiburg. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Master-Management ständiger Erreichbarkeit“, über das er auf der ConSozial referiert, hat sich der Psychologe mit den Auswirkungen dieses neuen gesellschaftlichen Phänomens beschäftigt.

Das Schwierige für Social-Media-Verantwortliche sei es, den permanenten Aktivierungszustand überhaupt erstmal bewusst wahrzunehmen, sagt Thörel. Nur selten werde die ständige Erreichbarkeit vom Arbeitgeber explizit eingefordert. Es sei vielmehr die Funktionsweise des Mediums, die der Berufsgruppe zu schaffen mache. Der Dauerstress, ausgelöst durch die ständige Erreichbarkeit fördert Schlafprobleme, Depressionen, Burnout und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so die Ergebnisse von diversen Studien.

Grenzen setzen, Stress abbauen

Deshalb sei es wichtig, Grenzen zu setzen, sagt der Experte. Wer sich in einem ständig aktivierten Zustand befindet, schüttet tagsüber das Stresshormon Cortisol aus. Abends, nach der Arbeit, sei der Körper darauf angewiesen, dass er abschalten könne, um gut zu schlafen. Nur so könne sich das gesamte System sich regenerieren. „Wer abends noch Nachrichten checkt oder beantwortet, der fährt mental nicht herunter, es wird noch einmal Cortisol ausgeschüttet, man schläft schlecht“, sagt der Psychologe. Man könne zwar nicht pauschal sagen, wann die ständige Erreichbarkeit und der damit verbundene Dauerstress krank mache, doch klar sei, dass diese Faktoren sich bei vielen Social-Media-Verantwortlichen mittel- oder langfristig negativ auf die Gesundheit auswirkten.

„Arbeitsrechtlich gibt es keine Verpflichtung zur ständigen Erreichbarkeit“, betont Thörel. Doch für Social-Media-Verantwortliche gibt es noch keine festen Arbeitsrichtlinien und Betriebsvereinbarungen. Dabei betrifft die Problematik in Deutschland bereits rund 30 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Doch wie kann man Grenzen setzen? Dieser Frage geht Thörel bei seinem Fachvortrag auf der ConSozial am Mittwoch, den 7.11.2018 um 14 Uhr im Messezentrum Nürnberg nach.

Digitalisierung menschlich gestalten

Die ConSozial steht dieses Jahr unter dem Motto „Digitalisierung menschlich gestalten“. Die führende KongressMesse für den Sozialmarkt möchte einen umfassenden Blick auf das allseits viel diskutierte Thema werfen.

Durch Fachvorträge wie dem von Eberhard Thörel, durch Workshops und dem vielfältigen Informationsangebot auf der Messe selbst soll Raum zum fachlichen Austausch geboten werden. Veranstaltet wird die ConSozial vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Sozialministerin Kerstin Schreyer liegt das diesjährige Thema besonders am Herzen: „Wir werden – und das ist mir als Sozialministerin ganz besonders wichtig – den Menschen in den Mittelpunkt stellen und die positiven Aspekte der Digitalisierung zu nutzen wissen“.

Schlechtreden sollte man die digitale Technik aber keinesfalls. Vielmehr sind der richtige Umgang und das kritische Prüfen wichtig. Fach- und Führungskräfte in der Sozialwirtschaft sollten sich eingehend mit dem Thema auseinandersetzen, damit digitale Innovationen nicht ihren ursprünglichen Zweck verfehlen – den Menschen in sämtlichen Lebensbereichen zu unterstützen.

Der digitale Wandel muss gemeinsam gestaltet und digitale Kompetenzen müssen entwickelt werden, so dass jeder von der Digitalisierung profitieren kann. Es ist eine der großen Zukunftsaufgaben der Sozialbranche.

Autorinnen: Michaela Zimmermann und Katja Spangler

 

Die ConSozial ist die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarktes im deutschsprachigen Raum. Am 7. und 8. November 2018 informieren sich mehr als 6.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher im Messezentrum Nürnberg über die neusten Entwicklungen und Trends der Sozialwirtschaft. Parallel findet der KITA-Kongress statt, der sich an Fach- und Führungskräfte von Kitas wendet. Die ConSozial wird vom Bayerischen Sozialministerium veranstaltet. Partner sind die Rummelsberger Diakonie, die Caritas Bayern und die NürnbergMesse.

Der Beitrag Allzeit erreichbar, allzeit bereit? erschien zuerst auf Das Online-Magazin der NürnbergMesse..